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Vier Wohnblocks an der Ulmenstraße, die seit Frühlingsanfang leer stehen, sind von der Bundesimmobilienverwaltung BIMA ans Land NRW vermietet worden – zunächst bis zum 16. November. Jetzt leben hier über 320 Menschen. - © FOTO: RALF BITTNER
Vier Wohnblocks an der Ulmenstraße, die seit Frühlingsanfang leer stehen, sind von der Bundesimmobilienverwaltung BIMA ans Land NRW vermietet worden – zunächst bis zum 16. November. Jetzt leben hier über 320 Menschen. | © FOTO: RALF BITTNER
Herford

326 Flüchtlinge kamen über Nacht nach Herford

Vier Briten-Wohnblocks an der Ulmenstraße sind jetzt Notunterkunft / Stadt wurde übergangen

VON HARTMUT BRAUN
22.09.2014 | Stand 22.09.2014, 09:55 Uhr

Herford. 50 Menschen steigen aus dem Bus, einige völlig übermüdet, andere fröstelnd. Es sind Babys und Kleinkinder darunter, einige weinen. Eine ältere Frau wird von Weinkrämpfen geschüttelt. Kaum jemand spricht Deutsch, niemand weiß, wohin es ihn hier verschlagen hat.

Zahlreiche ehrenamtliche Helfer aus dem gesamten Kreisgebiet haben diese und ähnliche Situationen am Wochenende mehrfach erlebt, erstmals am Freitag Abend: Völlig überraschend und ohne Abstimmung mit der Stadt hat das Land NRW an der Ulmenstraße auf dem Stiftberg eine Notunterkunft ausgewiesen und bis Sonntag Abend 326 Flüchtlinge dort untergebracht. Sie stammen überwiegend aus den Kriegsgebieten Syrien, Irak und Afghanistan, aber auch aus Krisenländern in Afrika.

Ehrenamtliche des Deutschen Roten Kreuzes und des Technischen Hilfswerks kümmern sich um die Hilfsbedürftigen. Und sie haben, wie Bürgermeister Tim Kähler feststellte, "einen sensationell guten Job gemacht".

Information
Hotline, Spenden

Am Montag von 8 bis 13 Uhr ist im Rathaus für Fragen aus der Bürgerschaft noch eine telefonische Hotline geschaltet: 189-666.

Die Stadt hat bei der Feuerwehr an der Werrestraße eine Sammelstelle für Spenden eingerichtet, mit denen Herforder die Flüchtlinge unterstützen wollen.

Am Freitag kam das Hilfeersuchen
Am Freitag um 16.30 Uhr war beim Kreis Herford ein überörtliches Hilfeersuchen eingegangen. Das passiert mehrmals im Jahr, zum Beispiel bei Hochwasser. Diesmal war es die Aufforderung an DRK und THW, bei der unverzüglichen Einrichtung einer Notunterkunft an der Herforder Ulmenstraße helfen.

Dort stehen seit dem Frühjahr mehrere zuvor von britischen Soldaten bewohnte Mietblocks leer, 22 Wohnungen mit etwa 70 Quadratmetern, einige mit Balkon, vier Türen, kleine Grünflächen, dahinter der Sportplatz der Briten.

Die Wohnungen gehören der Bundesimmobilienverwaltung BIMA. Anwohner hatten lange vorher prophezeit, dort würden schon bald Asylbewerber einquartiert. Jetzt beobachteten sie, wie gegen Abend DRK-Fahrzeuge anrollten, Zelte und Lichtmasten aufgebaut wurden. Bald nach 20 Uhr traf der erste Flüchtlingstransport ein.

THW-Helfer teilten warme Mahlzeiten aus

Die Helfer bemühten sich um die Neuankömmlinge. Sie hatten etwa 15 Feldbetten mit je einer Decke und einem Kopfkissen pro Wohnung aufgestellt. Am nächsten Tag gab es für jeden auch ein Stück Seife und ein Stoff-Handtuch. Es gibt sanitäre Anlagen, aber keine Tische, Stühle und Sozialräume oder Spielzimmer.

THW-Helfer teilten warme Mahlzeiten aus. Zeitweilig waren Notärzte vor Ort, am Samstag auch Notfallseelsorger der evangelischen Kirche – um Traumatisierten beizustehen. Gestern stationierte die Stadt dort einen Rettungswagen.

"Organisationsversagen"

Die Stadtverwaltung hatte von der Sache erst viele Stunden später, am Samstag morgen, erfahren – und protestiert heftig gegen das "Organisationsversagen". Die NRW-weit für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständige Bezirksregierung in Arnsberg hatte die Herforder Briten-Wohnungen von der BIMA gemietet – und unmittelbar mit der Belegung begonnen. Sie habe das mit dem unerwarteten Zustrom begründet und sich bei der Stadt entschuldigt, sagte Dezernent Manfred Schürkamp.

Bis Montag Abend soll ein professioneller Betreiber für die Unterkunft gefunden sein, damit würde der Einsatz von DRK und THW enden. Der Mietvertrag mit der BIMA ist zunächst bis zum 16. November befristet. In der Stadt bestehen Zweifel an der Eignung der Unterkunft. Anwohner fühlen sich übergangen. Viele Herforder haben Hilfe angeboten.

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