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Herford Das Crüwellhaus an der Höckerstraße ist sanierungsbedürftig

CDU-Bundestagsabgeordneter Tim Ostermann will sich für Zuschüsse einsetzen

Peter Steinert
08.04.2016 | Stand 03.01.2018, 11:30 Uhr

Herford. Einst, in Zeiten der Inflation, waren die Läden leer. Für Speck und gute Worte, sagt Wilfried Wlecke, sei noch was machbar gewesen. Den Speck gab´s im Lebensmittelhaus Lieber an der Höckerstraße 4. Gute Worte braucht heute das als Bürgermeister- oder Crüwellhaus bekannte Schmuckstück der Herforder Innenstadt selbst. Die Fassade bröckelt, das Objekt ist sanierungsbedürftig. 107.000 Euro Kosten sind veranschlagt. Die Erbengemeinschaft um Lore Sauter, eine geborene Lieber, hofft nun auf Hilfe aus Berlin für das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1538. Dafür sieht es gar nicht schlecht aus. "Deutschland verfügt über zahlreiche Kulturdenkmäler. Diese zu erhalten, kann im Einzelfall eine national bedeutsame Aufgabe sein. Auf das Crüwellhaus trifft das zu", sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Tim Ostermann, der sich in Berlin für dieses das Stadtbild prägende Gebäude stark machen will. "Im Juni soll entschieden werden, ob im Bundeshaushalt 53.000 Euro zur Sanierung des markanten Gebäudes zur Verfügung stehen", sagt der Christdemokrat. Gott zum Lob, der Stadt zur Ehre, zum Nutzen der Menschen Für die architektonischen Feinheiten sollten Betrachter den Kopf allerdings in den Nacken legen. Dann ist etwa auch ein Schriftzug zu erkennen, der übersetzt heißt: "Gott zum Lob, der Stadt Herford zu Ehre und zum Nutzen, der Menschen im Jahr unseres Herrn 1538. Wenn Gott das Haus nicht baut, ist aller Menschen viel zu leicht." Leicht irritieren könnte dabei allerdings die derzeit in den Fenstern des Ladenlokals prägnant angebrachten Plakate. Die werben für den Räumungsverkauf bei "Elfriede", deren Betreiber nach vielen Jahren aufgeben (siehe nebenstehenden Artikel). Wobei das Geschäft für Damenmoden ähnlich lange Bestand hatte, wie früher der Juwelier Hostmann oder das Lebensmittelhaus der Besitzerfamilie Lieber. Bettina Lange vom Amt für Denkmalschutz wird die weitere Entwicklung genau beobachten: "Das ist eines der wenigen Häuser aus jener Zeit, die in Herford noch erhalten sind. Deswegen ist das Gebäude von großer Bedeutung." Diese Bedeutung ist auf einer Tafel an der Vorderseite des Bürgermeisterhauses festgehalten: "Der spätgotische Stufengiebel gehört zu den schönsten in Westfalen." Als eine von wenigen Einzelkämpfern muss Ondrich nun ebenfalls aufgeben Rot-Weiße Plakate im Schaufenster verkünden den Räumungsverkauf des Modegeschäftes Elfriede an der Höckerstraße 4. Ende Mai verlässt das alteingesessene Geschäft Herford. 
„Wir sind Dinosaurier und ich kann den Strukturwandel leider nicht aufhalten", sagt Inhaberin Tamara Elfriede Ondrich von der Teo-GmbH. Als eine von wenigen Einzelkämpfern muss Ondrich nun ebenfalls aufgeben. 
Vor 20 Jahren eröffnete Elfriede, das nach dem zweiten Vornamen benannt wurde. Vor einigen Jahren eröffnete sie ein zweites Geschäft an der Brüderstraße, das bereits vor zwei Jahren schloss. „Es ist bis heute nicht wieder vermietet. Ich glaube das erklärt genug", sagt Ondrich. Sie und ihre Mitarbeiter haben sich in dem historischen Gebäude an der Höckerstraße immer sehr wohl gefühlt. „Das war wie ein Zuhause, ein Wohnzimmer. Aber dieses Gemütliche und Persönliche wird nicht mehr nachgefragt", sagt Ondrich. „Ich kann es ja nicht ändern. Die Kunden fahren heute nach Bielefeld. Umsatz wie früher, das ist heute nicht mehr praktikabel, auch wenn es bitter ist." Wie es in dem Gebäude weitergeht, wisse man derzeit nicht. 
Ondrich und ihre zwei fest angestellten Mitarbeiterinnen müssen sich nun nach der Geschäftsaufgabe erst einmal auf die Suche nach einer neuen Beschäftigung machen. „Ich für meinen Teil werde mit Sicherheit nicht im Bereich des Einzelhandel suchen", sagt Ondrich.

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