0

Herford Stadtführer ermahnt zum sensibleren Umgang mit historischer Bausubstanz

Abriss an der Bäckerstraße: Rechtzeitiges Handeln soll alte Bauten retten

Thomas Hagen
09.03.2016 | Stand 09.03.2016, 07:39 Uhr

Herford. Es ist viel berichtet worden über die Bauruine an der Ecke Bäckerstraße und Waisenhausstraße. Mit viel Herzblut hatten sich Bürger für den Erhalt wenigstens der klassizistischen Fassade eingesetzt. Auch in dieser Zeitung haben sie mit Leserbriefen für ihr Anliegen geworben. Letztlich ohne Erfolg. Das Gebäude Bäckerstraße 7 ist nun seit ein paar Tagen Geschichte. Aber es gibt auch eine Geschichte des Niederganges dieser Immobilie aus dem Jahre 1878. Aus Sicht des Stadtführers und engagierten Geschichtsforschers Mathias Polster ist es eine Aneinanderreihung von gravierenden Fehlern in der Vergangenheit. Dazu zieht Polster ein Foto aus dem Jahre 1997 aus seinem umfassenden Archiv. Klaus König hat es gemacht, als der Bau der heutigen Postfiliale bevor stand. Es zeigt eine leer geräumte Fläche links neben dem noch äußerlich ansehnlichen Gebäude Bäckerstraße 7, als dort Dean Jeans residierte. "Man kann deutlich sehen, dass es noch nicht zerbrochen war. Von außen sind keine sichtbaren Schäden feststellbar. Die Rede ist vom "kalten Abbruch" "Aber es ist eindeutig so gewesen, dass das Gebäude Bäckerstraße 7 beim Abriss Schäden davongetragen hat. Man ist eben nicht gerade zimperlich vorgegangen beim Abriss des abgängigen Fachwerkhauses", sagt Polster. Und er ist sich sicher: "Die Schäden, die letztlich als Argument für den Abriss genutzt wurden, sind vor fast 30 Jahren entstanden." Ähnliche Erfahrungen hatten auch die Caduras an der Rennstraße gemacht. Das, was an der Bäckerstraße passiert sei, bezeichne man in einschlägigen Kreisen als "kalten Abbruch". Man lasse ein Gebäude - auch wenn es unter Denkmalschutz steht - systematisch verfallen. Am Ende ist es so marode, dass der Besitzer gegenüber der Denkmalschutzbehörde argumentieren kann, dass es aus wirtschaftlicher Sicht nicht zu halten, geschweige denn zu retten ist. Im Fall Bäckerstraße 7 hat es funktioniert. Der Abriss soll knapp unter 150.000 Euro gekostet haben. Diese Kosten muss die Stadt vorstrecken, erhält dafür jedoch einen Grundbucheintrag an erster Stelle. Beigeordneter Peter Böhm erklärt die Aussichten: "Wenn der Eigentümer die Immobilie veräußert, ist die Stadt Herford der erste Gläubiger, der an sein Geld kommt." Rechtzeitiges Handeln ist nötig In den kommenden zwei Wochen soll es Gespräche über die Zukunft des Areals mit dem Eigentümer geben. "Dabei muss man natürlich das gesamte Gelände in den Blick nehmen", sagt Böhm. Ob dann auch das Gebäude nebenan mit in die Planungen einbezogen wird, weiß Böhm noch nicht. Auf jeden Fall müsse mit der Denkmalbehörde gesprochen werden, ob das Gebäude in die Planungen integrierbar ist. Auf die Frage, ob er einen Abriss dieses aus dem Jahre 1888 stammenden ebenfalls klassizistischen und unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes für möglich halte, antwortet der Beigeordnete zurückhaltend. "Anders als bei dem Nachbargebäude geht von dem Haus keine akute Gefahr aus. Ich kenne aber die Gebäudesubstanz nicht. Ich halte einen Abriss aber nicht für unmöglich. Wenn der Besitzer belegen kann, dass es wirtschaftlich nicht herstellbar ist, könnte es passieren. Doch das muss durch Fachingenieure bescheinigt werden. Und ein solches Verfahren dauert meist recht lange." In der Regel werde aber erwartet, dass mit den bestehenden Gebäuden auf einem Areal geplant wird. Vielleicht sollte sich Bürgermeister Tim Kähler in diesem Zusammenhang an seine Einschätzung erinnern: "Städte sind von außen betrachtet alle gleich. Die Substanz liegt in der Stadtmitte." Für Mathias Polster ist nur eines wichtig: "Rechtzeitig Handeln ist das Gebot der Stunde. Man schaue sich nur die Kreishandwerkerschaft oder das Severing-Haus an."

realisiert durch evolver group