Susanne Gombert und Jörg Faltin fassten anhand von Kasernen-Grundrisse die Diskussionen zusammen. - © FOTO: JENNICHES
Susanne Gombert und Jörg Faltin fassten anhand von Kasernen-Grundrisse die Diskussionen zusammen. | © FOTO: JENNICHES

Herford Konversion wird zur Mammutaufgabe

Herforder diskutieren im zweiten Workshop die Nutzung der Kasernen nach 2015

VON DENNIS ROTHER
Teile des Ensembles der Wentworth-Kaserne sind denkmalgeschützt. Der freiwerdende Raum könnte von Schulen genutzt werden. Auch ein Programmkino oder Künstlerateliers wurden vorgeschlagen. - © FOTO: KIEL-STEINKAMP
Teile des Ensembles der Wentworth-Kaserne sind denkmalgeschützt. Der freiwerdende Raum könnte von Schulen genutzt werden. Auch ein Programmkino oder Künstlerateliers wurden vorgeschlagen. | © FOTO: KIEL-STEINKAMP

Herford. Die Ausmaße sind riesig: Eine Fläche von rund 45 Hektar im Stadtgebiet wird voraussichtlich ab 2015 frei. Dann ziehen die britischen Streitkräfte aus den Kasernen ab. Doch was tun mit Harewood, Wentworth oder Hammersmith? Stadtplaner und Bürger diskutierten im Königin-Mathilde-Gymnasium jetzt Ideen zur Nachnutzung Die Vorschläge reichten von Altenheimen bis zum Skate-Park. Klar wurde vor allem eines: Die Konversion wird zur Mammutaufgabe.

Die meisten der rund 80 Teilnehmer beschäftigten sich am Samstag nicht zum ersten Mal mit der städteplanerischen Herausforderung, wie das militärisch genutzte in zivil genutztes Gelände umgewandelt werden kann. Der Auftakt zum Bürgerbeteiligungsverfahren war Ende Januar. "Es sind längst nicht nur direkte Anwohner der Kasernen dabei", sagte Baudezernent Dr. Peter Maria Böhm.

Nach einer Bus-Tour durch die Standorte tauschten sich die Bürger in vier Workshops aus. "Konstruktiv, aber auch kontrovers", sagte Landschaftsarchitektin Susanne Gombert, die die Gruppen zusammen mit Architekt Jörg Faltin leitete.

Baudezernent Dr. Peter Maria Böhm (r.). - © FOTO: JENNICHES
Baudezernent Dr. Peter Maria Böhm (r.). | © FOTO: JENNICHES

Harewood kristallisiert sich immer mehr als idealer Standort für eine gewerbliche Nutzung heraus. Statt ein isoliertes Gebäude-Ensemble zu bleiben, könne die Kaserne so wieder wieder "in die Stadt eingegliedert werden", sagte Susanne Gombert. Jörg Faltin ergänzte: "Am Stadtrand würde neue Gewerbe-Ansiedlung schließlich nur Landschaft fressen." Schmuckstück der Anlage sei der große Exerzierplatz. Vielleicht eine neue Mitte für den gesamten Stadtteil? Raumprägend genug wäre er, so die einhellige Meinung. Erhalten bleiben solle er auf jeden Fall, womöglich gesäumt von Cafés. Der alte Baumbestand lag vielen am Herzen. "Bedarf für Wohnraum wäre auch da, aber in der jetzigen Form nicht attraktiv", fasste Susanne Gombert die Diskussion in ihrer Gruppe zusammen.

An der Vlothoer Straße sind die Vorstellungen dagegen unterschiedlich und zum Teil gegenläufig. Spiel- und Sportanlagen bevorzugen die einen, altersgerechte Einfamilienhäuser die anderen. "In der Wentworth-Kaserne sehe ich hochwertiges Wohnen", sagte Teilnehmerin Marion Maw.

Auf den ersten Blick ist das kaum miteinander zu vereinen. Die schiere Größe des Areals zeige aber, dass man "im Prinzip alles unter einen Hut bringen kann", sagte Uwe Lohmann. Für Stefan Langejürgen war klar: "Auf dem Stiftberg soll ein Stadtteilzentrum entstehen, inklusive Bildungseinrichtungen", so der 37-Jährige. Weitere Ideen: Hochschule, Skate-Park oder Flaniermeile.

Es klang auch durch, dass manch einer die Riesenklötze am liebsten dem Erdboden gleichmachen würde. Radikallösungen mit der Abrissbrine sind aber nicht ohne Weiteres möglich, sagte Jörg Faltin: "Teile der Wentworth-Kaserne - darunter das Offizierskasino als Juwel- stehen unter Denkmalschutz." Und wenn schon, dann solle jedenfalls ökologisch nachhaltig neugebaut werden.

Klar ist: An Ideen, wie die zukünftigen Brachflächen mit Leben gefüllt werden können, mangelt es nicht. Die Vorschläge sollen jetzt in einen so genannten Perspektivplan eingehen, der Anfang Juni vorgestellt werden soll.

Information

Mitgestalten

Die Workshops am Samstag waren Teil eines übergeordneten Bürgerbeteiligungsverfahrens.

In der so genannten Orientierungsphase vor dem Abzug der britischen Streitkräfte sollen Ideen und Konzepte zur späteren Nutzung erarbeitet werden.

Der Startschuss fiel im Januar unter dem Motto "Ideenfindung".

Diesmal ging es um "Varianten".

Die Ergebnisse wurden gesammelt. Daraus entsteht ein Perspektivplan, der später den politischen Gremien präsentiert wird.

Wer an den bisherigen Workshops nicht teilgenommen hat, aber trotzdem Ideen einbringen möchte, kann das per Online-Formular unter www.herford.de/rathaus/politik.

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