0
In diesem Modellklassenraum hängt schon eine der digitalen Tafeln, mit denen bald alle Klassenzimmer an allen Schulen ausgestattet werden sollen. - © Mareike Patock
In diesem Modellklassenraum hängt schon eine der digitalen Tafeln, mit denen bald alle Klassenzimmer an allen Schulen ausgestattet werden sollen. | © Mareike Patock

Enger So geht es mit der Digitalisierung der Schulen in Enger voran

Die Grund- und weiterführenden Schulen der Stadt entwickeln derzeit gemeinsam ein Konzept für die Schule 4.0. Warum die Klassenräume künftig ein bisschen anders aussehen werden als bisher.

Mareike Patock
29.11.2019 | Stand 28.11.2019, 18:00 Uhr

Enger. Mit einem speziellen Stift schreibt WGE-Lehrer Philip Jabs einen Satz auf sein Tablet. Nur ein Klick und seine Worte erscheinen auch auf der großen digitalen Tafel, die in einem der Klassenräume des Engeraner Widukind-Gymnasiums hängt. „Die Digitalisierung an den Schulen in Enger“ steht dort jetzt geschrieben - jener Satz, der auch auf Jabs iPad zu lesen ist. Um die Schule 4.0 geht es an diesem Vormittag in dieser speziellen Unterrichtsstunde. Nicht Schüler haben sich dazu hier versammelt, sondern die Leiter der Grund- und weiterführenden Schulen aus Enger. Vor zwei Jahren haben sie sich gemeinsam auf den Weg gemacht, um die Digitalisierung voranzubringen. Seither treffen sie sich regelmäßig, um Erfahrungen auszutauschen und das Projekt zu entwickeln. Einheitliches System für alle Engeraner Schulen Auch Bürgermeister Thomas Meyer und der städtische Fachbereichsleiter Jens Stellbrink sind an diesem Vormittag dazu gekommen.Das Besondere in Enger sei, dass die vier Grund- und die beiden weiterführenden Schulen der Stadt ein gemeinsames Konzept für die Digitalisierung erarbeiteten, erläutert Stellbrink. Das sehe vor, dass in allen Engeraner Schulen die gleichen Geräte und das gleiche System genutzt würden. Der Vorteil: Wechseln Grundschüler aus Enger auf die weiterführenden Schulen in der Stadt, sind sie schon mit der Technik und dem System vertraut. Das Konzept sieht laut Stellbrink vor, dass alle Klassenräume in allen Schulen mit digitalen Tafeln ausgestattet werden - eine der ersten hängt bereits in dem Klassenraum des WGE, in dem sich die Schulleitungen gerade versammeln. Insgesamt würden rund 150 solcher Geräte für je 3.000 Euro angeschafft. "Spätestens im Frühjahr sollen alle digitalen Tafeln installiert sein", sagt Bürgermeister Thomas Meyer. Die herkömmlichen Tafeln sind bald Geschichte Die herkömmlichen, bisherigen Tafeln werden also bald Geschichte sein. Allerdings bekomme jeder Klassenraum auch ein sogenanntes Whiteboard, auf dem man noch ganz klassisch mit dem Stift schreiben könne. In einem weiteren Schritt sollen die weiterführenden Schulen in den Sommerferien und die Grundschulen in den Herbstferien 2020 mit einem "flächendeckenden, starken WLAN" ausgestattet werden. Das sei ein "großer Arbeitsschritt", denn in allen Schulen müssten umfangreich Kabel gezogen und Access Points installiert werden, berichtet Stellbrink. Bis es ein solch flächendeckendes WLAN gebe, werde jetzt ein Übergangs-WLAN installiert, um die neuen digitalen Tafeln schon nutzen zu können. Alle Lehrer schon mit iPads ausgestattet Schon jetzt sind alle Lehrer der sechs Engeraner Schulen mit iPads ausstaffiert worden. Später sollten auch Klassensätze für die Schüler angeschafft werden, die im Eigentum des Schulträgers bleiben. Stellbrink spricht hier von "Kofferlösung", denn die 12 bis 16 iPads eines Klassensatzes seien in einem Koffer verstaut und variabel in verschiedenen Klassen einsetzbar. Langfristig sei eine "1:1-Lösung" das Optimum. Sprich: ein eigenes iPad für jeden Schüler. "Wenn wir solche Systeme in die Klassenräume bringen, möchten wir auch, dass die Schüler damit arbeiten", sagt die stellvertretende WGE-Leiterin Katrin Höcker-Gaertner. Noch nicht klar sei am WGE allerdings, ab welcher Jahrgangsstufe eine 1:1-Lösung sinnvoll sei und in welchen Stufen die Kofferlösung ausreiche. Zunächst sei es jetzt aber wichtig, dass die Lehrer mit den Geräten umgehen und sie sinnvoll im Unterricht einsetzen könnten - was eine umfassende Fortbildung erfordere, sagt Realschulleiter Joachim Blombach. "Erst dann macht es Sinn, dass auch die Schüler damit arbeiten." Das sind die Kosten Für die technische Ausstattung der Schulen rechnet die Stadt Enger laut Stellbrink mit Kosten von rund 2,4 Millionen Euro. "1,6 Millionen Euro kommen aus dem Landesförderprogramm 'Gute Schule 2020.'" Die NRW-Bank gebe der Kommune zunächst einen Kredit über die Summe, den jedoch nicht die Stadt, sondern das Land zurückzahle. Weitere 800.000 Euro würden aus dem Digitalpakt Schule hinzugeschossen. Wenn irgendwann für jeden Schüler ein eigenes iPad vorgesehen sei, werde das allerdings nicht von der Stadt finanziert werden können, sagt Stellbrink. Diese Kosten müssten dann von den Eltern getragen werden. Eine endgültige Lösung, wie finanzschwächere Familien bei der Anschaffung unterstützt werden könnten, gebe es noch nicht, sagt Stellbrink. Hier müssten Konzepte erarbeitet werden. Teilweise hätten auch die Fördervereine der Schulen signalisiert, "dass sie unterstützen wollen".

realisiert durch evolver group