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Hochzeit im Chaos: Rajendra Rai hat gerade den Bund der Ehe mit Marmata geschlossen. Für diesen Moment hat das Brautpaar die Zerstörung rund um es herum vergessen – und scheint froh gelaunt und zuversichtlich. - © Foto: Jürgen Escher
Hochzeit im Chaos: Rajendra Rai hat gerade den Bund der Ehe mit Marmata geschlossen. Für diesen Moment hat das Brautpaar die Zerstörung rund um es herum vergessen – und scheint froh gelaunt und zuversichtlich. | © Foto: Jürgen Escher

Judeegaun/Herford Herforder Fotograf Jürgen Escher in Nepal unterwegs

In Nepals Trümmern keimt wieder Hoffnung auf: Jürgen Escher hat den Einsatz der Hilfsorganisation „Cap Anamur – Deutsche Notärzte“ mit der Kamera begleitet

Thomas Hagen
26.05.2015 | Stand 26.05.2015, 14:03 Uhr |

Judeegaun/Herford. Aus den Schlagzeilen ist die Erdbebenregion Nepal schon wieder verschwunden. Doch für die Menschen im Himalayastaat herrscht weiterhin der Ausnahmezustand – und das wohl noch über Jahre. Eine große Aufgabe liegt vor dem Land, denn in den Bergregionen auf dem Dach der Welt liegen zahllose Dörfer komplett in Trümmern. Ohne den Einsatz von Hilfsorganisationen wären viele Menschen dem Hungertod geweiht. Nachdem die ärztliche Versorgung geregelt ist, muss nun mit vereinten Kräften der Wiederaufbau der Gebäude und der Versorgungsleitungen und der Infrastruktur begonnen werden. Aber die Zeit drängt, denn mit Beginn des Juni beginnt traditionell die Regenzeit. Bis dahin müssen alle Menschen wenigstens ein provisorisches Dach über dem Kopf haben. In Judeegaun, etwa 60 Kilometer von Kathmandu, hilft Cap Anamur. Aus der Luft betrachtet scheint alles wie immer zu sein, und auch wenn man sich der Skyline der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu nähert deutet kaum etwas auf das verheerende Erdbeben vom 25. April hin. Betritt man jedoch die Altstadt der Himalaya-Metropole wird urplötzlich klar: Hier ist kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. „Alles was mit Stahlträgern und Beton gebaut wurde ist kaum beschädigt“, beschreibt Jürgen Escher die Situation nach seiner Rückkehr vom Hilfseinsatz. Doch die meisten Menschen, die auf dem Dach der Welt leben, sind arm, sehr arm. Sie haben ihre Häuser mit einfachsten Mitteln Stein auf Stein aufgeschichtet. Nun liegen sie in Schutt und Asche.Tempel und Pilgerorte unwiederbringlich dahin Auch die Altstadt von Bhaktapur hat es wieder getroffen. Gerade war sie – besonders mit deutschen Fördergeldern – wieder aufgebaut gewesen und vom damaligen Kanzler Kohl wieder freigegeben worden. Nun sind viele Tempel und Pilgerorte unwiederbringlich dahin. Doch in den Dörfern rund um die großen Städte sieht es weitaus schlimmer aus. So in Judeegaun mit seinen 3.000 Einwohnern und 200 Häusern (von denen keines mehr steht), 60 Kilometer entfernt von Bhaktapur. Dort leben Menschen, die der untersten Kaste der Gesellschaft angehören. Und dorthin führte der Weg das Team der Hilfsorganisation Cap Anamur. „Wir haben uns diesen Ort ausgesucht, weil man ihn nur unter erschwerten Bedingungen erreichen kann“, sagt Escher. Schnell haben sich die Krankenpfleger Philipp und Anabela Valentin und Techniker Jürgen Maul einen Überblick über die Situation verschafft. Anil Supkota dolmetscht und stellt fest, was am Dringendsten gebraucht wird: Monatsrationen Reis, Bohnen, Salz, Zucker und Öl. Das wird schnell vom Team organisiert, mit Lastwagen möglichst nah herangekarrt und dann auf Traktoren umgeladen, die es über das unwegsame Gelände heranschaffen. Je nach Familiengröße bemessen, wird die Nahrung verteilt. Noch während die Verteilaktion läuft, hat sich Techniker Jürgen Maul die zerstörte Schule angeschaut. Die wird nun als erstes aufgebaut. „Die Kinder müssen dringend unterrichtet werden. Denn Bildung ist der einzige Weg, um aus der Armut herauszukommen“, sagt Escher. Informationen gibt es unter www.cap-anamur.org.

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