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Jörg Bauhof zeigt Nachwuchs-Brandbekämpfer Tim Prechtl den Umgang mit dem Wasserstrahlrohr ? und da landen auch einige Tropfen auf dem Filter des Kamera-Objektives.
Jörg Bauhof zeigt Nachwuchs-Brandbekämpfer Tim Prechtl den Umgang mit dem Wasserstrahlrohr ? und da landen auch einige Tropfen auf dem Filter des Kamera-Objektives.

Enger Schwierige Übung

Feuerwehrleute der Stadt stellen sich einem anspruchsvollen Szenario

21.10.2013 , 01:31 Uhr

Enger - Oldinghausen. Rauchschwaden ziehen aus der Grundschule Oldinghausen. Scheinbar verzweifelt schlägt jemand von innen an die metallene Turnhallentür. Feuerwehrmänner legen Schläuche, ziehen Schutzmasken auf, doch die besorgte Mutter Kathrin Voss will sich auf eigene Faust ins Gebäude wagen. Einer der Blaurücke hält sie fest, das Blitzlicht der Kamera eines Reporters fällt auf ihr Gesicht und der Feuerwehrmann sagt: "Jetzt bitte lächeln."

Denn zum Glück brannte die Grundschule nicht wirklich. Sie war nur  Schauplatz des Übungsszenarios der Engeraner Brandbekämpfer aus Oldinghausen, Pödinghausen, Enger-Nord und Westerenger. Doch dieser Probeeinsatz hatte es in sich, denn Heiko Janßen, der für die Planung zuständig war, baute gleich mehrere Schwierigkeiten für seine Kollegen ein.

Das fing schon damit an, dass wohl nur die wenigsten mit der Grundschule als Einsatzort gerechnet haben: "Als es hieß, der Übungseinsatz findet hier in Oldinghausen statt, dachten viele an die Firma Alligator", erzählt Janßen.

Als die Feuerwehrmänner sich sammelten, wies Janßen bereits seine Helfer ein: Die beiden Achtjährigen Sebastan und Kilian sollten sich in der Mädchenumkleide der Turnhalle verstecken, Sebastians Mutter Kathrin Voss wurde angehalten, bei Eintreffen der Blauröcke die besorgte bis hysterische Mutter zu spielen.

Dazu kam: Notausgang und der am nächsten gelegene Hydrant waren nicht funktionstüchtig. Darauf wies ein Zettel die Brandbekämpfer hin, in Wirklichkeit war alles in bester Ordnung. Gegen acht Uhr benachrichtigte Janßen seine Kollegen, und sieben Feuerwehrautos, besetzt mit rund 50 Mann starteten zur Grundschule. Für die bedrohliche Atmosphäre sorgten feurig-rötliche Beleuchtung im Gebäudeinneren sowie eine angemessene Dosis Disco-Nebel.

Die erste Frage der eintreffenden Brandbekämpfer lautete: "Wer erkundet wo?" Danach gilt es relativ flott eine Wasserversorgung herzustellen und Zwei-Mann-Erkundungstrupps samt Atemschutzmasken ins Gebäudeinnere zu schicken um Vermisste zu bergen.

Um Kathrin Voss zu beruhigen und sie vor unüberdachten und gefährlichen Rettungsversuchen auf eigenen Faust abzuhalten, wurde auch ein Kollege bereitgestellt. "Das ist ein Grundsatz: Betroffene niemals alleine lassen", betont Janßen.

Während die im Gebäude versteckten Jungen ganz in ihrer Rolle aufgingen und mit theaterreif gespielter Verzweiflung gegen den Notausgang hämmerten, war Feuerwehrmann Kay Janßen auf die Atemschutzüberwachung fixiert: "Das Gerät kontrolliert wie lange die Kollegen mit den Masken im Gebäudeinneren bleiben können", erklärt er. Fällt der Druck in den Sauerstoffflaschen unter 50 bar, müssen sie schleunigst raus.

Und in der Tat: Der Probeeinsatz war fast vorbei, da mussten noch zwei Retter gerettet werden.

Heiko Janßen hatte sie instruiert, sich an einer Stelle in der vernebelten Turnhalle ohnmächtig zu stellen. Der gedachte Hintergrund: Einer der beiden hatte Probleme mit seiner Atemschutzmaske. "In solchen Fällen bleibt der Kollege bei ihm, sofern er sich nicht selber dadurch in Lebensgefahr bringt", erklärte Janßen.

Die Kollegenrettung plante er ein, weil dies viel zu selten in Übungen geprobt werde. Aber auch die letzte Hürde der anspruchsvollen Übung meisterten die Brandbekämpfer. Alles in allem dauerte der Einsatz eine Stunde.

Janßen war damit zufrieden. Derlei Proben mögen aufwendig erscheinen, doch Heiko Janßen stellt klar: "Wenn es nicht brennt, muss geübt werden." Mindestens einmal im Jahr. Wenn möglich, noch häufiger.

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