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Der Heimatverein Bardüttingdorf hat eine Informationstafel zur Geschichte des Flachsanbaus an den alten Röteteichen aufgestellt. Klaus Eggert ist stolz auf die gesamte Anlage mit ihrer exklusiven Fauna. - © FOTO: KARIN WESSLER
Der Heimatverein Bardüttingdorf hat eine Informationstafel zur Geschichte des Flachsanbaus an den alten Röteteichen aufgestellt. Klaus Eggert ist stolz auf die gesamte Anlage mit ihrer exklusiven Fauna. | © FOTO: KARIN WESSLER

SPENGE-BARDÜTTINGDORF Einmaliges Teichsystem

Spuren der Geschichte: Alte Röteteiche an der Düttingdorfer Straße in Bardüttingdorf

VON KARIN WESSLER
11.09.2010 | Stand 10.09.2010, 20:16 Uhr

Spenge-Bardüttingdorf. Der Laubfrosch ist das Lieblingstier der Bardüttingdorfer. Die alten Teiche an der Düttingdorfer Straße zwischen Börninghorst und Gresteweg sind sein Domizil, hier lebt er gern und gut. Eine Leserin wollte mehr über diese Röteteiche wissen. Ein guter Grund, bei Klaus Eggert vom Heimatverein Bardüttingdorf und Gerd Meyer zu Düttingdorf nachzufragen.

"Es gibt viele Spuren der Geschichte in Bardüttingdorf", sagt Klaus Eggert, "und die Röteteiche gehören dazu." Vor 200 Jahren wurden sie für die Flachs- und Leinverarbeitung benötigt. Im Wasser wurde die geernteten Pflanzen zwei Wochen lang eingeweicht, das erleichterte die Gewinnung der Faser. "Die Teiche wurden irgendwann um 1800 angelegt", sagt Eggert. "Etwa 1820 war die Blütezeit des Flachsanbaus hier und die Weber hatten Hochkonjunktur". Ab 1840/50 setzte sich immer mehr die industrielle Verarbeitung des Flachses durch. "Die Weber haben sich lange dagegen gewehrt, letztendlich mussten sie aber kapitulieren." Ende des 19. Jahrhunderts verloren die Röteteiche an Bedeutung. "Sie wurden zu Biotopen. Und der Laubfrosch siedelte sich hier stark an", weiß Eggert. "Das war nicht zu überhören".

"Als Kinder sind wir noch Schlittschuh darauf gelaufen, wenn die Teiche im Winter zugefroren waren", erinnert sich gern Meyer zu Düttingdorf. "Nach der Schule gingen wir dann immer auf ’s Eis." Das sei auch heute oft noch so, bestätigt Eggert.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges pflanzten die Landwirte Pappeln an den Gewässern. "Dieser Baum wächst schnell. Das Holz kann in einer Generation geerntet werden. Nach dem Krieg wurde ja Bauholz benötigt. Pappelholz wurde vornehmlich für Bretter verwendet, die für Hausgiebel und Türen bestimmt waren", sagt Eggert. Aber auch Holzschuhe wurden daraus gefertigt. "Wenn das Pappelholz nicht nass wird und abtrocknen kann, ist es langlebig. Es hat eine zähe Faser", weiß der Gartenbauer. Pappeln, das weiß er ebenso, sind auch heute noch in der Recyclingwirtschaft begehrt als schnellwüchsiges Brennmaterial.

Die Teiche an der Düttingdorfer Straße gehören immer noch vier Eigentümern, nämlich den Familien Meyer zu Düttingdorf, Eggert, Uphaus ("Ups Hoff") und Mönk (Nolting). Ende der 80er Jahre sah sich Klaus Eggert gezwungen, rund 80 Pappeln, die seinen Röteteich umrandeten, zu fällen - er hatte Angst vor Schadensfällen. "Die Bäume waren an die 35 Meter hoch und hatten einen Umfang von gut und gerne 70 Zentimetern", erinnert er sich. "Wäre eine Pappel über die Straße gestürzt, wäre der Kotten auf der anderen Seite bedroht gewesen", so Eggert.

Schon beim heftigen Eisregen am 3. März 1987 brachen viele Zweige aufgrund der enormen Last einfach ab. "Viele Bäume waren einfach nicht mehr standfest", so Eggert. Andere Teich-Eigentümer zogen in den nächsten Jahren nach. So kam viel mehr Licht und Sonne an die Teiche. "So haben wir - unbewusst - den Lebensraum für den Laubfrosch erweitert."

In den letzten Jahren setzten sich Heimatfreunde - nicht zuletzt auf Initiative des früheren Bürgermeisters Karl Obermann - für ihr Dorf ein. "Wir haben schon einige Male die Teiche entrümpelt. Da lag immer viel Abfall drin, sogar Munition aus dem Zeiten Weltkrieg."

Jetzt ist es das Domizil für Amphibien schlechthin. Dort leben neben Laubfröschen auch Lurche und Molche. Eggert: "Die Teiche bedürfen aber weiterhin der Pflege. Wir versuchen, dass in Zusammenarbeit mit dem Kreis als Unterer Landschaftsbehörde hinzubekommen". Klaus Eggert findet dieses Teichsystem "einmalig". Eigentlich, so berichtet er, seien es 21 Teiche, die bei Hochwasser ineinander übergeben.

Er betont: "In dieser Form sind wohl kaum andere Gewässer vorhanden. Und auf dem Laubfrosch, da baut sich viel drauf auf in Bardüttingdorf.".

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