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Herford Wie die Bundesanstalt auf die Herforder Kasernen blickt

Hammersmith und Wentworth: Die Stadt kann den Konversionsprozess auch mit Flüchtlingen auf dem Gelände fortsetzen. Das meint zumindest ein Verantwortlicher der Bundesimmobilienanstalt aus Bielefeld

Herford. Manfred Beckmann betreut die Liegenschaften des Bundes in den Regierungsbezirken Arnsberg und Detmold. Und er widerspricht Äußerungen von Baudezernent Peter Maria Böhm, nach denen Zahlen von bis zu 4.000 Flüchtlinge in der Wentworth- und der Hammersmith-Kaserne zur Diskussion stehen. Der Fachgebietsleiter der Bundesimmobilienanstalt (BIMA) in Bielefeld hält 1.500 bis 2.000 Personen für realistisch. Ebenfalls nicht geplant ist Beckmann zufolge, dass der Bund in Herford selbst eine Unterkunft betreibt. Auch darin widerspricht er Böhm. Die BIMA habe dem Land die beiden Kasernen-Gelände angeboten. Und das Land müsse nun in Absprache mit der Bezirksregierung Detmold und der Stadt entscheiden, ob es sie als Flüchtlingsunterkünfte nutzen wolle. Dabei würden neben dem baulichen Zustand der Häuser auch die Akzeptanz in der Stadt und die Entwicklungsvorhaben für die jeweiligen Flächen berücksichtigt. Beckmann hält es für unproblematisch, die Kasernenflächen für die Unterbringung der Flüchtlinge zu nutzen, während die Stadt gleichzeitig den Konversionsprozess fortsetzt. In den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren gehe es bei der Umwandlung der Flächen für die zivile Nutzung sowieso vorrangig um Planung, nicht ums Bauen, sagte Beckmann. Und: „Zwischen der Stadt und der BIMA ist es Konsens, dass die Planungen für die Flächen nicht behindert werden sollen.“ Zudem sei es schwer vermittelbar, warum Gebäude wie die Hammersmith- und die Wentworth-Kaserne, die ausgesprochen gut in Schuss und damit sofort nutzbar seien, leer stehen, während andernorts Flüchtlinge in Turnhallen campieren müssen.Keine Kostenfrage Für eine Kostenfrage hält Beckmann das nicht: Er geht davon aus, dass nicht nur die Überlassung der Kasernen für die Flüchtlingsunterbringung kostenlos ist, sondern in Kürze auch die Kosten für die Herrichtung der Gebäude vom Bund übernommen werden. „Wir warten schon lange darauf, dass das Land entscheidet, was es will“, sagte Beckmann. Am 8. Dezember würden die Immobilien von den Briten übergeben. Bis dahin sei nicht mehr viel Zeit. Im Innenministerium hieß es gestern, dass es nächste Woche dazu ein Gespräch gebe. Damit bestätigte die Pressestelle Äußerungen Böhms über ein Treffen am kommenden Dienstag, das nach Auskunft des Baudezernenten allerdings bis spät in den Abend dauern kann.Die Gütersloher Kasernen stehen nicht zur Verfügung Warum immer Herford, warum nicht Gütersloh? Diese Frage stellen sich derzeit viele Herforder, wenn es um die Einrichtung von Notunterkünften geht. Darauf geben Mitarbeiter der BIMA Antwort. Die BIMA sei gehalten, ihre freien Immobilien den Bundesländern und Kommunen mietzinsfrei für die Unterbringung von Flüchtlingen anzubieten, betont Felix Brümmer, Facility Manager in Münster. Und das hat sie getan, aktuell nicht nur mit den beiden Herforder Kasernen, sondern auch mit der Teilfläche einer ehemaligen belgischen Kaserne in Büren, zwei Wohnhäusern in Minden und einer Wohnliegenschaft in Bad Oeynhausen. Liegenschaften, die erst mittelfristig zur Rückgabe durch die britischen Streitkräfte anstehen, konnte die BIMA noch nicht melden. Dazu gehören Kasernen in Gütersloh, auch wenn einige Bereiche bereits leer stehen. Die Briten beabsichtigten, sie Ende 2016 zurückzugeben, erklärt Brümmer. Der Termin könne zwar um einige Monate vorgezogen werden, die Briten lehnten es aber aus Sicherheitsgründen ab, Mitbenutzungen für die Flüchtlingsunterbringung zuzulassen. Bereits geschlossen hat die BIMA nicht nur Verträge über die Harewood-Kaserne, sondern auch über Liegenschaften in Detmold (NAAFI und Medical Center), Höxter (Offizierskasino & Stabsgebäude) und Bünde (NAAFI). Darüber hinaus hat die Bundeswehr Teilbereiche ihrer militärischen Einrichtungen in Minden und Bad Lippspringe zur Unterbringung von Flüchtlingen abgegeben.

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