Der Künstler Andreas Rosenthal kennt die Bedeutungen von Handbewegungen aus dem Effeff. Auch deshalb nehmen sie in seinen späten Werken einen großen Platz ein. - © FOTOS: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP
Der Künstler Andreas Rosenthal kennt die Bedeutungen von Handbewegungen aus dem Effeff. Auch deshalb nehmen sie in seinen späten Werken einen großen Platz ein. | © FOTOS: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP

Herford Holzschnitte mit Herz und Hand

Kunstverein präsentiert Werke von Andreas Rosenthal im Pöppelmann-Haus

VON FELIX EISELE

Fast 50 Werke aus den Jahren 1993 bis 20014 sind im Daniel-Pöppelmann-Haus auf zwei Etagen zu sehen.
Fast 50 Werke aus den Jahren 1993 bis 20014 sind im Daniel-Pöppelmann-Haus auf zwei Etagen zu sehen.

Herford. Zimperlich geht Andreas Rosenthal nicht gerade zu Werke. Wo andere sanft den Pinsel schwingen, greift der Künstler zu Kettensäge, Flachdexel oder Elektrohobel. Holzschnitte sind es, die von Hand gefertigt, mit Farbe versehen und schließlich auf Papier gedruckt zu einem neuen Kunstwerk werden. Ab Samstag ist eine Auswahl von Rosenthals Arbeiten beim Herforder Kunstverein im Daniel-Pöppelmann-Haus zu sehen.

"Die Idee ist da, sie ist in Arbeit" nennt sich die 48 Werke umfassende Ausstellung. Und schon der Titel hinterlässt eine Ahnung von Rosenthals Kunstverständnis, von seiner schöpferischen Denkweise und Arbeitsstruktur. "Der Gedanke entsteht im Kopf", sagt er. "Aber er muss durch die Welt der Arbeit hindurch gehen, einen Prozess durchlaufen. Erst am Ende steht dann die erarbeitete Idee."

Und die schlägt sich zumindest im ersten Teil der Ausstellung mit all ihren Entwicklungsphasen in den Werken Rosenthals nieder. Schon die Grundstruktur seiner Bilder, die er mit allerlei Arbeitsutensilien in mehrschichtige Multiplex-Platten fräst, ist mitsamt Arbeitsspuren noch im fertigen Werk erkennbar. Besänftigt wird die harte Kerbung durch verschiedene Farb-Ebenen, von schwarz über grau bis hin zu weiß, die aufgetragen und schließlich auf eigenhändig geschwärztes Papier gedruckt werden. "So entsteht Geschichtetes, oder - auf Hochdeutsch - Geschichte."

Tugenden werden in der Ausstellung ebenso abgebildet, wie Todsünden.
Tugenden werden in der Ausstellung ebenso abgebildet, wie Todsünden.

Stolze 14 Jahre lang, von 1993 bis 2007, ging Andreas Rosenthal auf diese Weise zu Werke. Teilweise, so sagt er, habe er bis zu fünf Druckstöcke produziert, die am Ende verschiedenste Schattierungen in seinen Werken ermöglichten. Als "ungegenständlich" bezeichnet er diese Periode, in der immer wieder Linien und Kontraste zwischen hell und dunkel Einzug in seine fast schon kalligraphisch anmutenden Bilder hielten. "Ich bin eben kein Maler, sondern Zeichner", sagt er. "Und solche Darstellungen sind der Ursprung des Zeichnens."

Erst 2007 begann Rosenthal eine neue, eine figürlichere Arbeitsphase. Inspiriert vom "Engel der Güte", einer Sandsteinfigur, die vom Dresdener Rathausturm auf die im Krieg zerbombte Stadt herab blickt. "Dessen Geste hat mich auf die Frage gebracht, wie die übrigen Tugenden wohl gestisch dargestellt werden könnten", sagt der Künstler. Bei seinen Überlegungen stieß er auf entsprechende Zeichnungen aus dem sechsten Jahrhundert nach Christus. "Diese Darstellungen", so sagt er, "haben sich bis in die heutige Gebärdensprache fortgesetzt." Und in den vergangenen sieben Jahren auch in Rosenthals Werke.

Mal alleinstehend, mal in Verbindung werden verschiedene Worte in Form von Handbewegungen dargestellt. Mehrere kleinere Druckplatten dienen dem Künstler dabei zur Zusammensetzung des Gesamtbildes. Oftmals schimmern sogar Textauszüge und Schriften als "Geflüster" durch die Farbschichten, die im zweiten Teil der Ausstellung wesentlich bunter ausfallen. Letzteres allerdings ohne konkreten Hintergedanken: "Die Kolorierung", sagt Rosenthal, "folgt dabei lediglich einem Impuls."

Ausstellung mit Begleitprogramm

Die Ausstellung "Die Idee ist da, sie ist in Arbeit" wird am Samstag, 20. September, um 16.30 Uhr durch Theodor Helmert-Corwey vom Kunstverein und dem Direktor des Stadtmuseums Beckum, Martin Gesing, eröffnet.

Am Montag, 22. September, gibt es ab 16 Uhr eine Informationsveranstaltung für Multiplikatoren.

Führungen finden jeweils sonntags um 15 Uhr statt, Zusatzführungen sind für den Tag der Deutschen Einheit (3. September) und Allerheiligen (1. November) geplant.

Sonderführungen sind nach Vereinbarung möglich. Schulklassen werden um Anmeldung gebeten.

Die Ausstellung ist bis zum 23. November zu sehen.

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