Blumen und Kerzen: Die Schüler der beiden vierten Klassen der Wilhelm-Oberhaus-Schule besuchten mit ihren Lehrerinnen und Pfarrer Gerald Haringhaus das Grab von Wilhelm Oberhaus, der 1942 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung bestattet wurde. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Blumen und Kerzen: Die Schüler der beiden vierten Klassen der Wilhelm-Oberhaus-Schule besuchten mit ihren Lehrerinnen und Pfarrer Gerald Haringhaus das Grab von Wilhelm Oberhaus, der 1942 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung bestattet wurde. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Grundschüler beten für die Opfer von Gewalt

Gedenken am Todestag: Viertklässler der Wilhelm-Oberhaus-Schule besuchten das Grab ihres im Konzentrationslager gestorbenen Namenspatrons

Herford. Am Sonntag war der Todestag des Herforder Priesters Wilhelm Oberhaus, der am 20. September 1942 im Konzentrationslager Dachau im Alter von 40 Jahren gestorben ist. Am Schultag darauf besuchten Schüler des vierten Jahrgangs der katholischen Wilhelm-Oberhaus-Schule sein Grab auf dem Friedhof Hermannstraße, um Blumen niederzulegen, Kerzen anzuzünden und zu beten. "Wir gedenken aller Menschen, die durch Krieg, Gewalt und Terror aus dem Leben gerissen wurden", fasste Pfarrer Gerald Haringhaus den Kreis der Opfer weiter und bis in unsere Tage. Er fand auch tröstliche Worte für die Kinder: "Die Menschen verschwinden nicht im Dunkel des Todes, sondern sind im Licht bei Gott." Für Leben und Licht stehen auch die Blumen und die Kerzen. Mit dem Schicksal von Wilhelm Oberhaus und dem geschichtlichen Hintergrund hatten sich die Kinder schon im Unterricht beschäftigt. Oberhaus wurde im Januar 1902 als Sohn des Fabrikanten Eduard Oberhaus und seiner Frau Friederike geboren, heißt es in einem "Lebensbild", das seine Heimatgemeinde St. Johannes-Baptist aufgeschrieben hat. Auch Wilhelm Oberhaus war Schüler der katholischen Grundschule, die damals noch an der Komturstraße zu Hause war. Er wurde nach dem Studium 1933 in Paderborn zum Priester geweiht. Als Christ und Priester lehnte er die nationalsozialistische Lehre und Handlungsweise ab. Er machte auf der Kanzel von seiner Überzeugung insbesondere in Fragen der Erziehung von Kindern und Jugendlichen kein Hehl und ging dafür auch ins Gefängnis. Eine Ohrfeige, die er einem Mädchen der nationalsozialistischen Jugendorganisation gab, nahm man zum Anlass, ihn ins Konzentrationslager Dachau zu bringen. Dort starb er an Hunger und an einer Entzündung.

realisiert durch evolver group