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Höckerstraße: Der Optiker hat sein Geschäft im Gebäude Höckerstraße 9, das inzwischen Udo Wünderlich gehört. Auf der Fläche der rechts daneben stehenden Gebäude, Höckerstraße 3-7, will der Lübbecker ein Geschäftshaus bauen. - © Kiel-Steinkamp
Höckerstraße: Der Optiker hat sein Geschäft im Gebäude Höckerstraße 9, das inzwischen Udo Wünderlich gehört. Auf der Fläche der rechts daneben stehenden Gebäude, Höckerstraße 3-7, will der Lübbecker ein Geschäftshaus bauen. | © Kiel-Steinkamp

Herford Geschäftshausentwurf passt nicht ins historische Stadtbild

Der Lübbecker Udo Wünderlich will ein Geschäftshaus bauen - und die Wohnungen unterm Dach leer stehen lassen

Corina Lass
19.11.2016 | Stand 18.11.2016, 22:24 Uhr

Herford. Frust, Enttäuschung und Ärger beherrschte die Debatte um die Neubebauung der Grundstücke Höckerstraße 3-7 im Bau- und Umweltausschuss. Auslöser war Udo Wünderlich. Dem Alsweder (Lübbecke) gehört schon das ehemalige Filmstudio in der Innenstadt, in dem unter anderem das Geschäft "Depot" mit Wohn- und Dekoartikel sitzt. Jetzt will er die Gebäude an der Höckerstraße abreißen und auf der Fläche ein Geschäftshaus errichten. Dagegen haben auch Stadt und Politiker nichts. Wohl aber gegen die Art des Umgangs, die Wünderlich pflegt. Potenzielle Investoren hatten sich in der Vergangenheit immer um ein Einvernehmen mit der Stadt bemüht. Dem Bauherren liegt daran nichts. Selbst der Vorsitzende des Bau- und Umweltausschusses, Werner Seeger (CDU), ein Verfechter dieses kooperativen Vorgehens, sagte am Donnerstag: "Die Gestaltungsleitlinien reichen wohl nicht." Angedacht ist nun, sie zur Satzung zu machen - und damit zu verpflichtendem Recht. Wünderlich plant auf der Fläche - in einem der Gebäude befand sich früher das Wittekindkino - einen zweigeschossigen Bau. Im Erdgeschoss will er Geschäftsräume unterbringen, im Obergeschoss ein Lager. Unter dem Satteldach gibt es weitere Räume. Die Kritik von Verwaltung und Politikern richtet sich gegen den viergliedrige Entwurf, der in keiner Weise die Ästhetik der historischen Innenstadt aufnehme, so der Tenor. Das ist nicht nur die Meinung der Stadt. Auch der Beirat für Stadtbildpflege sieht das so. Und die Politiker im Bauauschuss schlossen sich der Einschätzung an. "Ausführung und Material passen nicht", so Herbert Even (Bündnisgrüne). Andere Investoren nahmen in der Vergangenheit in solchen Fällen Rücksicht und änderten die Architektur. Aber: "Dieser Bauherr ist nicht gesprächsbereit", so Seeger. Weder mit der Verwaltung, noch mit den Politikern. Und die Stadt kann nichts tun: Der geplante Baukörper fügt sich in Höhe und Volumen in die Umgebungsbebauung ein. Wünderlich hat ein Recht zu bauen. Dabei dürfte das Erscheinungsbild des künftigen Gebäudes an der Hökerstraße besonders stören: Gegenüber steht das alte Bürgermeisterhaus mit seinem gotischen Giebel. "Die Stadt ist 1.200 Jahre alt", sagte Even. Ihre Struktur und Ästhetik hätten auch Investoren zu berücksichtigen. "Vielleicht ist ein solcher Investor in Herford fehl am Platz." Wünderlich selbst legte gestern zunächst gleich wieder auf, als er die Neue Westfälische am anderen Ende der Telefonleitung erkannte, rief dann aber noch einmal zurück. "Erzählen Sie mir etwas, dann erzähle ich Ihnen etwas", sagte er. Den Hinweis auf die Unzufriedenheit der Politiker mit seinem Bauprojekt wollte er allerdings nicht hören. "Wir lassen das jetzt über den Rechtsanwalt laufen", sagte er mit hörbarer Verärgerung. "Wir bauen das Ding so oder gar nicht." Die Alternative könnte Leerstand über Jahre sein. Mit Wünderlich, Geschäftsführer der Lübbecker Spiel GmbH und der Mittelland GmbH, würde das Thema Leerstände aber selbst dann in Herford aufschlagen, wenn er baut: Die Räume im Dachgeschoss will der Bauherr nicht nutzen, wie Elke Verfürth aus der Bauverwaltung bei der Vorstellung des Entwurfs betonte. Zur Erinnerung: Auch das Filmstudio stand noch Jahre ungenutzt, nachdem Wünderlich es gekauft hatte. Gleiches passierte mit einem Geschäftshaus in der Lübbecker Innenstadt. Der Alsweder hat es zwar vor Jahren saniert, aber seither steht es leer. Aus gut unterrichteten Kreisen heißt es, Wünderlich sei nicht darauf angewiesen, dass einzelne Investitionen ihr Geld auch wieder einbringen. Frank Liedtke äußerte im Bau- und Umweltausschuss mit Blick auf das Gebäude Hökerstraße 9 eine weitere Sorge: Aus dem Stadtbild verschwinde immer mehr historische Bausubstanz - irgendwann habe Herford überhaupt keine historischen Gebäude mehr, sagte er. Das Haus Hökerstraße 9 ist Recherchen der Neuen Westfälischen zufolge inzwischen tatsächlich ebenfalls an Wünderlich verkauft worden. Es ist allerdings denkmalgeschützt, wie die Stadt im Bau- und Umweltausschuss mitteilte. Aber: Auch denkmalgeschützte Gebäude müssen nicht in jedem Fall erhalten werden. Das Haus hat deutliche Setzrisse, die auf Bauarbeiten im Umfeld zurückzuführen sein könnten.

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