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Prof. Uwe Lobbedey, Sara Snowadsky und Andreas Wenzel (v. l.). - © FOTO: EKKEHARD WIND
Prof. Uwe Lobbedey, Sara Snowadsky und Andreas Wenzel (v. l.). | © FOTO: EKKEHARD WIND

Enger Widukind auf der Spur

Sara Snowadsky will Ergebnisse der Ausgrabungen in der Engeraner Stiftskirche auswerten

VON EKKEHARD WIND VON EKKEHARD WIND
02.12.2009 | Stand 01.12.2009, 20:41 Uhr

Enger. "Das war eine spannende Sache damals", erinnert sich Prof. Dr. Uwe Lobbedey an seine archäologische Arbeit Anfang der 70er Jahre in der Engeraner Stiftskirche. In erster Linie ging es um die Baugeschichte des Gotteshauses. Aber natürlich auch um Sachsenherzog Widukind, der in der Kirche begraben liegen soll. Die Ergebnisse der Ausgrabung sollen jetzt gründlich aufgearbeitet werden. Bislang existiert nur ein Vorbericht.

In ihrer Dissertation wird sich Sara Snowadsky jetzt dieses Themas annehmen. Finanziert werden könnte das Projekt durch die Uni Münster und den Förderverein des Widukind-Museums. "Bei der Universität ist ein Antrag gestellt, über Sondermittel in das Projekt einzusteigen", berichtete Lobbedey gestern. "Vielleicht kommt ja auch Neues dabei heraus", sagt Andreas Wenzel, Vorsitzender des Fördervereins.

Unterstützt von Helfern fand Lobbedey damals direkt vor dem Altar drei Gräber. "Eine Welle der Erleichterung war damals in Enger spürbar", erinnert er sich. Es wurden öffentliche Führungen angeboten. "Und die Leute kamen in Scharen", sagt Museumsleiterin Regine Krull.

Die Bevölkerung hatte zuvor skeptisch die Arbeit der Archäologen verfolgt. Die Sorge, "die wollen uns doch wohl nicht den Mythos Widukind rauben", wie sich Lobbedey erinnert, trieb die Engeraner um.

"Unglücklicherweise tragen die menschlichen Knochen, die wir gefunden haben, keine Monogramme", sagt der Experte schmunzelnd. Aus historischer Sicht sei es schwer zu beantworten, ob Widukind in der Kirche begraben sei: "Es können nur Wahrscheinlichkeiten abgewogen werden." Die ungewöhnliche Position der Gräber vor dem Altar lasse auf den Stifter der Kirche schließen.

Aber auch ohne das Thema Widukind sei die Baugeschichte der Kirche - vom Gründungsbau bis zum Ausbau als Stiftskiche - über Ostwestfalen hinaus hoch interessant, betont Lobbedey.

Sara Snowadsky wird sich nunmehr den Vorbericht, die alten Akten und Dokumentationen, Zeichnungen und Fotos genauestens ansehen. "Ich gehe unvoreingenommen an das Thema heran und werde die Befunde auswerten", sagt die 29-Jährige. "Vielleicht mag ja im Detail noch einiges verborgen sein."

Darüber hinaus möchte sie auch die Grabungen im Außenbereich auswerten. "Das ist noch nicht passiert." So will sie auch der Frage nachgehen, welche Art von Gebäuden damals zu einem Stift gehörten.

"Es ist wichtig, gewonnene Erkenntnisse auszuwerten", betonte Bürgermeister Klaus Rieke. Deshalb freue er sich, dass Sara Snowadsky für das Projekt habe gewonnen werden können. "Lobenswert ist die Tatsache, dass der Förderverein des Museums das Projekt unterstützen will." Profitieren könne von den Ergebnissen auch das Museum, da neue Erkenntnisse in die Ausstellung eingearbeitet werden könnten.

"Ganz neue Dinge wird es wahrscheinlich nicht geben", meinte das Stadtoberhaupt, "aber wir werden sehen, was dabei herauskommt."

Eine Zwischenbericht ihrer Arbeit wird Sara Snowadsky am 14. März 2010 im Widukind-Museum der Öffentlichkeit vorstellen.

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