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Kerzen stehen am Fundort des toten Dano in Herford. Dano war am 14. März verschwunden. Die Polizei habe einen Tatverdächtigen festgenommen. Der Mann habe gestanden, das Kind getötet zu haben. - © FOTO: DPA
Kerzen stehen am Fundort des toten Dano in Herford. Dano war am 14. März verschwunden. Die Polizei habe einen Tatverdächtigen festgenommen. Der Mann habe gestanden, das Kind getötet zu haben. | © FOTO: DPA

Herford Herford trauert um Dano

Vermisster Fünfjähriger wurde getötet / Trauer und Fassungslosigkeit in der Stadt

VON JENS MÖLLER 
UND JOBST LÜDEKING
04.04.2014 | Stand 04.04.2014, 14:26 Uhr |
Der Wagen eines Bestattungsunternehmens bringt den Leichnam des fünfjährigen Dano zur Untersuchung in die Gerichtsmedizin nach Bielefeld. Das Ergebnis soll heute bekannt gegeben werden. - © FOTO: RALF BITTNER
Der Wagen eines Bestattungsunternehmens bringt den Leichnam des fünfjährigen Dano zur Untersuchung in die Gerichtsmedizin nach Bielefeld. Das Ergebnis soll heute bekannt gegeben werden. | © FOTO: RALF BITTNER

Herford. Die Ahmser Straße, Donnerstagnachmittag. Rot-weißes Flatterband ist hinter einer Tankstelle gespannt. Dort, wo sonst Autofahrer zur Wagenwäsche fahren, steht ein weißer Mercedes Sprinter. Die Spurensicherung der Polizei ist da. Auf einem Grundstück nebenan liegt die Leiche eines Kindes. Es ist Dano (5), der seit fast drei Wochen vermisst wurde. Für Freitagmittag haben Polizei und Staatsanwaltschaft zu einer Pressekonferenz eingeladen, dabei wollen sie laut Ankündigung über "die neuesten Entwicklungen" informieren.

Die Spezialisten aus Bielefeld in den weißen Einweganzügen untersuchen den Ort, an dem am Mittag der Körper gefunden wurde. Die Fundstelle ist von außen nicht einsehbar. Ein Blumentopf, blaue Folie, Plastik liegen an dem kleinen Hang einer verwilderten Böschung. Achtlos weggeworfen – wie die Leiche des Kindes, die an der Stelle zwischen einem Privatgrundstück und dem Tankstellengelände gefunden wurde.

Vor Ort halten sich die Ermittler zunächst bedeckt, ob es sich tatsächlich um Dano handelt. Am 14. März war der 5-Jährige in der Innenstadt verschwunden. Was folgte, war eine Suchaktion, die Herford in diesen Ausmaßen noch nicht erlebt hat (siehe Chronik).

Gegen 12 Uhr kam die Polizei

Drei Jungs in kurzen Hosen rollen mit ihren Fahrrädern an der Tankstelle vorbei. Sie sehen die vielen Polizisten, die an diesem ungewöhnlich warmen Nachmittag die Zugänge zum Grundstück bewachen. "Ich glaube, die haben da was gefunden", sagt einer der Jungs. Sein Kumpel ahnt: "Stell dir mal vor: Dano."

Man will es sich nicht ausmalen, auch der Tankwart hinter seinem Tresen nicht. Gegen 12 Uhr war die Polizei angerückt, erzählt er. "Sie haben nur gesagt, dass sie alles absperren." Seitdem hat er nichts mehr erfahren. Er blickt fragend: "Und? Ist es der Junge?"

Wenig später kommt vor Ort die traurige Gewissheit: Das tote Kind ist offensichtlich Dano. Die Kleidung stimmt überein. Die Spurensicherung geht weiter. Zwei Polizeibeamtinnen vermessen die Zufahrt neben der Tankstelle. Das Nachbargrundstück, auf dem Dano gefunden wurde, liegt etwas tiefer. Hinter Bäumen und Sträuchern laufen Beamte in ihren weißen Anzügen umher.

