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Herford Klärwerk-Chef irritiert Politiker

Fachausschuss wurde nicht über Legionellen-Ergebnis informiert / Gerhard Altemeier erhält auch Zuspruch

VON JENS MÖLLER
22.01.2014 , 07:42 Uhr

Herford. War das Schweigen von Gerhard Altemeier falsch oder richtig? Fest steht: Der Chef der städtischen Kläranlage informierte vergangenen Herbst auch das zuständige politische Fachgremium nicht über das besorgniserregende Ergebnis eines Legionellen-Tests.

Altemeier hätte aber den Betriebsausschuss des Immobilien- und Abwasser-Betriebs (IAB) in Kenntnis setzen müssen, sagt der Vorsitzende des Gremiums, Werner Seeger (CDU). Er spricht von einem "schwerwiegenden Fall".

Dass die Politiker nicht eingeweiht wurden, kritisiert auch Ausschusskollege Herbert Even (Grüne). Von einem "Hammer" spricht Wolfgang Rußkamp, ebenfalls im IAB-Gremium und CDU-Fraktionschef. Dagegen hält SPD-Fraktionschef Horst Heining das Vorgehen Altemeiers für absolut richtig.

Der Hintergrund: Als ein Legionellen-Ausbruch mit drei Toten in Warstein Schlagzeilen machte, war auch in der Herforder Kläranlage ein dramatisch erhöhter Bakterienwert festgestellt worden. Altemeier sagt, es sei kein gefährlicher Legionellen-Stamm gefunden worden. Außerdem habe er sofort einen Messfehler vermutet.

Öffentlich machte Altemeier damals auf NW-Anfrage nur einen zweiten unauffälligen Messwert. Sonderkontrollen des Landes NRW bewiesen erst im Nachhinein, dass das Herforder Abwasser unbelastet war.

Über die Vorgänge informierte die Stadtverwaltung erst gestern nach der NW-Berichterstattung die Ratsmitglieder. Bürgermeister Bruno Wollbrink (SPD) verschickte eine Erklärung Altemeiers. Er sagt, dass er die Bevölkerung nicht unnötig beunruhigen wollte.

Auch kritische Stimmen zweifeln nicht an den Motiven Altemeiers. "Es geht aber nicht, dass Informationen zensiert werden", betont Werner Seeger. Unter Umständen hätte sich der Fachausschuss damals auf eine ernste Lage vorbereiten müssen. Seeger erwartet künftig einen "reibungslosen Informationsfluss" aus der Stadtverwaltung.

CDU-Mann Rußkamp versteht zwar Altemeiers damalige Sorge. "Aber der Verlust von Glaubwürdigkeit ist viel schlimmer", sagt er.

SPD-Fraktionschef Heining glaubt dagegen, dass eine Veröffentlichung des "nicht belastbaren Messwertes" in der "aufgeheizten Stimmung" eher geschadet hätte. So argumentiert auch Lothar Wienböker, fraktionslos im IAB-Ausschuss: "Der normale Bürger versteht das doch gar nicht."

Grünen-Politiker Even hält Altemeier für "einen ausgezeichneten Fachmann". Dieser hätte damals die Umstände der zweifelhaften Messung verständlich erläutern können. "So blöd ist die Öffentlichkeit auch nicht."