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Öffentliche Verwaltungen sind nach Einschätzung der Landesarbeitsgemeinschaft der Gebärdensprachdolmetscher unzureichend auf die besonderen Bedürfnisse gehörloser Menschen eingestellt. - © Symbolfoto: dpa
Öffentliche Verwaltungen sind nach Einschätzung der Landesarbeitsgemeinschaft der Gebärdensprachdolmetscher unzureichend auf die besonderen Bedürfnisse gehörloser Menschen eingestellt. | © Symbolfoto: dpa

Herford Behindertenbeirat soll Gebärdendolmetscher bekommen

Inklusion: Gremium beantragt Einrichtung eines Fonds zur Finanzierung der Übersetzer für Gehörlose in seinen eigenen Sitzungen. 1.790 Euro sollen dafür im nächsten Haushalt bereitgestellt werden

Miriam Scharlibbe
24.08.2016 | Stand 24.08.2016, 10:52 Uhr

Herford. Der Behindertenbeirat will sich dafür einsetzen, dass gehörlose Menschen in Herford mehr Unterstützung von Gebärdensprachdolmetschern bekommen. Demnach solle der Sozialausschuss dem Rat empfehlen, im Zuge der Haushaltsplanberatungen für das Jahr 2017 über die Bereitstellung eines entsprechenden Fonds zu entscheiden. Aus diesem sollen dann auch Übersetzer bezahlt werden, die Gehörlosen die Teilnahme an Treffen des Behindertenbeirats ermöglichen. Die Arbeitsgruppe " Behindertenbeirat" trifft sich einmal im Monat für zwei Stunden für die Vor- und Nachbereitungen der Behindertenbeiratssitzungen sowie für die Vertiefung und Aufbereitung einzelner Themen. Die Treffen werden öffentlich über die Presse bekannt gegeben, damit auch Menschen mit Behinderungen, die nicht dem Beirat oder einer Organisation angehören, ein Zugang zur Politik ermöglicht wird. Damit künftig auch gehörlose und hörgeschädigte Menschen an der Arbeitsgruppe des Behindertenbeirates teilnehmen können, sollen Dolmetscher engagiert werden. In der Vergangenheit wurden die Kosten für einen begrenzten Zeitraum von der Sparkasse übernommen. Jetzt soll die Politik die Finanzierung sicherstellen. Stadt kann eventuell für vier Sitzungen aufkommen Die Mitglieder des Behindertenbeirats sehen mit ihrem Anliegen auch die Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention erfüllt, wonach allen Menschen ermöglicht werden soll, am gesellschaftlichen und politischen Leben teilzunehmen. Der Stadtverwaltung hält es allerdings nicht für notwendig, für alle Sitzungen der Arbeitsgruppe Gebärdendolmetscher vorzuhalten und zu finanzieren. Die verantwortliche Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann schlägt vor, dass zumindest bei den vier Gruppentreffen, in denen die Sitzungen des Behindertenbeirats vorbereitet werden, Dolmetscher dabei sind, für deren Kosten die Stadt aufkommt. Froese-Kindermann weist außerdem darauf hin, dass die Forderung nach einem solchen Fonds aus einer Maßnahmenempfehlung mit mittlerer Priorität aus dem vom Rat verabschiedeten Teilhabeplan der Stadt abgeleitet werden kann. Verein hatte mehr Unterstützung eingefordert Die Kosten für die vier Sitzungen würden sich auf jährlich 1.790 Euro belaufen. Jede einzelne Sitzung würde Kosten von knapp 450 Euro verursachen - für zwei Gebärdendolmetscher, bei zwei Stunden Sitzungszeit, Fahrzeit und Kilometergeld. Dolmetscher für Gebärdensprache sind fast immer zu zweit im Einsatz, um sich gegenseitig abwechseln zu können. Die gleichzeitige Konzentration auf das Gesagte und die Übersetzung in die Gebärden ist sehr anstrengend. Gehörlose haben zwar gesetzlich ein Recht auf Dolmetscher, können dies aber nicht immer ausreichend einfordern. Auch der Gehörlosenverein Herford hatte in der Vergangenheit mehrfach gefordert, dass Betroffene bei Verwaltungsgängen und Behördengesprächen mehr unterstützt werden.

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