Obduktion in Bielefeld

Kaum 300 Meter weiter fließt die Werre. Der Fluss war mehrfach abgesucht worden. Da hatte man noch vermutet, dass Dano beim Toben auf einem Spielplatz am Bergertor in die Werre gestürzt sein könnte. Die Helfer waren direkt nebenan auf dem Gelände des Kanu Klubs in ihre Boote gestiegen.

Gegen 16 Uhr kommt ein Leichenwagen. Noch am Abend sollte das Kind in Bielefeld obduziert werden. Die Polizei geht von einem Verbrechen aus. Ein Mann wurde nach NW-Informationen bereits festgenommen.

Die Nachricht vom Fund verbreitet sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Vor dem Wohnkomplex an der Berliner Straße, in dem Danos Familie lebt, versammeln sich schon nachmittags Menschen: Nachbarn, Passanten, auch Angehörige.

Einige Medien haben im Internet über den Leichenfund berichtet, bevor die Angehörigen des Jungen informiert werden konnten. Im Haus kümmern sich jetzt Polizeibeamte und Seelsorger um die Familie. Draußen trösten sich Nachbarn gegenseitig. Einige Frauen weinen. "Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass so etwas in Herford passiert", sagt Nazariy Kryvoshevy (20), der mit seinem Rennrad vorbeigekommen ist. Ein anderer Passant sagt: "Man mag es gar nicht sagen: Aber wenigstens gibt es jetzt Gewissheit."

Andacht

Die ev.-luth. Kirchengemeinde Herford-Mitte wird Freitagabend um 18 Uhr in der Münsterkirche für Dano und seine Eltern und Familie in einer Trauerandacht beten. "Wir möchten mit dieser Andacht unser Mitgefühl mit der Familie und mit allen, die um Dano trauern, ausdrücken und unsere Betroffenheit, unsere Ohnmacht und unser Entsetzen vor Gott im Himmel bringen", schreibt Pfarrer Hartmut Hermjakob.

Information

Chronologie einer Suche

14. März: Um 14.50 Uhr wird Dano laut Polizei das letzte Mal im Bereich der Berliner Straße gesehen. Er war auf einem Spielplatz in der Nähe des Elternhauses. Vermisst gemeldet wird der Junge um 17.30 Uhr.

14./15./16. März: Die Polizei leitet eine der größten Suchaktionen in der Geschichte Herfords ein. Hundertschaften durchkämmen Grünanlagen, Hinterhöfe und Gebäude.

Auch entlang der Werre wird gesucht. Taucher sind im Einsatz. Die Einsatzkräfte starten auch auf dem Gelände des Kanuclubs, 300 Meter vom späteren Fundort entfernt.

17./18. März: Die Wohnanlage an der Berliner Straße, in der Danos Familie lebt, sowie eine Kleingartenanlage werden abgesucht.

Angehörige und unzählige Freiwillige verteilen Tausende Flugblätter. Private Suchtrupps sind unterwegs – zum Leidwesen der Polizei, die befürchtet, dass Spuren vernichtet werden könnten.

19. März: Mehr als 600 Menschen besuchen einen Gottesdienst für Dano in der Herforder Münsterkirche.

20. März: Das Sielwehr in Bad Oeynhausen wird abgesenkt und kontrolliert. Man findet nichts. Damit ist die Werre zwischen Herford und Bad Oeynhausen komplett abgesucht.

23. März: Aus dem Vermisstenfall wird faktisch ein Kriminalfall. Die Polizei hat zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Personen befragt, gegen keinen lag etwas vor.

Auf Facebook tauchen Foto und Namen eines angeblichen Verdächtigen auf. Sie werden gelöscht. Die Polizei warnt eindringlich vor falschen Verdächtigungen in sozialen Netzwerken.

25. März: Die Polizei veröffentlicht ein neues Foto von dem Jungen.

26. März: Die Ermittler bitten die Bevölkerung um Fotos und Videos, die am Tag von Danos Verschwindens in der Herforder Innenstadt gemacht wurden – ein deutschlandweit einmaliger Weg der Polizei.

1. April: Die Polizei hat rund 300 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten.

3. April, gegen 12 Uhr: Polizeibeamte entdecken die Leiches des Kindes. ⋌(jwl/jm)

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