Herford/Osnabrück "Von der Dynamik überrascht"

SPD informierte sich in Osnabrück über Erfahrungen bei der Umnutzung von Kasernen-Arealen

VON BARBARA GLOSEMEYER
Getreu diesem Motto machte sich die SPD-Fraktion mit ihrem Bürgermeisterkandidaten Tim Kähler ( vordere Reihe 3. v. l.) auf nach Osnabrück. Die Herforder stehen auf der Treppe des Rathauses, in dessen historischem Ratssaal Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler (vorne 2. v. l.) aus der reichen Stadtgeschichte Osnabrücks berichtete. - © FOTO: GLOSEMEYER
Getreu diesem Motto machte sich die SPD-Fraktion mit ihrem Bürgermeisterkandidaten Tim Kähler ( vordere Reihe 3. v. l.) auf nach Osnabrück. Die Herforder stehen auf der Treppe des Rathauses, in dessen historischem Ratssaal Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler (vorne 2. v. l.) aus der reichen Stadtgeschichte Osnabrücks berichtete. | © FOTO: GLOSEMEYER

Herford/Osnabrück. Wie nutzen wir die Kasernenflächen und Wohnungen der Briten, wenn die Soldaten mit ihren Familien spätestens Ende 2015 abgezogen werden? Diese Frage stand nicht nur im Mittelpunkt des Bürgerforums am Wochenende im KMG (siehe Seite 1). Sie war auch Anlass für eine Exkursion der SPD-Fraktion am Samstag nach Osnabrück.

Dort informierten sich die Sozialdemokraten, welche kreativen Lösungen die größte Garnisonstadt außerhalb Englands nach dem Abzug von etwa 10.000 Briten im Jahr 2009 für ihre vier Kasernenstandort mit einer Gesamtfläche von 106 Hektar fand. Daneben hatte Andreas Rödel, stellvertretender Bürgermeister und "Reiseleiter", ein Rahmenprogramm mit stadtgeschichtlicher Führung und buntem Abend zusammengestellt.

Information

Der Begriff Konversion

Konversion (Umnutzung oder Nutzungsänderung) beschreibt die Wiedereingliederung von Brachflächen in den Wirtschafts- und Naturkreislauf oder die Nutzungsänderung von Gebäuden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bezeichnete der Begriff "Konversion" meist die Umwandlung von Flächen für militärische Zwecke, erst später wurde er im Zuge der Umnutzung von ehemaligen militärischen Anlagen für zivile Zwecke verwendet.

Wie der Osnabrücker Konversionsbeauftragte Thomas Rolf den Gästen aus Herford erläuterte, ist die Mammutaufgabe "Konversion" (siehe Kasten) in Osnabrück gelungen, wenn auch nicht abgeschlossen.

Der Diplom-Ingenieur machte deutlich, wie wichtig es ist, sich die Gestaltung und Entwicklung der Areale nicht aus der Hand nehmen zu lassen – von der BIMA (Bundesanstalt für Immobilien). Denn ihr gehören die freiwerdenden Flächen, seit 2012 hat die jeweilige Stadt aber immerhin das Vorkaufsrecht. Ein Pfund, mit dem eine Stadt nach Rolfs Einschätzung wuchern sollte. "Man sollte den Mut haben, zu investieren." Entscheidend für den Erfolg sei, dass die Stadt immer die Planungs-, Gestaltungs- und Vermarktungshoheit über die Flächen behalte und so Stadtentwicklung nach eigenen Vorstellungen betreiben kann. Ebenso wichtig sei es, das Projekt zur Chefsache zu machen und Politiker – in einem Konversions-Ausschuss – kontinuierlich zu informieren sowie Bürger frühzeitig einzubinden.

In Osnabrück sind die Kasernengebäude zum größten Teil abgerissen worden. So wurde Platz geschaffen für Gewerbeflächen, Sporteinrichtungen, Forschung und Start-Ups sowie Erweiterungsbauten der Universität und Fachhochschule.

Die 1.350 Wohnungen und Häuser der Briten wurden nach einer Bestandsaufnahme größtenteils erhalten und von der Stadt einzeln vermarktet: zum Teil als Billigwohnungen für 3,50 Euro pro Quadratmeter, zum Teil für anspruchsvolleres Wohnen. Die Stadt stellte Möglichkeiten der Erweiterung und der energetischen Sanierung in einem Musterhaus vor, machte Bebauungspläne – mit großem Erfolg. Thomas Rolf: "Wir waren von der Dynamik überrascht und erkannten, dass wir vorher einen riesigen Investitionsstau hatten. Sicherlich hatten wir auch Glück, weil die Bauzinsen niedrig waren, aber vor allem gab es einen riesigen Bedarf, mitten in der Stadt für kleines Geld zu wohnen. Wir haben den Abzug der Briten so ohne ein Minus an Bevölkerung auffangen können, etwa 20 Prozent der Interessenten kamen aus dem Osnabrücker Umland."

Einblicke in ein Großprojekt, das die Herforder SPD auch bei der anschließenden Busfahrt zu den Arealen interessiert diskutierte und sich anschaute – Eindrücke und Erfahrungen, die bei den Planungen in Herford sicherlich hilfreich sein können.

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