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Werner Schmid engagiert sich für die Natur. Er vermittelt Kindern Wissen über Tiere und Pflanzen. Zur Begrüßung im "Grünen Klassenzimmer" bläst er in sein Jagdhorn. - © David Knapp
Werner Schmid engagiert sich für die Natur. Er vermittelt Kindern Wissen über Tiere und Pflanzen. Zur Begrüßung im "Grünen Klassenzimmer" bläst er in sein Jagdhorn. | © David Knapp

Spenge Werner Schmidt bringt Kindern im Spenger Katzenholz die Natur ganz nahe

Im Dienste der Allgemeinheit (6): Werner Schmid ist passionierter Naturschützer. Mit Skepsis beobachtet er die Auswirkungen des Menschen auf die Natur. Doch er sieht auch Anlass zur Hoffnung.

David Knapp
17.09.2019 | Stand 17.09.2019, 18:33 Uhr

Spenge. Das Hühnerhaus im Katzenholz ist so etwas wie das zweite Wohnzimmer von Werner Schmid. In dem 1847 erbauten Gebäude inmitten des Spenger Waldes empfängt Schmid regelmäßig Kita-Gruppen und Grundschulklassen. „Es geht mir darum, den Kindern die Natur näherzubringen. Ich sehe ein großes Defizit bei Naturwissen." Schmid möchte nicht den Oberlehrer spielen. Vielmehr geht es ihm darum, den jüngeren Generationen auf lebendige Weise etwas mit auf den Weg zu geben – mit Rallyes, Rätseln und Anschauungsmaterial. Das Hühnerhaus selbst ist da ein gutes Beispiel. In dem verschroben wirkenden Gebäude empfangen ausgestopfte Tiere die Besucher: etwa ein Rotmilan, ein Kolkrabe und ein Wildschwein. Auf zusammengestellten Tischen liegen Eichenzapfen und Tannengrün, der Blick nach draußen fällt unweigerlich auf das dichte Grün des Katzenholzes. „Im Wald gibt es eine andere Lernatmosphäre", erklärt Schmid, der zur Begrüßung seiner jungen Gäste regelmäßig ins Jagdhorn bläst – melodisch sicherlich angenehmer als das eindringliche Schellen der Schulglocke. Das „Grüne Klassenzimmer" und sein Ehrenamt bei der IG Katzenholz sind für Schmid eine logische Konsequenz seiner Biografie. Schon als Kind nahm ihn sein Großvater mit in die Natur, mit in den Wald. Dort sammelten sie Pilze und Beeren, der Großvater erklärte ihm früh die natürlichen Zusammenhänge des Waldes. „Das Wissen darüber ist in unserer schnelllebigen Zeit weniger geworden. Die Eltern haben keine Zeit, mit den Kindern in den Wald zu gehen." An dieser Stelle möchte Schmid ansetzen. Seit den 1970er Jahren ist er im Hegering Spenge, viele Jahre später folgten erste naturpädagogische Projekte. Sein Einsatz für die Natur bezeichnet er als „Herzensangelegenheit." „Der Mensch sägt an dem Ast, auf dem er sitzt" Viele Dinge, die für ihn selbstverständlich sind, fehlten gerade bei den jüngeren Generationen. Das Problem dabei ist: „Was ich nicht kenne, kann ich nicht lieben." Nur wer Wissen über die Tiere, Pflanzen und die Umwelt besitzt, wird sich für deren Erhalt einsetzen, so die Überzeugung von Schmid. Er beobachtet viele Entwicklungen mit Skepsis. Flüge zum Beispiel, die Flächenversiegelung, das Artensterben: „Der Mensch hat überall eingegriffen. Die Naturflächen für die Tiere werden weniger. So ist der normale Ablauf der Natur nicht mehr gewährleistet. Das ist sehr betrüblich und das müssen wir den Kindern aufzeigen." Der Mensch sägt an dem Ast, auf dem er sitzt. Die Zerstörung der Natur durch den Menschen ist für Schmid nicht nur eine abstrakte Hypothese. Er, der Zeit seines Lebens in der Natur verbracht hat, beobachtet, wie die Artenvielfalt abnimmt. „Früher hatten wir die Feldlerche, Rebhühner und die Nachtigall. Vor 40 Jahren gab es in Enger noch den Pirol." Ebenfalls nicht mehr zu sehen sei die Goldammer, der Lieblingsvogel von Werner Schmid. Denn sie hat „einen Gesang, der zu Herzen geht". Dabei bräuchten die Vögel nicht viel: nur „eine Wohnung und ein Nahrungsangebot". Doch selbst diese beiden ganz grundsätzlichen Voraussetzungen seien nicht mehr selbstverständlich. Wer von dem Rückgang der Vögel nichts weiß, wird sich jedoch nicht für sie einsetzen. Da ist er wieder, der Leitspruch von Werner Schmid: „Was ich nicht kenne, kann ich nicht lieben." „Ich konnte in meinem ganzen Leben noch nicht die Füße hochlegen" Deshalb zeigt der Naturschützer den Kindern die verschiedenen Vögel, lässt sie Baumarten bestimmen und im Wald auf Rätsel-Rallye gehen. Er erklärt die Zusammenhänge und lässt das Wissen darüber anschaulich werden. Etwa indem die Kinder mal das Geweih eines Hirsches anfassen dürfen, um ein Gefühl für das Gewicht der Abwurfstange zu bekommen. Oder indem sie einen jungen Ahornsetzling mit einem ausgewachsenen Ahorn vergleichen, um zu verstehen, wie lange dessen Entwicklung braucht. Im Hühnerhaus sollen seine Gäste einen „Gedankenanstoß" erhalten. Die Hoffnung ist, dass insbesondere die jüngeren Generationen „bessere Dinge erfinden, die die Natur nicht so belasten. Aber das ist die große Schwierigkeit." Trotz dieser Unwägbarkeiten wird Werner Schmid nicht müde aufzuklären. Sein nächstes Projekt ist ein Pflanzgarten in Nähe des Hühnerhauses. Dafür wird gerade eine Fläche ausgesucht, die umzäunt werden soll. „Ich konnte in meinem ganzen Leben noch nicht die Füße hochlegen", sagt Schmid. Deshalb wird er jetzt auch nicht damit anfangen.

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