Workshop-Atmosphäre: Moderatorin Dr. Annette Klinkert (Mitte) mit Bildungsexperten im Alten Güterbahnhof. - © Foto: Weische
Workshop-Atmosphäre: Moderatorin Dr. Annette Klinkert (Mitte) mit Bildungsexperten im Alten Güterbahnhof. | © Foto: Weische

Herford Ideensammlung für den Bildungscampus

Herforder wollen ein Zentrum für Innovation und Wissen

Mehr als 50 Vertreter von Bildungseinrichtungen, Wirtschaft und Stadt haben am Montag in einem vierstündigen Workshop im Alten Güterbahnhof Ideen zu einem "Bildungscampus" in Herford zusammen getragen. Bis zum Herbst soll aus dem Material ein Konzept werden. Ein "Zentrum für Innovation und Wissenstransfer" schwebt Bürgermeister Tim Kähler und seinen Mitstreitern im Rathaus vor. Unterzubringen wäre es in den frei werdenden Kasernen an der Vlothoer Straße; "bespielt" würde es nicht von einer einzelnen Einrichtung, sondern von einem Verbund von Hochschulen, Fortbildungsbetrieben, Schuleinrichtungen und Firmen.Anregende und offene Arbeitsatmosphäre Herford, so der Bürgermeister, könne damit kreative Köpfe in der Stadt halten beziehungsweise anlocken. Seine Einladung zu einem ersten "Brainstorming" war schon mal ein Erfolg: Die OWL-Hochschulen waren mit durchweg hochrangigen Akteuren vertreten; junge Wissens-Manager von "fablabs" kamen dazu, die Arbeitsatmosphäre wurde als anregend und offen beschrieben und: "Noch nie habe ich so viele positive Ansichten über Herford gehört", verriet hinterher Moderatorin Dr. Annette Klinkert (City2science GmbH), eine Herforderin. So wie Herford wollen viele, auch kleinere, Städte als Wissens-Standorte wahr genommen werden - man will das nicht den Universitäts- und Großstädten überlassen. Dafür spielen Transfer-Zentren eine große Rolle: Sie sollen kreativen Schwung in die Stadt bringen, Hemmschwellen gegenüber dem Wissenschaftsbetrieb abbauen helfen, Schulen stärken, der Wirtschaft Fachkräfte zuführen, Barrieren einreißen - und immer wieder werden dafür Schlagworte wie "Vernetzung", "ganzheitlich", "Schnittstelle", "Innovationstransfer", "interdisziplinär" und ähnliches verwendet. Spezielle Impulse kamen aus der Hansestadt Lübeck, wo Dr. Iris Klaßen im Auftrag einer Stiftung "Wissenschaftsmanagement" betreibt und nach eigener Wahrnehmung die ganze Stadtgesellschaft für die Welt der Wissenschaften begeistern kann. "Die Hanse handelt heute mit Wissen", sagte sie mit Blick auf die Herforder Hanseaten.Wunsch nach neuem Bildungsverständnis Auf dem Bildungscampus könnten nach Meinung der Workshop-Teilnehmer viele Akteure ihren Platz finden: So könnten OWL-Hochschulen neuartige Fortbildungs-Ansätze ausbreiten; es gäbe Raum für Startups, Lernräume für Studienabbrecher - und einige wünschen sich gleich ein ganz neues Bildungsverständnis, das neben der technischen die soziale Dimension einbezieht und zum Beispiel auch das Wissen von Flüchtlingen für die Stadtgesellschaft fruchtbar macht. Aus der Ideensammlung soll nun etwas Konkretes entstehen. "Viele heute Anwesende haben zugesagt, weiter mitzuarbeiten", fasst Klinkert zusammen. Sie ist von der neuen Stadtentwicklungsgesellschaft mit dem Projekt Bildungscampus betraut worden. Konkrete Ideen will sie allerdings vorerst nicht ausbreiten, "damit sie nicht zerredet werden". Ende Oktober ist ein weiteres "Ideen-Forum" vorgesehen. Damit soll die Zielfindungsphase abgeschlossen und eine "Machbarkeitsstudie" vorbereitet werden, die im Juni 2016 vorliegen muss. Spätestens dann beginnt die (partei)politische Debatte.

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