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Ein Leben im Geschäft: Christel und Horst-Dieter Heidbrink gehen nach der Schließung Ende Juli in den Ruhestand. - © Foto: Kiel-Steinkamp
Ein Leben im Geschäft: Christel und Horst-Dieter Heidbrink gehen nach der Schließung Ende Juli in den Ruhestand. | © Foto: Kiel-Steinkamp

Herford Ende eines Traditionsgeschäftes: Heidbrink schließt nach 112 Jahren

Lederwaren, Schirme, Bademoden

Frank-Michael Kiel-Steinkamp
08.06.2015 | Stand 08.06.2015, 09:58 Uhr

Herford. Am 30. Juli schließt das seit 112 Jahren überwiegend in Familienhand geführte Geschäft für Lederwaren, Schirme und Bademoden an der Höckerstraße 5 - direkt neben dem früheren Eingang zum Wittekind-Kino. Die Eheleute Christel und Horst-Dieter Heidbrink sind mit ihren 77 bzw. 81 Jahren längst im Rentenalter. Sie haben das Geschäft so lange geführt, bis jetzt Abriss und Neubau des Gebäudes näher rücken. Die Geschichte des Unternehmens haben die Heidbrinks selbst aufgeschrieben - so weit sie sie nachvollziehen konnten. Danach gründete ein Erich Wirth 1903 im Gehrenberg an der Stelle der späteren Gehrenberg-Apotheke und des heutigen Tamaris-Schuhgeschäftes ein Geschäft für Schirme, Stöcke und Pfeifen. Erich Wirth starb im 1. Weltkrieg und die Angestellte Marta Erdelen führte den Laden weiter. Ilse Heidbrink, die Mutter des heutigen Inhabers, und ihr Mann Heinrich übernahmen Ende der 1920er Jahre das Geschäft, als ihr Vater, der Lehrer und Witwer Gustav Hartmann, Marta Erdelen heiratete. Die war inzwischen mit dem Laden an die Höckerstraße 11 (heute Arko) umgezogenen. Nach Kriegsende 1945 lagen viele Geschäftslokale in Schutt und Asche. Das Haus Höckerstraße 11 war auch beschädigt. Da bot Ernst-August Salfeld Ilse Heidbrink den erhaltenen Laden in der Höckerstraße 5 an.Heidbrink übernahm 1955 das Geschäft seiner Mutter Horst-Dieter Heidbrink trat nach dem Tod seines Vaters und nach erfolgreich beendeter Industriekaufmannslehre 1955 in das Einzelhandelsgeschäft seiner Mutter ein. 1960 kam seine Verlobte als Verkäuferin dazu. 1966 starb Ilse Heidbrink und die inzwischen verheirateten Christel und Horst-Dieter Heidbrink wurden Geschäftsinhaber. 1976 wurde der Laden zum letzten Mal umgebaut - Bademoden wurden ins Sortiment aufgenommen. Seit dem Tod der Hauseigentümerin Auguste Salfeld im Jahr 1999 wussten die Heidbrinks, dass an dieser Stelle ein Neubau errichtet werden sollte. Diskussionen um den Denkmalschutz zögerten konkrete Pläne aber lange hinaus. Aber die Heidbrinks haben, auch wenn es für den Einzelhandel in der Stadt schwieriger wurde, gerne Jahr für Jahr weiter gemacht: "Das Geschäft ist unser Leben". Im Juni und Juli ist Ausverkauf aller Lederwaren, Schirme und Bademoden. Nach 60 bzw. 55 Arbeitsjahren im Einzelhandel - davon die überwiegende Zeit Seite an Seite im privaten wie im beruflichen Leben, werden die Heidbrinks am 30. Juli ein letztes Mal die Ladentür abschliessen. Doch es gibt ein "Leben nach dem Geschäft": Die Heidbrinks sind stolz auf ihre drei Enkeltöchter im Teenageralter, die sie nun öfter in Österreich besuchen wollen.

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