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SPENGE Straße in die Vergangenheit

Nach 17 Jahren graben Archäologen des Landschaftsverbands ein letztes Mal an der Spenger Werburg

VON MAREIKE PATOCK
19.05.2012 | Stand 18.05.2012, 20:50 Uhr
Grabungstechniker Andreas Madziala (r.) hat einige grobe Pflastersteine freigelegt, die in der Vergangenheit den Weg vom Torhaus ins Innere der Burganlage gebildet haben. Bei den Grabungen hat auch Hermann Gößling vom Werburg-Verein mitgeholfen. - © FOTO: MAREIKE PATOCK
Grabungstechniker Andreas Madziala (r.) hat einige grobe Pflastersteine freigelegt, die in der Vergangenheit den Weg vom Torhaus ins Innere der Burganlage gebildet haben. Bei den Grabungen hat auch Hermann Gößling vom Werburg-Verein mitgeholfen. | © FOTO: MAREIKE PATOCK

Spenge. Schicht für Schicht trägt Grabungstechniker Andreas Madziala die Erde hinter dem Werburger Torhaus ab. Dort, wo bis vor kurzem noch der Bauerngarten angelegt war, hat er schon einige grobe Pflastersteine freigelegt - die Reste einer jahrhundertealten Straße.

An der Spenger Werburg suchen Mitarbeiter der LWL-Archäologie für Westfalen schon seit 1995 nach Spuren aus der Vergangenheit. In dieser Zeit haben sie die historische Ummauerung der Burganlage entdeckt, steinerne Kanonenkugeln, Armbrustbolzen oder Küchenutensilien aus dem 18. Jahrhundert zutage gefördert.

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Neuer Garten

Nach Ende der gegenwärtigen Grabung wird die historische Straße am Torhaus wieder zugeschüttet und mit Mutterboden abgedeckt. Darauf soll Rasen gepflanzt werden.

Mitglieder des Spenger Gartenbauvereins legen derzeit einen neuen Bauerngarten am Herren haus an. (mac)

Seit Mitte April gräbt das Team um Archäologe Dr. Werner Best erneut an der Werburg - allerdings wohl zum letzten Mal. "Vermutlich wird das hier unsere letzte Saison sein", berichtet der Grabungsleiter.

Ihr Bild von der Vergangenheit der Werburg können die Experten jetzt um ein weiteres Puzzleteil ergänzen: eine historische Straße. "Das war die alte Zufahrt vom Torhaus auf das Burggelände", sagt Andreas Madziala.

Genau datieren lasse sich die Straße zwar nicht, ergänzt Werner Best. Es sei jedoch möglich, dass der etwa vier Meter breite Weg aus dem 18. Jahrhundert stamme. "Von Osten her war das damals der einzige Zugang zum Burggelände", sagt der Grabungsleiter.

Allerdings hätten die Bewohner zu jener Zeit noch eine andere Möglichkeit gehabt, auf das Gelände zu gelangen: durch die sogenannte Birkenpforte. Die Fundamente dieses zweiten Torhauses hatten die Archäologen 2004 südlich von der Werburger Scheune ausgegraben.

In den vergangenen vier Wochen hat das Team der LWL-Archäologie jedoch nicht nur die historische Straße am Torhaus entdeckt. Sie haben auch die Reste einer kleinen Bastion ausgegraben.

Schon 2005 hatten die Experten Teile dieser Torbefestigung in unmittelbarer Nähe des Bauerngartens gefunden. Da die Bastion jedoch zum Teil in die Grünanlage hineinreichte, konnten die Archäologen sie nicht komplett ausgraben.

Jetzt allerdings, nachdem der Bauerngarten abgetragen worden ist, konnte auch das fehlende, noch nicht dokumentierte Stück der Bastion freigelegt werden.

Dafür hat das Team des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe ein kreisrundes Loch gegraben - das momentan allerdings eher einem Brunnen gleicht: Zu etwa zwei Dritteln wurde es vom Grundwasser geflutet.

Dennoch sind die Reste der Bastion deutlich zu erkennen. "Das Mauerwerk geht etwa 1,80 Meter in die Tiefe", sagt Madziala. Darunter liege ein Fundament aus Eichenbalken.

Auf genau dieses Holz haben die Archäologen ein Auge geworfen. Um Proben davon nehmen zu können, solle das Grundwasser in den nächsten Tagen abgepumpt werden, berichtet Madziala.

Diese Proben würden dann zur Universität Köln geschickt und dort dendrochronologisch untersucht, ergänzt Best. Dadurch lasse sich bestimmen, wie alt das Holz und somit auch die Bastion sei.

In der kommenden Woche würden die Grabungen an der Werburg beendet. "Wir haben in den vergangenen Jahren eine gute Vorstellung vom Alltagsleben der damaligen Bewohner, von der Hausausstattung, der Bewaffnung und der Ummauerung der historischen Werburg bekommen", sagt Best. Zwar seien das alles nur Hinweise auf die Vergangenheit des Ensembles. "Aber daraus lässt sich ein ganz gutes Gesamtbild entwerfen."

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