Wentworth-Kaserne: Sie soll zum Bildungscampus werden. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Wentworth-Kaserne: Sie soll zum Bildungscampus werden. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Berlin fördert Umbau zum Bildungscampus mit 3,4 Millionen Euro

Bundesbauministerium bewilligt Mittel im Konversionsprozess auf dem Stiftberg

Herford. Kassettendecke, 24-armige Kronleuchter und Parkettfußboden. Das ehemalige Offizierscasino der Engländer an der verlassenen Wentworth-Kaserne strahlt noch immer den Glanz des „British Empire" aus. Künftig könnte es zusammen mit dem nahen Kongresszentrum und dem Block A zur Basis für den geplanten Bildungscampus auf dem Stiftberg werden. Das Baumministerium in Berlin fand die Idee so verlockend, dass der Umbau dieser drei Gebäude mit 3,4 Millionen Euro unterstützt wird. Das Bundesbauministerium fördert 17 „Nationale Projekte des Städtebaus" mit insgesamt 41 Millionen Euro. „Mit diesem Programm unterstützen wir ‚Leuchttürme‘ der Baukultur von nationaler Bedeutung und internationaler Ausstrahlung", sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks. Ein Schwerpunkt des Programms: die Konversion von Militärflächen. In NRW hat neben Herford lediglich die Stadt Essen Gelder aus diesem Fördertopf erhalten. Bürgermeister Tim Kähler gab sich gestern ausgesprochen zufrieden, da es für ein Herforder Projekt nach der Markthalle innerhalb kürzester Zeit zum zweiten Mal erhebliche Finanzmittel gebe. „Diese Zusage hilft uns immens und macht mich optimistisch, was die weiteren Schritte betrifft. Dabei wird der künftige Verwendungszweck kaufpreisentscheidend sein." Diese weiteren Schritte betreffen das gesamte von den Briten genutzte Areal zwischen Vlothoer Straße, Stadtholz- und Ulmenstraße. Allein die drei Objekte im Eingangsbereich sollen künftig von der Stadt betrieben werden. Kähler bezeichnet sie als „Wachstumskern". Dabei setzt das Stadtoberhaupt auch auf die Wirtschaft, „die muss integriert werden". Wobei der für die Konversion zuständige Norbert Landshut als Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEH) schon konkrete Vorstellungen zur weiteren Nutzung der drei Basisobjekte hegt. „Im Kongresszentrum könnten Fortbildungsveranstaltungen oder Tagungen stattfinden. 250 Sitzplätze stehen hier zur Verfügung, so etwas fehlt in der Stadt bislang. Im Block A könnten kleine Büros für Start-up-Unternehmen oder junge Unternehmer eingerichtet werden, die woanders keine Flächen finden. Und für das Offizierscasino ist eine Restauration angedacht, in der die auf dem Gelände Studierenden oder Beschäftigten mittags essen und die abends zum Treffpunkt für die Öffentlichkeit wird", sagt Landshut, der davon ausgeht, dass den Bildungscampus bis zu 1.000 Menschen täglich besuchen. Die heimischen Bundestagsabgeordneten bewerteten die Entwicklung überaus positiv. Tim Ostermann (CDU): „Das Bildungscampus-Projekt ist für mich ein Paradebeispiel dafür, wie ehemalige Militärflächen zukunftsorientiert von unseren Kommunen entwickelt werden. Noch bis zum letzten Jahr waren in der Wentworth-Kaserne britische Truppen stationiert – jetzt soll dort ein integrativer und international ausgerichteter Bildungs- und Forschungspark für Jung und Alt entstehen." Stefan Schwartze (SPD): „Ein ganz dickes Kompliment an Rat und Stadtverwaltung, die in diesem Projekt eine ganze Menge Arbeit stecken haben. Das ist auch ein wichtiges Signal für die Stadt, den Kreis und die Arbeitsplätze hier." Vor der Umsetzung steht aber der Kauf des Geländes. Denn das ist im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Landshut rechnet damit, dass die Verhandlungen im kommenden Jahr aufgenommen werden und dass der Bildungscampus ab 2018 Fahrt aufnehmen kann. Ein Verfall der jetzt bewilligten Fördermittel droht nicht, da die Stadt ein Vorkaufsrecht und fünf Jahren Zeit bis zum Abruf der Mittel hat.

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