Großer Sprung: Ronja (Melanie Tóth) springt über den Höllenschlund zu Borka (Adrian Thomaser, l.). Ronjas Eltern Mattis (Nils Willers) und Lovis (Anna-Maria Wasserberg) und der gefangenen Birk (Lukas Schrenk) können nur hinterhersehen. - © Ralf Bittner
Großer Sprung: Ronja (Melanie Tóth) springt über den Höllenschlund zu Borka (Adrian Thomaser, l.). Ronjas Eltern Mattis (Nils Willers) und Lovis (Anna-Maria Wasserberg) und der gefangenen Birk (Lukas Schrenk) können nur hinterhersehen. | © Ralf Bittner

Herford Ronja Räubertochter begeistert im Theater

Das Lippische Landestheater reißt mit flott-fröhlicher Inszenierung nicht nur junges Publikum mit. Noch gibt es Restkarten für die Vorstellungen bis Donnerstag

Ralf Bittner

Herford. "Die Welt ist größer als unserer Steinhalle", sagt Ronja Räubertochter als sie sich anschickt die Welt zu entdecken. In einer Gewitternacht geboren, aufgewachsen auf einer Räuberburg macht sie sich auf den Weg ins Leben, begegnet dabei allerlei Unholden im Wald und Birk, Sohn eines mit ihrem Vater Mattis verfeindeten Räuberhäuptlings. Die Vorlage stammt von Astrid Lindgren. Zufällig begegnen sich Birk (Lukas Schrenk) und Ronja, gespielt Melanie Tóth. Die musste für Kollegin Stephanie Pardula einspringen, die sich bei einer der Aufführungen in Detmold verletzt hatte. Anzumerken ist das der Inszenierung nicht, Tóth spielt sich mit Naseweisheit, Sturheit, Mut und einem Sinn für das eigentlich Richtige in die Herzen der nicht nur jungen Zuschauer. Temporeich erzählt das Stück von der sorgenfreien Kindheit Ronjas auf der Mattisburg, umsorgt von Mattis (Nils Willers) und Mutter Lovis (Anna-Maria Wasserberg), Ronjas erster Begegnung mit Birk, Mutproben, Streitereien. Die Kinder haben längst den Graben zwischen den Familien, die je eine Hälfte einer vom Blitz geteilten Burg bewohnen, überschritten, als Mattis' Bande Birk fängt und mit ihm als Geisel Borka (Adrian Thomser) zum Verlassen seiner Burghälfte und des Waldes zwingen will. Doch Ronja springt über den Graben und stellt sich ihrerseits als Geisel. Zwar einigen sich die Häuptlinge auf den Austausch ihrer Kinder, doch Mattis ist so sauer auf seine Tochter, dass sie für den Sommer im Wald verschwindet und Birk mit ihr geht. Die Häuptlinge agieren so abgrundtief widerlich, spucken, drohen und furzen, dass es den Kleinen eine Riesenfreude ist. So manches "Hosenschisser!" fliegt als Beleidigung von der einen in die andere Burghälfte, mittendrin Lovis, die ihren kindsköpfigen Mann oft zur Vernunft bringt und für ihre Tochter immer ein tröstendes oder liebes Wort findet. Im Wald finden Birk und Ronja aber nicht nur Freiheit, sondern werden von Heimweh geplagt, geraten über Kleinigkeiten in Streit, meistern aber wirklich ernste Probleme gemeinsam. Schrenk und Tóth verkörpern ihre Figuren glaubhaft. Tóths Ronja platzt fast vor Witz, Willensstärke, Energie und jenem eigenen Kopf, die sie zu einer der beliebtesten Figuren Lindgrens machen. Im Wald lauern aber auch Dunkeltrolle, Wilddruden oder Rumpelwichten, denen Ronja auf der Flucht durchs Dach ihres unterirdischen Hauses in die Wohnung bricht. Die Wichte stehen aber gar nicht auf Fremde, sondern versuchen Ronja und den zur Hilfe eilenden Birk mit Zapfenwürfen und "Wir-sind-der- Wald!"-Rufen zu vertreiben, ein wenig Aktualität gönnen sich Regisseur Alexander Flache und seine Darsteller. Im flexiblen Bühnenbild finden die Kinder zurück in die Burg und die Familien begraben ihren Streit. Doch auch wenn am Ende noch einmal das Räuberlied "He Räuber, ho Räuber! Wir Räuber halten zusammen!" erklingt, geht die Räuberzeit im Mattiswald ihrem Ende entgegen, da weder Ronja noch Birk große Lust verspüren, anderen deren Sachen wegzunehmen. Das finden auch die Kinder im Theater so gut, dass sie die Darsteller mehrmals ins Rampenlicht zurückklatschen.

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