0

Enger/Spenge So kommen Bedürftige in Enger an Lebensmittel

Im Dienst der Allgemeinheit: Jeden Mittwoch sind die Ehrenamtlichen der Tafel in Enger aktiv und geben Essen aus

David Knapp
20.08.2019 | Stand 20.08.2019, 18:14 Uhr

Enger. "Jetzt machen wir unseren kleinen Kaufmannsladen auf", sagt Maria Stuke, als auf den Tischen alles bereit liegt: Gemüse, Obst, Brot, Nudeln und ein paar Hygieneprodukte, die in blauen und grünen Kisten aufgereiht auf langen Tischen stehen. Wie jeden Mittwochmittag öffnet nun Karl-Heinz Tappe die Tür und lässt die ersten Kunden in das Café Solero an der Bielefelder Straße. Nach und nach ruft Tappe Zahlen auf, die den Menschen zuvor zugelost wurden. Nur ältere Menschen, die an Rollatoren gehen oder schwangere Frauen müssen nicht warten, sondern werden bevorzugt hereingelassen, erklärt Tappe. Leicht ironisch bezeichnet er sich selbst als "Türsteher" der Tafel. Ohne Tappe kommt hier keiner rein. Maria Stuke steht währenddessen mit ihren Kolleginnen auf der anderen Seite der langen Tische. Sie fragt die Menschen, was sie brauchen und gibt die entsprechenden Produkte aus. "Möchten Sie noch Geflügelwurst?", fragt sie eine Kundin. Kopfschütteln. "Käse?" Die Frau nimmt eine Packung entgegen. "Man weiß nie, was man bekommt. Manchmal gibt es beispielsweise kistenweise Salat und Kräuter, manchmal davon fast gar nichts", erklärt Stuke, die seit mehr als zehn Jahren bei der Tafel Herford anpackt. Der Bedarf ist in den vergangenen Jahren gestiegen Ihr sei es immer gut ergangen und als die Rente anstand, beschloss sie, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Seitdem ist sie dabei und verteilt Essen an Menschen, bei denen das Geld für Lebensmittel häufig knapp wird. An einem kleinen Tisch am Eingang des Raumes müssen die Kunden pauschal zwei Euro für jede erwachsene Person entrichten, pro Kind fallen 50 Cent an. Ganz kostenlos sind die Lebensmittel also nicht. Auf dem Tisch steht eine Dose: "Essen ist wertvoll", ist darauf zu lesen. Stuke und ihren Mitstreiterinnen geht es um Unterstützung für Menschen, die ihre Hilfe gut gebrauchen können. Aber die Tafel ist ebenso ein Ort, an dem Lebensmittel vor dem Müll gerettet werden. "Überschüssige Sachen können hier gerne abgegeben werden, ob privat oder von Unternehmen", sagt Dorothee Hirsch, während sie einer älteren Frau einen Eisbergsalat überreicht, der sogleich in einem Trolley verschwindet. Hirsch ist seit dem Start der Ausgabestellen in Enger und Spenge dabei. Damals liefen die beiden Ausgaben noch nicht getrennt voneinander. Doch der Bedarf sei in den vergangenen Jahren gestiegen, erklärt Hirsch. Insbesondere nach dem Herbst 2015, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, sei die Ausgabestelle von vielen Menschen aufgesucht worden. "Wir kennen unsere Pappenheimer" Durch die verschiedenen Kulturen sei es manchmal schwierig mit der Sprache. Aber irgendwie verständigen sie sich hier schon. "Dadurch bekomme ich schon ein bisschen Menschenkenntnis und sehe wie unterschiedlich die Menschen sind", sagt Stuke. Langweilig werde es zumindest nie, stimmt Dorothee Hirsch ihr zu. Heute kommen 30 Kunden, es seien aber auch schon einmal 70 gewesen. Woran das liegt, weiß keiner so genau. Die Menschen reihen sich in die Schlange an den Tischen ein. Die Ehrenamtlichen fragen, was benötigt wird und händigen die Lebensmittel aus. "Die meisten sind ganz lieb und nett und bedanken sich", sagt Maria Stuke, die mit blauen Gummihandschuhen die Kisten durchsucht. Hin und wieder würden einige jedoch versuchen, mehr Lebensmittel einzufordern als es die Personenzahl vorsieht: "Aber wir kennen unsere Pappenheimer." Nach nicht mal einer Stunde hat Türsteher Karl-Heinz Tappe alle Zahlen aufgerufen und alle Kunden hereingelassen. Mittlerweile ist auch Uwe Grühl mit seinem Sprinter da. Grühl bringt die Lebensmittel jede Woche aus Herford zu den Ausgabestellen nach Enger und Spenge. "Die Arbeit ist nie eintönig, man versauert auf jeden Fall nicht", sagt er. In den Kisten auf den Tischen sind immer noch reichlich Lebensmittel übrig: Paprika, Wurstwaren, Salate. "Ich fahre jetzt noch nach Spenge", sagt Grühl. Für die Ehrenamtlichen bei der Ausgabestelle in Enger endet damit ihr Einsatz.

realisiert durch evolver group