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Ganz entspannt: Das dreijährige Schaf Schnucki lässt sich viel gefallen. Ganz ruhig lässt das Tier sich von den Kindern der Klasse 6b streicheln. Matthias Steger (v.l.) mit Tochter Johanna und deren allerbeste Freundin Johanna passen auf das dreijährige Schaf auf. - © Andreas Sundermeier
Ganz entspannt: Das dreijährige Schaf Schnucki lässt sich viel gefallen. Ganz ruhig lässt das Tier sich von den Kindern der Klasse 6b streicheln. Matthias Steger (v.l.) mit Tochter Johanna und deren allerbeste Freundin Johanna passen auf das dreijährige Schaf auf. | © Andreas Sundermeier

Enger Schaf Schnucki besucht die Realschule Enger

Unterricht mal ganz analog: Wenn das Unterrichtsmaterial auf vier Beinen in die Klasse kommt. Das ganz kleine Lamm wurde noch mit Biestmilch von Kühen des benachbarten Landwirtes hochgepäppelt.

Andreas Sundermeier
03.10.2019 | Stand 02.10.2019, 17:29 Uhr

Enger. Realschule Enger, 10.40 Uhr: Im Biologieraum warten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6b ganz gespannt. Derweil steht im Nebenraum zu Füßen eines menschlichen Skelettes Schnucki. Das dreijährige Schaf wartet ruhig auf seinen großen Moment. Denn ein paar Minuten später führt Matthias Steger das Tier in den Klassenraum. Schnucki ist gar nicht verängstigt. Denn Schnucki ist ein Hausschaf. "Vor drei Jahren", so erzählt Steger, wurde Schnucki als Zwillingsschaf geboren. Das Mutterschaf hatte sich zunächst erst um Schwester Schuckli gekümmert und Schnucki war übersehen worden. Da die Mutter das Lamm dann nicht mehr annahm, trat die menschliche Familienkonferenz zusammen und beschloss, sich um das kleine Schaf zu kümmern. Acht Wochen lang lebte es im Haus. Und wurde dann von der Familie mit den sechs Kindern groß gezogen. Stubenrein allerdings, so sagt Steger, sei das Schaf nicht. "Das geht nicht." Alle Dreiviertelstunde bekam es etwas zu trinken. "Und da haben wir mitgeholfen", sagt Stegers Tochter Johanna. Die Zehnjährige erinnert sich noch gut an die Zeit. Abends sind dann die Eltern länger aufgeblieben. Und danach konnte Schucki nachts auch mal fünf Stunden ohne Nahrung sein. Biestmilch ist ganz besonders nahrhaft Johannas beste Freundin heißt ebenfalls Johanna. Beide gehen in die Klasse 5a der Realschule, durften aber jetzt ausnahmsweise Schnucki begleiten, um das Tier auch den Schülerinnenn und Schülern der anderen Klasse fünf und sechs der Schule zu zeigen. Und die hatten allerhand Fragen. Matthias Steger beantwortete alle sehr geduldig und eingehend. Gras, Heu, aber auch Möhren würde Schnucki fressen. Und Wasser trinken. Nur in den ersten Lebenswochen, das erfuhren die Sechstklässler, bekam das Schaf Biestmlich zu trinken. Das sei besonders wertvolle Milch vom benachbarten Bauern. "Die ist ganz nahrhaft", ergänzte Biologie- und Erdkundelehrer Meinolf Sandmeyer. Er betonte, wie wichtig es sei, dass die Kinder auch mal Tiere live in der Schule sehen. Und sie die Fragen direkt beantwortet bekommen und die Tiere - wie hier das Schaf - auch streicheln dürfen. "Das ist etwas, was sie nicht vergessen. Hier lernen sie viel mehr als wenn sie es einfach nur im Internet nachsehen würden. Hier ist der Unterricht noch eindrucksvoll analog und nicht digital." Vierbeinige Rasenmäher treten die Maulwurfslöcher zu Und auch Matthias Steger findet Gefallen an dem Unterricht vor Ort. Gern erläuterte er den Kindern alles, was sie in Sachen Schaf wissen wollen. "10 bis 15 Schafe haben wir bei uns zuhause", sagt der Lenzinghausener. Hauptsächlich betätigen sie sich auf der um die 5.000 Quadratmeter großen Fläche als "Rasenmäher". Die Tiere kämen besser unter die Obstbäume als Maschinen. "Und nebenbei treten die Schafe dann auch die Maulwurfslöcher zu." Auf dem Grundstück leben neben den Schafen auch noch Legehennen, Enten und Gänse. "Schafe können nicht alleine sein. Dann vereinsamen sie. Schafe sind Herdentiere", erfahren die Kinder. Dabei müsse die Herde nicht ausschließlich aus Schafen bestehen. Da könne dann auch ein Pferd oder ein Pony dabei sein. Und auch ein paar Gänse, die die Schafe auch mal wegstubsen, um an der Stelle das saftigste Gras zu fressen, würden akzeptiert. "Ganz wichtig", so betont Steger ausrücklich, "ist der respektvolle Umgang mit den Tieren. Der Mensch soll sich nicht über sie stellen."

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