Will die Stadt nicht selbst vermarkten: Die ehemalige Briten-Immobilie an der Waltgeristraße, bekannt als Naafi-Gelände. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Will die Stadt nicht selbst vermarkten: Die ehemalige Briten-Immobilie an der Waltgeristraße, bekannt als Naafi-Gelände. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Stadt reserviert Briten-Immobilien

Konversion: Verwaltung benennt Objekte, bei denen sie ihr Erstzugriffsrecht wahrnehmen will. Naafi-Gelände soll nicht gekauft werden

Herford. Kurz vor Weihnachten wurden die Schlüssel übergeben: Die britische Rheinarmee hat ihre letzten Immobilien in Herford an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben. Jetzt hat die Stadt das Erstzugriffsrecht. Der Haupt- und Finanzausschuss hat sich gestern darauf geeinigt, dass Herford dieses Recht im großen Umfang nutzen soll. Wo einst britische Soldaten wohnten, könnten Flüchtlingsunterkünfte und sozialer Wohnungsbau entstehen. Mit der Konversion, also der Umnutzung der ehemals militärischen Gebäude, steht die Stadt vor einer großen Herausforderung. Etwa 450 Wohneinheiten in fünf Quartieren müssen bewertet werden, inwiefern sie für eine stadteigene Vermarktung interessant werden könnten. Dabei geht es um Einfamilien-, Mehrfamilien-, Reihen- sowie Doppelhäuser. Der Liste zufolge, die Baudezernent Peter Böhm und Bürgermeister Tim Kähler jetzt den Mitgliedern des Hauptausschusses vorgelegt haben, könnten an Adlerstraße, Altem Postweg und Birkenstraße Kindertagesstätten entstehen. An vielen anderen Stellen im Stadtgebiet wäre die Unterbringung von Flüchtlingen möglich. Indem die Stadt diese sozialen Zwecke nennt, kann sie sich einen sogenannten Verbilligungstatbestand erwerben. Je nach Zweck kann ein Nachlass von bis zu 500.000 Euro pro Kaufvertrag, maximal jedoch 80 Prozent des Kaufpreises, gewährt werden. "Dies ist aber erst einmal die Liste der Objekte über die wir mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) verhandeln wollen", betonte Baudezernent Böhm. "Welche Gebäude wir dann im einzelnen kaufen, werden die Verhandlungen zeigen. Jetzt geht es erst einmal darum, uns die Häuser zu reservieren." Gegen eine eigene Vermarktung hat sich die Stadt bereits bei dem ehemaligen Naafi-Gelände an der Waltgeristraße entschieden. Ob dieser Verzicht sinnvoll sei, wollte Angela Schmalhorst, Fraktionschefin der Grünen, wissen. Böhm: "Wir haben uns so entschieden, weil die BIMA dort die selben Überlegungen verfolgt, wie wir sie gehabt hätten." Die Bundesanstalt sehe die Immobilie im vorderen Teil für "ein kleines, nicht störendes Gewerbe" nutzbar und wolle im hinteren Bereich das sich anschließende Wohngebiet erweitern. CDU-Fraktionschef Wolfgang Rußkamp signalisierte die Zustimmung seiner Partei für das Vorhaben, betonte aber, dass nicht immer Flüchtlinge instrumentalisiert werden könnten, um einen sozialen Zweck zu benennen. Dem Beschluss wolle er dennoch folgen - "weil wir diese Immobilien günstig erwerben können, nicht weil wir glauben, dass wir zu wenig Wohnungen in der Stadt hätten", so Rußkamp. Schließlich verfüge die Stadt über ausreichend sozialen Wohnraum zu guten Preisen. Das sieht Wolfram Hüffner von den Linken anders: "Es sollte auch in Herford weiter verstärkt in sozialen Wohnraum investiert werden, auch wenn das Mietniveau gut ist." Neben den Wohnhäusern sind durch den Britenabzug auch die drei Kasernen im Stadtgebiet freigeworden. Während die Wentworth-Kaserne perspektivisch zu einem Bildungscampus umgebaut werden könnte (die NW berichtete) muss die Entscheidung über die Hammersmith- und die Harewood-Kaserne aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation zurückgestellt werden.

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