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Verplant: Drei Häuser an der Höckerstraße - mit dem ehemaligen Wittekind-Kino in der Mitte - sollen für einen neuen Gebäudekomplex weichen. Der Beirat für Stadtbildpflege beklagt jetzt die "beratungsresistente Haltung" des Hüllhorster Investors. Fotos: Peter Steinert - © Peter Steinert
Verplant: Drei Häuser an der Höckerstraße - mit dem ehemaligen Wittekind-Kino in der Mitte - sollen für einen neuen Gebäudekomplex weichen. Der Beirat für Stadtbildpflege beklagt jetzt die "beratungsresistente Haltung" des Hüllhorster Investors. Fotos: Peter Steinert | © Peter Steinert

Herford Streit um Neubau am ehemaligen Wittekind-Kino

Beirat wirft Hüllhorster Investor für Ladenzeile am ehemaligen Wittekind-Kino Beratungsresistenz vor

Peter Steinert
12.05.2016 | Stand 12.05.2016, 08:09 Uhr

Herford. Zum Shoppen in die City. Ein Investor aus Hüllhorst (Kreis Minden-Lübbecke) denkt dabei nicht an pralle Einkaufstüten, sondern an lukrative Immobilien in bester Innenstadtlage. Schon in der Vergangenheit griff er in Herford beherzt zu, sodass ihm inzwischen etliche Häuser am Gehrenberg und in der Höckerstraße gehören. Jetzt schlägt der Beirat für Stadtbildpflege Alarm und beklagt "die beratungsresistente Haltung des Investors bei seiner Neuplanung für die Häuserzeile Höckerstraße 3 - 7." Im Zentrum der Neubaupläne steht das ehemalige Wittekind-Kino. Das und angrenzenden Objekte sollen - wie berichtet - abgerissen werden, damit neue Geschäfte errichtet werden können. Geplant ist ein viergliedriger Baukörper mit drei Geschossen. Beirat vermisst Qualität Im Vorfeld war der Beirat für Stadtbildpflege in die Planungen eingebunden gewesen und hatte seine Zustimmung signalisiert. Diese Zustimmung ist gewichen. Wohl auch, weil eine Zusage nicht eingehalten wurde, wonach die Architekten (Eggemann, Georgsmarienhütte) die Herforder Stadtbildpfleger in ihre weiteren Planungen nicht mehr eingebunden hatten. "Die nun vorgestellte Bebauung lässt in der Fassadengestaltung und in der Materialwahl die, nach Meinung des Beirates an dieser Stelle unbedingt zu erreichende, Qualität vermissen", heißt es in einer von der Beiratsvorsitzenden Rebekka Junge gestern verbreiteten Mitteilung. Rebekka Junge konkretisiert gegenüber der NW: "Offenbar sollen reine Läden und keine Wohnbebauung entstehen. Bei einem Leerstand werden dann die Fenster auf mehreren Etagen zugeklebt. Man hätte richtige Häuser bauen können mit Geschäften im Erdgeschoss und Wohnungen darüber." Die Nachbarn sind besorgt Mittlerweile ist die unveränderte Planung als Bauantrag eingereicht worden, was Beigeordneter Peter Böhm bestätigt: "Die Befreiung ist erteilt." Eine rechtliche Möglichkeit für Veränderungen gebe es nun nicht mehr. "Jetzt kann man nichts mehr machen", sagt Rebecca Junge, die anhand dieses Beispiels erneut die Stadt in die Pflicht nehmen möchte: "Hier wäre die vorbereitete, aber immer noch nicht beschlossene Gestaltungssatzung ein hilfreiches Instrumentarium gewesen." Angesichts der bevorstehenden Bautätigkeiten sorgen sich die Nachbarn um ihren Bestand. So wird befürchtet, dass bei den Abbrucharbeiten auch Gebäude in der Nachbarschaft beschädigt werden könnten. Anwohner wie Jürgen Bühring hatten im Zusammenhang mit dem Neubau der Seniorenresidenz am Linnenbauerplatz vor einigen Jahren bereits schlechte Erfahrungen gemacht. "Der Abriss in der Nachbarschaft hat unserem Haus an der Höckerstraße 9 nicht gut getan. Beim Neubau sollte dann die Pfählung in den Sandboden gebohrt werden, stattdessen wurde sie reingerammt." Das Bürgermeisterhaus liegt gegenüber Die Folgen waren fatal, auf einen Rechtsstreit wollte sich Jürgen Bühring allerdings nicht einlassen. "Das hätte womöglich zu lange gedauert." Hilfe verspricht geschädigten Eigentümern jetzt ein Bodengutachten und Beweissicherungsverfahren, dass für den Neubau Höckerstraße 3 - 7 vorgeschrieben ist. Davon profitieren könnte auch die Erbengemeinschaft des Hauses Höckerstraße 4. Das bekannte Bürgermeisterhaus liegt direkt gegenüber vom geplanten Neubau. "Das Bürgermeisterhaus ist eines der wenigen Häuser aus jener Zeit, die in Herford noch erhalten sind. Deswegen ist das Gebäude von großer Bedeutung", sagte unlängst Bettina Lange vom Amt für Denkmalschutz. Das scheint auch der Investor aus dem Kreis Minden-Lübbecke erkannt zu haben. Eine Kaufanfrage von ihm habe die Erbengemeinschaft abgelehnt, hieß es zuletzt. Ersatzweise verlegte der Hüllhorster seine Shoppingtour auf die andere Straßenseite und fühlte bei Jürgen Bühring, dem Eigentümer von Haus Höckerstraße 9, vor. Angeblich stehen die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss. Dementieren mochte Bühring das nicht. "Dazu gebe ich keine Auskunft", sagte er dieser Zeitung. Der Investor aus Hüllhorst äußert sich gegenüber der NW nicht.

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