Altes Buch in modernen Räumen: Dirk Zimmer lädt im Jubiläumsjahr in den Gottesdienstsaal der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde ein. Ganzer Stolz der Baptisten ist die 308 Seiten dicke Bibel, die Gründer Eduard Scheve zum 25. Bestehen schenkte. - © FOTO: KIEL-STEINKAMP
Altes Buch in modernen Räumen: Dirk Zimmer lädt im Jubiläumsjahr in den Gottesdienstsaal der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde ein. Ganzer Stolz der Baptisten ist die 308 Seiten dicke Bibel, die Gründer Eduard Scheve zum 25. Bestehen schenkte. | © FOTO: KIEL-STEINKAMP

Herford Baptisten feiern Jubiläum

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Herford besteht seit 150 Jahren

Miriam Scharlibbe

Herford. In den USA bilden die Baptisten die größte Kirche, weltweit gesehen gehören sie zu einer der stärksten protestantischen Gruppen. In Deutschland aber sind die Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden weniger stark vertreten. Aber: Die älteste Freikirche Ostwestfalens hat ihren Sitz in Herford und kann heute auf 150 Jahre Kirchengeschichte zurückblicken. Der Weg hin zu einem bunten Gemeindeleben in einem eigenen modernen Bau an der Ravensberger Straße war lang. Dirk Zimmer, seit 19 Jahren Pastor der Herforder Baptisten, hat extra für das Jubiläum alte Fotos und Chroniken gewälzt. Ein sehr altes Buch, das viele für die Gemeinde sehr wichtige Texte enthält, liegt auf einem Tisch im Gottesdienstraum: 125 Jahre alt ist die 308 Seiten starke Bibel. „Eduard Scheve hat sie der Herforder Gemeinde zum 25. Bestehen geschenkt“, sagt Zimmer. „Scheve war der erste Prediger und Gründer der Gemeinde.“ Am 5. Februar 1865 wurde ihr Grundstein gelegt. Damals hatte die Gemeinde 54 Mitglieder aus fünf damaligen Staaten (Preußen, Lippe-Detmold, Schaumburg-Lippe, Kurhessen und Hannover), die zuvor zur Baptistengemeinde Hannover gehört hatten. Später bildeten sich von Herford aus Gemeinden in Bielefeld, Bad Oeynhausen, Detmold, Bünde und Bad Salzuflen. Eduard Scheve, war schon 1863 vom Leitungsgremium der noch jungen Freikirche nach Herford entsandt worden. Die Gemeinde versammelte sich bis 1875 in einem Saal an der Petersilienstraße, dann erwarb sie „Heidmanns Hof“, Am Gange 3, im Schatten der Münsterkirche. Dort sollte sie bis zur Zerstörung durch Bomben im November 1944 ihr Zuhause haben. Nach dem Krieg baute die Freikirche ihr neues Gemeindehaus an der Ravensberger Straße, es wurde 1953 eingeweiht und 1964 mit einer Orgelempore versehen. 1999 wurde auf einem dazu gekauften Grundstück der heutige Gottesdienstsaal mit Foyer angebaut, anschließend das alte Gemeindehaus umgebaut und der gesamte Komplex im Mai 2000 eingeweiht. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Herford, wie sie seit dem deutschlandweiten Zusammenschluss der Baptisten mit anderen Freikirchen 1941 heißt, hat heute 290 feste Mitglieder. „Zählt man die Kinder und Freunde der Gemeinde hinzu, sind wir etwa 350“, sagt Pastor Zimmer. „Manche Familien sind seit Generationen in unserer Gemeinde“, sagt Zimmer. „Unsere Art von Kirche ist selbstbestimmt. Alle entscheiden mit und wir finanzieren uns selbst.“

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