Herford Herfords entmilitarisierte Zukunft

Wie die Kasernenstandorte nach dem Willen der Bürger genutzt werden sollen

VON JOBST LÜDEKING
Die weißen Flächen sind Fahrzeughallen. In der Mitte ist der Exerzierplatz, der von Linden umrahmt wird. Rechts schließen sich die Unterkünfte an, die nach den Workshop-Ergebnissen abgerissen werden sollten.
Die weißen Flächen sind Fahrzeughallen. In der Mitte ist der Exerzierplatz, der von Linden umrahmt wird. Rechts schließen sich die Unterkünfte an, die nach den Workshop-Ergebnissen abgerissen werden sollten.

Herford. Mit Abzug der britischen Streitkräfte werden ab 2016 rund 30 Hektar Kasernenfläche im Stadtgebiet frei. Mit Bürger-Workshops will die Stadt klären, wie sie entwickelt werden können. Nach drei Treffen, deren Ergebnisse nun im Konferenzzentrum der Wentworth-Kaserne vorgestellt wurden, zeichnen sich zwei Entwicklungslinien ab für den Doppelstandort Wentworth/Hammersmith und die Harewood-Kaserne. Beide Standorte haben aber auch wichtige Gemeinsamkeiten.

Die 70 bis 80 Jahre alten Bäume, Alleen und die Freiflächen sollen erhalten und möglichst mit anderen Flächen verbunden werden.

"Es handelt sich hier um eine Grobplanung", dämpft Baudezernent Peter Maria Böhm Erwartungen, dass die Pläne verbindlich sind und bereits alle Details regeln. "Nach Abzug der Briten werden nicht am anderen Tag die Bagger anrollen." Vielmehr werde die Entwicklung der Areale wohl erst ein bis zwei Jahrzehnte nach dem Abzug abgeschlossen sein.

Das Konferenzzentrum Wentworth-Kaserne gilt als sehr gut umnutzbar.
Das Konferenzzentrum Wentworth-Kaserne gilt als sehr gut umnutzbar.

Darüber hinaus müsse für den Bebauungsplan die Situation in der gesamten Stadt betrachtet werden.

Die in den Bürger-Workshops von den Experten unter Leitung von Architekt Jörg Faltin und Landschaftsarchitektin Susanne Gombert geschaffenen Karten sollen aber in einen künftigen Bebauungsplan der Stadt einfließen. Der muss vom neuen Herforder Rat für das Militärgelände beschlossen werden.

Die Gebäude der Wentworth-Kaserne stehen unter Schutz und müssen erhalten werden.
Die Gebäude der Wentworth-Kaserne stehen unter Schutz und müssen erhalten werden.

Dabei müssen die Ratsmitglieder auch entscheiden, ob und wenn ja in welchem Umfang sich Herford finanziell an der Entwicklung der Kasernenstandorte beteiligt - das ist ein Millionenprojekt. "Die Kasernen stehen im Eigentum der bundeseigenen Immobiliengesellschaft Bima. Wir haben ein Vorkaufsrecht und wir sind für den Bebauungsplan zuständig", skizziert Böhm die Situation.

Entscheide sich Herford gegen einen Kauf, werden die Areale ausgeschrieben - es gilt dann aber der vom Rat beschlossene Bebauungsplan. Gleichzeitig sei man aber auch flexibel genug, so Böhm, zu reagieren, wenn sich ein großer Investor mit einer guten Idee melde.

Für den Standort Harewood an der Mindener Straße - für den immer wieder auch über eine Ansiedlung der SWK spekuliert und diskutiert wird -, sehen die Workshops "eine Nutzung als Gewerbe- und Dienstleistungsstandort vor", so Faltin. Dabei wird auch eine Wohnbebauung - dort wo heute die nördlichen Hallen stehen - nicht ausgeschlossen. Der alte Lindenbestand - vor allem das "U" um den Exerzierplatz, sollen erhalten, und die Freiflächen könnten so gestaltet werden, dass eine Anbindung an das Uhlenbachtal bis zum Ewigen Frieden entsteht. Entscheidend ist aus Sicht der Verwaltung die Vergabe des Filetgrundstücks nahe des Tores - oder die Schaffung einer Freifläche. "Wenn wir hier den ersten Fehler machen, können wir den Rest vergessen", erklärt Böhm. Noch steht aber nicht fest, in welchem Zustand die Hallen sind.

Wentworth und Hammer-smith auf dem Stiftberg müssen als planerische Einheit betrachtet werden, erklären Faltin und Gombert. Auch hier gibt es die Bestrebungen, Freiflächen zu erhalten, neue zu schaffen und miteinander zu verbinden. Die könnten sich entweder direkt durch oder an der östlichen Kasernenfläche entlang zum Stuckenberg ziehen. Das gelb gekennzeichnete Areal an der Vlothoer Straße könnte etwa Standort für einen Lebensmittelmarkt und weitere Geschäfte werden, die den täglichen Bedarf des Quartiers abdecken. Gleichzeitig könnten auf dem Hammersmith-Areal die alten Mannschaftsgebäude abgerissen werden, neue hochwertige Wohnhäuser entstehen.

Die unter Denkmalschutz stehenden Wentworth-Gebäude ergeben hingegen eine campusartige Atmosphäre, betont Faltin. Dazu gehört auch das neue Konferenzzentrum, in dem die Workshop-Ergebnisse vorgestellt wurden. Hier war bereits beim ersten Workshop die Ansiedlung einer Bildungseinrichtung - von einer Schule für Krankenpflege bis hin zu einem Fachhochschulstandort - angeregt worden. "Dafür Interessenten zu finden", so Faltin mit Blick auf die anderen Standorte, "ist das geringste Problem."

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