Zusammen legen was zusammen gehört: Die angehenden Denkmalpflege-Bautechniker (v.l.) Pascal Hermann, Antonia Schaaf und Alexander Ludwig setzen im Bauhof des LWL-Museums Detmold eine Außenwand der Bude Tribenstraße Nr. 18 wieder zusammen. Ohne die jungen Leute vom Berufskolleg wäre die Restaurierung nicht möglich. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Zusammen legen was zusammen gehört: Die angehenden Denkmalpflege-Bautechniker (v.l.) Pascal Hermann, Antonia Schaaf und Alexander Ludwig setzen im Bauhof des LWL-Museums Detmold eine Außenwand der Bude Tribenstraße Nr. 18 wieder zusammen. Ohne die jungen Leute vom Berufskolleg wäre die Restaurierung nicht möglich. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford/Detmold Die Buden aus der Tribenstraße tauchen nach 40 Jahren wieder auf

Stadtgeschichte: Fast 40 Jahre waren die Bauteile der Arme-Leute-Häuser am Rand der historischen Altstadt eingelagert – jetzt werden 
sie im Detmolder Freilichtmuseum restauriert

Herford/Detmold. Die winzigen Holzhäuser in der Tribenstraße am Rande der Altstadt standen dicht beieinander. So konnte sich das Feuer im Frühjahr 1815 in rasender Geschwindigkeit ausbreiten. Der ganze Straßenzug stand in Flammen. 200 Jahre später zeigt Burkhard Gemke auf einen verkohlten Balken: „Hier können Sie die Spuren des Feuers von 1815 am Haus Nr. 18 gut erkennen." Der Restaurator des LWL-Museums Detmold steht in seinem Bauhof inmitten von auf dem Boden ausgebreiteten alten Pfosten, Balken, Streben, Zapfen. Teilweise sind die Eichenbalken nummeriert, aber viele Blechschilder sind verrostet und abgefallen. Wie in einem Puzzle werden die Teile jetzt zusammen gesetzt. Buden fehlen noch 1978 hat der Herforder Denkmalpfleger Siegmund Tober mehr als 500 Holzbalken gerettet. Als die Arme-Leute-Häuser („Buden") an der Tribenstraße abgerissen wurden, erreichte der Denkmalpfleger, dass das Holz gesichert und eingelagert wurde. Am Ende einer Odyssee kamen die Stapel nach Detmold. Im größten deutschen Freilichtmuseum befasst man sich mit der Alltagsgeschichte Westfalens. „Buden" oder Gardeme, wie die oft an Stadtmauern geschmiegten Häuschen genannt werden, fehlen noch in der Sammlung. An der Tribenstraße wohnten in der frühen Neuzeit viele Soldaten, Unteroffiziere, Invaliden und ihre Witwen. Die Außenwand, die Gemke gerade zusammen gesetzt hat, gehörte zum Haus Tribenstraße 436, später Nummer 18. Aufgebaut nach dem Vorbild einer Epoche Zum Zeitpunkt des Brandes wohnte hier der Leineweber Ellerbrock. Wieder aufgebaut hat die Bude der Feldhüter Johann Pleitemeyer. Später tauchen in den Einwohnerlisten Handwerker auf, Tischler, Schlosser, daneben auch ein Kreisphysikus; mehrfach wurden Nachbarhäuser zusammen gelegt. Im Laufe der Jahrhunderte ist immer wieder an-, um- und ausgebaut worden. Welche Bauphase soll denn restauriert werden? „Viele Balken wurden wieder verwendet; es ist also nicht sicher, dass sie von Anfang an an dieser Stelle waren,", so Hubertus Michels, Chef der Bauabteilung des Museums. Er hat sich für die Wiederherstellung der Zeit um 1900 entschieden, das passt gut ins Konzept des Museums. Dafür untersuchen Gemke und seine Mitarbeiter nun Balken für Balken. Alles wird dokumentiert. „Wir bauen ein Doppelhaus auf, die Nummern 18 und 20", so Michels. Dafür wird auch Holz der Nachbarhäuser verwendet. Rausholen, was rauszuholen ist Das Skelett von Haus Nr. 18 ist inzwischen fast komplett. Jetzt beginnt die eigentliche Detektivarbeit. Die Hölzer enthalten nicht nur Brandspuren und auch nicht nur vom Brand 1815. Da gibt es auch Würfelbruch, Weiß- und Braunfäule, Hausschwamm; auch der gemeine Holzwurm hat sich hier wohl gefühlt. Außerdem sind die Eichenpfähle unzählige Male bearbeitet worden – benagelt, angekratzt, angesägt, geklammert, durchlöchert. Da gibt es Abkantzeichen der Zimmerer, Putz- und Beizspuren, Reparaturen. Alles wird erforscht. Michels: „Wir wollen an Informationen rausholen, was rauszuholen ist." Ohne die Kollegiaten wäre das nicht zu schaffen. Das Museum arbeitet eng mit dem Felix-Fechenbach-Berufskolleg zusammen, die derzeit die einzige deutsche Ausbildungsstätte für den Beruf des Technikers für Baudenkmalpflege ist. Vier Wochen lang hat sich die Klasse im März mit der Tribenstraße beschäftigt. Genaues Alter muss noch erforscht werden Alexander Ludwig hat in Biberach das Zimmermanns-Handwerk gelernt. Auch Pascal Hermann ist Zimmermann. Antonia Schaaf aus Rottweil ist dagegen gelernte Schreinerin. Außerdem gibt es in ihrer Klasse Tischler, Dachdecker und einen Maler. Balken für Balken untersuchen sie den Zustand des Bauholzes. Das dient vor allem Forschungszwecken, soll jedoch auch brauchbare Hinweise auf das einstige Innenleben der Buden geben – was war wie verputzt und bemalt, wie waren Fenster und Türen beschaffen? „Trotzdem werden weiße Flecken bleiben", sagt Michels, der das genaue Alter der Balken noch erforschen lassen will und noch auch viele Hinweise aus Herford hofft, darunter von Zeitzeugen, die die Buden von innen gesehen, vielleicht sogar noch in ihnen gewohnt haben. Zeitpunkt des Aufbaus noch nicht bekannt Er hat allerdings keine Eile. Einen Zeitplan für die Wiederaufstellung gibt es noch nicht. Nächste Woche werden die Balken erst einmal beiseite geräumt, um Platz für die Rekonstruktion eines hölzernen Aussichtsturms des 19. Jahrhunderts zu schaffen. Später im Jahr wird die Restaurierung der Doppelhaus-Bude von der Tribenstraße abgeschlossen. Ganz zum Schluss rücken die Detmolder noch mit viel heißer Luft den Schädlingen im Buden-Holz zu Leibe – um es dann erneut einzulagern. Mit dem Wiederaufbau kann es dann, zu gegebener Zeit, ganz schnell gehen...

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