Roland Kentsch kandidiert nicht mehr für den Rat. - © FOTO: STEFAN BOSCHER
Roland Kentsch kandidiert nicht mehr für den Rat. | © FOTO: STEFAN BOSCHER

Herford Herfords SPD stürzt Roland Kentsch

Ehemaliger Arminia-Manager verzichtet auf Kandidatur bei Kommunalwahl

Herford. Roland Kentsch, ehemaliger Fußballmanager von Arminia Bielefeld, hat wieder eine Aufgabe verloren: Weil das SPD-Mitglied seinen aussichtsreichen Listenplatz für die Wahl zum Herforder Stadtrat abtreten musste, verzichtet er nun ganz auf eine Kandidatur bei der Kommunalwahl im Mai. Kentsch sitzt als Ratsmitglied auch im Aufsichtsrat der Herforder Stadtwerke. Innerhalb der SPD hatten ihm viele sein häufiges Fehlen im Stadtrat vorgeworfen. Kentsch verwies auf berufliche Gründe. Bis zum Sommer 2013 war er Manager des damaligen Zweitligisten MSV Duisburg gewesen. Er wurde dort nach der Beinahepleite des Klubs entlassen. Die Spannung war greifbar unter den SPD-Delegierten im Herforder Hotel Waldesrand. "Mal gucken, ob’s gleich noch knallt", raunte eine Genosse auf dem Flur. Und grinste dabei.   Die SPD nominierte ihre Kandidaten für die Kommunalwahl im Mai. "Eine harmonische Sitzung", wünschte der Landtagsabgeordnete Christian Dahm zu Beginn. Doch es knallte tatsächlich – wegen Roland Kentsch, einst Manager von Arminia Bielefeld. Der war zuletzt kaum im Rat zu sehen, sollte aber trotzdem einen aussichtsreichen Listenplatz für die Wahl bekommen. An der Liste werde wohl niemand rütteln, hatte es in den vergangenen Tagen geheißen. Vorstand von Stadtverband und Fraktion hatten das sorgsam austarierte Gebilde nach langer Diskussion Anfang Januar beschlossen – bei nur einer Gegenstimme.Mit Parteifreunden nicht abgesprochen Doch intern wurden immer mehr Stimmen gegen Kentsch laut. Das Ratsmitglied Eckhart Klemens entschloss sich schließlich, den umstrittenen Genossen herauszufordern. Am Nachmittag vor der Konferenz stand fest: Es gibt eine Kampfabstimmung. 19 zu 39 Stimmen: So lautete das Ergebnis aus der Sicht von Kentsch. Seinen Listenplatz verlor er an Klemens. Sich weiter hinten einsortieren wollte Kentsch nicht, er verkündete stattdessen den Verzicht auf eine Kandidatur. "Ich werde meine Bewerbung zurückziehen und nicht mehr zur Verfügung stehen", sagte er. Ein Schritt, der mit den Parteifreunden in seinem Ortsverein Friedenstal/Stiftberg nicht abgesprochen war. Kentsch war am Sonntag für einen Kommentar nicht zu erreichen. Als Ersatz für den verwaisten Wahlkreis nominierte der Ortsverein den Stadtwerke-Betriebsrat Jens Wiebrock, Anke Kaiser hatte vorher abgelehnt.Kritik an Fehlzeiten Dann knallte es erneut: Aus Protest verkündete der Kentsch-Vertraute, der Ortsvereinsvorsitzende Manfred Mohning, seinen Rücktritt als stellvertretender Vorsitzender des SPD-Stadtverbands. Mohning sah sogar "Machenschaften, die da im Hintergrund gelaufen sind". Mehrere namhafte Genossen, die inzwischen in der zweiten Reihe stehen, haben dem Vernehmen nach Eckhart Klemens bei seiner Suche nach Fürsprechern unterstützt. Wolfgang Spanier hatte öffentlich Kritik an den Fehlzeiten von Roland Kentsch geübt. Diese Meinung teilte auch Stadtverbands-Vize Udo Freyberg. Die Stadtverbandschefin Christa Kollmeier wunderte sich, warum es Kentsch angesichts des Gärens in der Partei noch zu einer Abstimmung kommen ließ. "Dieses Szenario hätte er sich gar nicht antun müssen." Auch Kentsch-Kritiker bemühen sich, die Personal-Rochade vor der Kommunalwahl als demokratischen Alltag darzustellen. Schließlich war die Kandidatenliste nur ein Vorschlag für den Delegierten. Eckhart Klemens, überrascht vom eigenen Erfolg, berichtete dagegen von einer angespannten Stimmung. Während der Konferenz habe ihm ein Genosse gesagt: "Die wissen überhaupt nicht, was an der Basis los ist." Kentsch hatte mit Bürgermeister Bruno Wollbrink einen mächtigen Fürsprecher. Auch Wollbrinks Nachfolgekandidat Tim Kähler zählte auf den Finanzfachmann, vermied es aber zuletzt, sich öffentlich zu ihm zu bekennen. Kähler fiel es bei seiner Nominierungsrede schwer, die Delegierten zu begeistern. Der Bielefelder Sozialdezernent riss viele Themen an, brachte aber wenig konkrete Inhalte. Er skizzierte seinen Plan, die Unternehmer bei der Stadtentwicklung stärker einzubinden. Als ein hohes Geräusch im Saal seine Rede störte, witzelte Kähler: "Irgendwas pfeift hier aus dem letzten Loch." Darauf Christa Kollmeier: "Und das ist nicht der Bürgermeisterkandidat." Kähler ist "zuversichtlich, dass wir im Wahlkampf wie Einheit auftreten."

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