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KREIS HERFORD Junge Frauen ins Bordell geschickt

Ehemaliger Boxer muss sich vor Gericht verantworten

VON NADINE TÖLLE UND STEFAN BOSCHER
29.03.2010 | Stand 28.03.2010, 19:58 Uhr

Kreis Herford. Er hat zwei junge Frauen (16, 19) aus Bulgarien in den Kreis Herford gebracht und sie an ein Bordell vermittelt. Vor dem Amtsgericht musste sich Roman K. jetzt wegen "Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung verantworten".

Aufgewachsen ist Roman K. (Name geändert) in Bulgarien, besuchte eine Sportschule und wurde Profi-Boxer. Irgendwann kam er in den Kreis Herford und mietete eine Wohnung in Bünde. Laut Anklage versprach er 2007 einer damals 19-Jährigen aus einem kleinen Ort in Bulgarien einen Job als Serviererin, brachte sie aber in seiner Wohnung in Bünde unter, bevor er sie als Prostituierte an ein Bordell vermittelte. Bis zu 3.000 Euro im Monat könne sie dort verdienen - allerdings müsste die junge Frau die ersten vier Monate das Geld an K. für seine Dienste abgeben.

Nach dem gleichen Muster verfuhr er bei einer erst 16 Jahren Jugendlichen, die ebenfalls aus Bulgarien kommt. Auch sie brachte er nach Bünde in seine Wohnung an der Engerstraße, auch sie schickte er in ein Bordell. Nur einen Tag später wurde das Mädchen "nur mit einem kurzen Top und einem Tanga bekleidet", von der Polizei in dem Bordell aufgegriffen - Roman K. wusste nicht, dass die Beamten sein Telefon abgehört hatten und ihm so auf die Spur gekommen waren.

Ja, er habe die Frauen nach Deutschland gebracht, aber gezwungen habe er sie zu nichts, ließ K. über eine Dolmetscherin erklären: "Die Frauen sind mitgekommen und wussten, dass sie hier in einem Bordell arbeiten würden." Bis zu 70 Euro habe er den Mädchen dafür täglich abgenommen. "So geht es nicht weiter. Es ist keine Lösung, andere Menschen auf diese Weise für sich arbeiten zu lassen." Die Worte der Vorsitzenden Richterin waren eindeutig, und K. versprach: "So etwas werde ich nie wieder tun".

Sein Geständnis wirkte sich positiv auf das Urteil aus. Und auch die Staatsanwaltschaft musste anerkennen, dass K. die jungen Frauen zwar für die Prostitution nach Deutschland gebracht hatte und auch, um mit ihnen Geld zu verdienen - zur Arbeit in den Bordellen jedoch gingen die 16- und 19 Jahre alten Bulgarinnen ohne Zwang.
Zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilte ihn das Herforder Schöffengericht - ausgesetzt zur Bewährung.Direkt aus dem Gerichtssaal ging es für K. zurück nach Bulgarien, dort warten seine Frau und zwei Kinder auf den ehemaligen Boxer. "Ich bereue es sehr", waren seine letzten Worte.

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