Das Team des Herforder Frauenhauses und die Künstlerin: Katja Heidemann (v.l.), Zdravka Buettner, Nadine Heinen, Gesine Scheuer, Agnes Borth , Daniela Albrink und Fotografin Brigitte Kraemer. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Das Team des Herforder Frauenhauses und die Künstlerin: Katja Heidemann (v.l.), Zdravka Buettner, Nadine Heinen, Gesine Scheuer, Agnes Borth , Daniela Albrink und Fotografin Brigitte Kraemer. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Das Frauenhaus feiert sein 35-Jähriges mit einer Ausstellung

Die Schwelle zum Leben ohne Gewalt

Anlässlich des 35. Geburtstags der 1980 gegründeten Herforder Einrichtung werden die Fotos der Herner Fotografin und Künstlerin Brigitte Kraemer nun an der Werre gezeigt. - © Frauenhaus Herford
Anlässlich des 35. Geburtstags der 1980 gegründeten Herforder Einrichtung werden die Fotos der Herner Fotografin und Künstlerin Brigitte Kraemer nun an der Werre gezeigt. | © Frauenhaus Herford

Herford. Es sind Schwarz-Weiß-Bilder, die jetzt im Forum des Museums Marta zu sehen sind. Die 35 Aufnahmen zeigen den Alltag in einem Frauenhaus. Anlässlich des 35. Geburtstags der 1980 gegründeten Herforder Einrichtung werden die Fotos der Herner Fotografin und Künstlerin Brigitte Kraemer nun an der Werre gezeigt. Gestern Abend - während der Jubiläumsfeier des Frauenhauses -war Eröffnung.

"Der weitaus gefährlichste Ort für Frauen sind nach wie vor die eigenen vier Wände", berichtet Zdravka Buettner vom Frauenhaus über die Erfahrungen, die sie und ihre Kolleginnen immer wieder machen, wenn Frauen bei ihnen Schutz vor physischer und psychischer Gewalt suchen.

Information

Die Fotografin




  • Die im Marta gezeigte Fotoausstellung „Auf der Schwelle“ von Brigitte Kraemer umfasst 35 Bilder

  • Kraemer lebt und arbeitet als freie Fotografin in Herne. Die Folkwang-Absolventin, die zeitweise auch als Dozentin lehrte, arbeitete unter anderem für Magazine wie Spiegel, Stern, Max oder Konkret

  • Im Jahr 2014 wurde Kraemers Bildband „Auf der Schwelle“ vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet mit dem Titel: „Deutscher Fotobuchpreis – nominiert 2015“

  • Entstanden sie die weitaus meisten Bilder zwischen den Jahren 2013 und 2014 in fünf deutschen Frauenhäusern

"Gewalt ist nicht privat", appelliert Buettner deshalb an Nachbarn, Freunde oder Ärzte. Sie sollten bei Hinweisen auf Gewalt in einer Familie "nicht tatenlos bleiben" sondern eingreifen und die Polizei verständigen. Und trotz des schon lange geltenden Gewaltschutzgesetzes sei der Bedarf an Hilfsangeboten in den Frauenhäusern über die Jahre gleich geblieben.

Eine Ausstellung im Marta, passend zum Geburtstag, gewährt einen Einblick in den Alltag. - © Frauenhaus Herford
Eine Ausstellung im Marta, passend zum Geburtstag, gewährt einen Einblick in den Alltag. | © Frauenhaus Herford

Eine Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2004 zeige, dass jede vierte Frau bereits von Gewalt betroffen war. Die Opfer, die sich entschließen, ihre Partner zu verlassen, haben oft ein jahrelanges Martyrium hinter sich.

Die Ausstellung im Marta-Forum mit dem Titel "Auf der Schwelle" soll einen einen authentischen Einblick in die Lebensbereiche der Frauenhäuser bieten - es ist ein besonderer Einblick, denn normalerweise dringt nur sehr wenig über das Leben in den Einrichtungen nach außen.

35 Jahre Frauenhaus in Herford: Seit dreieinhalb Jahrzehnten besteht die Hilfseinrichtung. - © Frauenhaus Herford
35 Jahre Frauenhaus in Herford: Seit dreieinhalb Jahrzehnten besteht die Hilfseinrichtung. | © Frauenhaus Herford

Die Einrichtungen sollen den Frauen und Kindern als Schutzraum dienen und für sie Unterstützung in der Entwicklung einer Lebensperspektive ohne Bedrohung und Gewalt bieten.

Zu sehen sind unter anderem auch fünf Porträtfotos von Frauen mit ihren Lebensgeschichten - sie erklären, warum sie ins Frauenhaus gingen. Darüber hinaus gibt es Infotafeln mit Hintergrundwissen zum Thema "Häusliche Gewalt". Informationen über Kontakt- und Hilfemöglichkeiten vervollständigen die Ausstellung.

Das Frauenhaus

Die Adresse des Frauenhauses in Herford wird nicht bekannt gegeben. Sie ist anonym. Es ist ein Schutzraum für die Frauen und Kinder, die in ihm leben. So soll etwa verhindert werden, dass gewalttätige Männer ihren Opfern auflauern und sie unter Druck setzen können. Die Herforder Einrichtung wurde 1980 gegründet. Im Jahr finden etwa 70 Frauen und ihre Kinder Schutz in ihr. 126 Frauen mussten 2015 abgewiesen werden – zeitgleich gibt es aber ein Austauschsystem zwischen den Frauenhäusern. So dass Herforder Frauen etwa in anderen Hilfseinrichtungen der Region untergebracht werden können.

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