0
Wenn der Ring tiefe Spuren hinterlassen hat . . . - © Andreas Sundermeier
Wenn der Ring tiefe Spuren hinterlassen hat . . . | © Andreas Sundermeier

Enger/Spenge Scheidung - und dann? Elternberaterin aus Bünde gibt Tipps

Viele Menschen, die verlassen wurden, kommen mit der Trennung vom Partner oft auch nach Jahren noch nicht klar. Was sie tun können, um zurück ins Leben zu finden.

Mareike Patock
11.08.2019 | Stand 11.08.2019, 11:33 Uhr

Enger/Spenge. Wenn die Liebe zerbricht und ein Partner plötzlich die Scheidung will, stürzt das den anderen oft in ein bodenloses schwarzes Loch. Von jetzt auf gleich ist nichts mehr wie es war. Manchmal kann der Verlassene die Trennung oft über Monate, mitunter jahrelang nicht verwinden. Doch auch getrennte Wege gehen weiter. Wie man nach einer Scheidung zurück ins Leben finden kann – Für das Weiße Kreuz, einem Verband für Liebe und Beziehung, hat Anka Reifert jetzt für Betroffene ein Seminar zum Thema Trennung gegeben – und dabei Wege aufgezeigt, wie man eine Scheidung leichter überwinden kann. „Eine Erschütterung wie selten im Leben" Der Partner, der sich trennen möchte, habe sich oft schon monatelang mit diesem Gedanken auseinandergesetzt. Wenn er schließlich das Gespräch suche, habe er seine Entscheidung meist schon getroffen, sagt die Bünderin. Der andere Partner werde jedoch ganz frisch und unvermittelt mit dem Thema konfrontiert. „Das ist eine Erschütterung im Leben, wie sie selten passiert. Der Boden tut sich unter den Füßen auf. Man muss ganz plötzlich einen Plan B für sein Leben entwerfen, weil Plan A nicht mehr funktioniert." Häufig sei eine andere Frau oder ein anderer Mann im Spiel, wenn es um eine Trennung gehe. Ehrlich mit dem Ehepartner darüber geredet werde selten. „In den meisten Fällen wird man in irgendeiner Form erwischt – und sei es nur, dass eine Textnachricht gelesen wird." Ist es zu einer Trennung gekommen, sei das erste Jahr danach besonders schwierig für den Partner, der verlassen wurde: „Das ist eine schiere Katastrophe: das erste Weihnachten alleine, das erste Geburtstagsfest alleine." Schwer zu ertragen seien für die Betroffenen aber oft auch die kleinen Alltagssituationen, sagt Anka Reifert. Man müsse jetzt zum Beispiel allein in den Urlaub fahren, alleine einkaufen, alleine Haushalt und Garten stemmen. „Man muss auf einmal alles selber machen." Und – wenn Kinder da sind – habe man oft auch mit einem Mal die Hauptfürsorge für den Nachwuchs. „Das Selbstwertgefühl leidet unglaublich" Aber auch das Selbstwertgefühl leide unglaublich. „Der Verlassene fühlt sich häufig wie B-Ware und fragt sich, ob er nicht mehr liebenswert oder attraktiv ist." Bei vielen herrsche zudem absolutes Unverständnis, warum der Partner nicht schon beizeiten mit ihm über die Eheprobleme geredet habe. Vielen Trennungen sei eines gemein: „Es geht immer um Wut und Zorn, um Trauer und Schmerz – und darum, sich verabschieden zu müssen von seinem ehemaligen Leben." Für viele Menschen, die verlassen worden sind, sei es außerdem schwierig zu akzeptieren, dass die Beziehung endgültig vorbei sei. „Bei vielen ist die Hoffnung immer noch da, der Ex-Partner könnte zurückkommen", berichtet Reifert. Zurück ins Leben finden Um einen Weg zurück ins Leben zu finden, sei es wichtig, sich „nicht einzuigeln". Stattdessen sollte man aktiv werden, Freunde und Bekannte treffen, auf andere Menschen zugehen und so versuchen, neue Beziehungen aufzubauen. „Denn ein Schritt nach vorne ist besser als auf der Stelle zu stehen." Wichtig auch: Man sollte über das belastende Thema Scheidung reden – auch wenn es schwer falle und das Thema bei vielen Betroffenen mit Scham belastet sei. „Aber indem man darüber redet, verarbeitet man die Trennung schneller." Wenn man sich öffne und über die Trennung spreche, komme man zudem auch oft in Kontakt mit Menschen, die Ähnliches erlebt hätten. Warum es wichtig ist, eine Beziehungspause einzulegen Wer die Scheidung vom Partner überhaupt nicht verwinden könne, dem empfiehlt die Bünderin außerdem, sich professionelle Begleitung zu suchen. Und sie rät auch, nach einer gescheiterten Ehe zunächst eine Beziehungspause einzulegen und zu reflektieren, wo die Probleme lagen. „Denn sonst treten die alten Schwierigkeiten über kurz oder lang auch in der neuen Beziehung auf." Um ein neues Leben beginnen zu können, sei es wichtig, dem Ex-Partner „irgendwann zu vergeben, Frieden zu finden und weiterzugehen. Und Plan B muss nicht schlechter sein als Plan A", betont Reifert.

realisiert durch evolver group