Herford Genuss trotz Krankheit

Herforder Gastronomen haben sich auf Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit eingestellt

von friderieke schulz
14.06.2014 | Stand 13.06.2014, 20:48 Uhr
Mila Piccoli (l.) und Sohn Dennis zeigen einige der glutenfreie Lebensmittel, die sie ihren Gästen anbieten. Besonders groß sei die Freude über die Eiswaffeln, die sie nicht nur natur, sondern auch mit Schokoladenüberzug am Fenster und im Café verkaufen. - © FOTO:SCHULZ
Mila Piccoli (l.) und Sohn Dennis zeigen einige der glutenfreie Lebensmittel, die sie ihren Gästen anbieten. Besonders groß sei die Freude über die Eiswaffeln, die sie nicht nur natur, sondern auch mit Schokoladenüberzug am Fenster und im Café verkaufen. | © FOTO:SCHULZ

Herford. Von 500 Menschen im Kreis Herford leidet mindestens einer an Zöliakie: Die Glutenunverträglichkeit bestimmt die tägliche Nahrungsaufnahme. Beim Bäcker suchen Betroffene vergeblich, und auch im Restaurant müssen sie in der Regel passen, wenn getreidehaltige Beilagen auf dem Teller liegen. Die Herforder Gastronomen kennen die Probleme, viele haben Alternativen parat.

"Ich leide selbst an der Unverträglichkeit und weiß daher, wie viele Einschränkungen man in Kauf nehmen muss", sagt Mila Piccoli. Die Eisdielen- und Cafébetreiberin bietet viele glutenfreien Lebensmittel in ihrem Laden an: " Eiswaffeln, Brot, Brötchen, Nudeln – wir haben alles hier", sagt sie. Die Lebensmittel kommen bei den Kunden gut an.

Information

Zöliakie

Zöliakie tritt meist mit Bauchschmerzen und Blähungen auf.


Thorsten Pohle, Chefarzt im Klinikum: Der Dünndarm kann den Klebestoff im Eiweiß nicht aufnehmen. Die Immunreaktion springt an. Die Folge: Mangelernährung.


Mit Reis, Mais oder Hirse verschwinden die Beschwerden.

"Es ist nicht zu unterschätzen, wie viele an Zöliakie leiden", sagt Piccoli. Durch ihre eigene Betroffenheit weiß sie genau, wie groß die Freude ist, wenn ein Lokal Alternativen bieten kann: "Ich bin schon froh, wenn Bedienungen wissen, was Zöliakie überhaupt ist –, das ist nämlich nicht selbstverständlich."

Auch andere Gastronomen haben die Zunahme an Glutenunverträglichkeit bemerkt: Hendrik Krömker von Café Kontor bietet neben laktosefreier Milch und Sojamilch inzwischen auch glutenfreie Ware an: "Immer öfter fragten Gäste danach", sagt er. "Irgendwann haben wir beschlossen, die Produkte in unser Sortiment aufzunehmen."

Leider würden sich auch die Preise deutlich von denen normaler Produkte unterscheiden: "Ungefähr einen Euro kostet ein Brötchen", erzählt er. Der Kunde müsse die Mehrkosten bei ihm aber nicht tragen: "Das sehen wir als Service am Kunden." Und: "Wer ein solches Brötchen schon mal probiert hat, weiß, dass es nicht besonders gut schmeckt."

Die Herforder Gastronomen sehen sich zunehmend auch mit anderen Unverträglichkeiten konfrontiert: "Einmal sprach mich ein Kunde an, der eine Salzunverträglichkeit hatte", erzählt Marc Höhne vom Elsbach. Seine Mitarbeiter seien geschult in der Beratung der Gäste und wüssten: "Irgendwas lässt sich immer zaubern." Auf Bestellung kocht Höhne sogar ganze Menüs ohne Gluten: "Alles eine Frage des Einkaufes."

Die Verwendung glutenfreier Ware ist nicht immer so einfach: "Die Regelungen sind so streng, dass gerade uns Bäckern keine Möglichkeit bleibt, glutenfreie Brötchen herzustellen", sagt Gesa Jach vom gleichnamigen Café. Die Herstellung der glutenfreien Waren sei nur dort erlaubt, wo keinerlei Spuren von Weizen oder anderen Getreidesorten vorhanden sind: "Das ist in normalen Betrieben unmöglich."

Ähnliches kennen Martina Getzlaff und Angela Steinmann vom Superbiomarkt: "Sogar in der Anrichtung trennen wir die Ware", sagt Getzlaff. "Je nach Ausprägung der Zöliakie können bereits geringe Spuren schwere Folgen haben." Die Bäckerei bekommt inzwischen regelmäßig Backwaren ohne Gluten.

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