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In der Widukindstadt soll es demnächst eine zweite Ladestation für Elektroautos geben. - © Ekkehard Wind
In der Widukindstadt soll es demnächst eine zweite Ladestation für Elektroautos geben. | © Ekkehard Wind

Enger Netz der „E-Tanken“ wird verdichtet

Technik der Zukunft: Es gibt bereits Strom-Zapfsäulen für Elektroautos in Enger und Spenge. Versorger Westfalen-Weser baut Infrastruktur weiter aus. Autoverkäufer berichten von Skepsis der Kunden

Karin Wessler
11.02.2019 | Stand 11.02.2019, 15:40 Uhr

Über Elektromobilität wird bundesweit viel diskutiert. Wie sieht es in den Städten Enger und Spenge aus? Um etwa das Fahren mit Elektroautos interessanter zu machen, wurde in Spenge letztes Jahr eine Stromzapfsäule am Rathaus errichtet, in Enger gibt es bereits eine Strom-Tanke am Bustreff am Kleinbahnhof, eine weitere wird derzeit am Heckewerthplatz installiert. Und der Versorger Westfalen Weser möchte diese Technologie weiter voran bringen. „Abgas- und feinstaubfreier Autoverkehr wird immer wichtiger, aber die Infrastruktur muss noch ausgebaut werden. Die Westfalen Weser Energie-Gruppe investiert derzeit in die Installation von insgesamt 200 Ladepunkten in OWL und Südniedersachsen", teilt Pressesprecherin Maria Pottmeier-Rath mit. „Die werden alle rund 20 Kilometer auseinander liegen." Die Ladestationen haben eine Leistung von 22 kW. „Damit kann im besten Fall ein E-Auto in einer Stunde für 100 Kilometer aufgeladen werden." Betankt werden könne hier, so Pottmeier-Rath, jedes Elektroauto. „Vorausgesetzt, es hat eine EU-genormten Standardstecker Typ2." Die Freischaltung der Ladesäule erfolge über die App „Plug Surfing", über die auch die Abrechnung laufe. „Der Nutzer lässt sich einmal registrieren, dann kann er immer laden." Alternative für Kurzstrecken Bei den Elektroautos sei die Marke Renault „klarer Marktführer in Deutschland", so Fred Landermann vom gleichnamigen Autohaus in Spenge. Vom Modell „Zoe" gebe es bereits über 4.000 Zulassungen in ganz Deutschland. „Und auch in Spenge steigt die Anzahl der Interessierten, die sich ein E-Auto zulegen möchten", so seine Erfahrung. Er selbst habe bereits knapp 30 Autos dieses Modells verkauft. „Für die Kurzstrecke sind E-Autos eine super Alternative". Renault habe seit langem unterschiedliche Elektro-Modelle im Programm. Mancher kritisiere zwar eine nicht ausreichende Anzahl an Ladestationen. „Aber solche Ladepunkte benötigen viele Nutzer später gar nicht unbedingt", erklärt er. „In der Regel werden E-Autos über Nacht zuhause in der Garage voll aufgeladen. Dann starten die Fahrer morgens mit 100 Prozent Akkuleistung. Damit kann man – je nach Modell – 150 bis 300 Kilometer Fahrstrecke zurück legen." Viele Autofahrer legten pro Tag aber kaum mehr als 30 oder 40 Kilometerzurück. „Dann muss zwischendurch keine Ladestation angefahren werden." Das Auftanken von E-Autos werde nur dann aktuell, wenn weitere Strecken zurück gelegt werden sollen. „Etwa wenn ich nach Berlin will, dann müsste unterwegs nachgetankt werden." Als problematisch sieht er bei den E-Ladestationen, dass es unterschiedliche Betreiber und unterschiedliche Techniken gebe. „Bei manchen muss man sich bereits vorab registrieren, da muss man das Nachladen planen. Auch gibt es bisher kein einheitliches Bezahlsystem." Das sei jeweils herstellerspezifisch. Auch gebe es unterschiedliche Kartensysteme. „Es ist so, dass jeder Hersteller sein System auf dem Markt etablieren und damit Geld verdienen möchte", so seine Einschätzung. Landermann sieht es kritisch, dass „Grüner Strom" nicht überall erhältlich sei. Das sei in Nachbarländern bereits möglich. „Es gibt also noch viel Diskussions- und Aufholbedarf." Förderungen machen Kauf interessanter  Durch Förderungen beim Kauf eines E-Autos durch das Land oder auch durch den Versorger EWB in Bünde werde die Anschaffung durchaus interessant. Trotzdem könnten sich Kunden oft nicht dazu durchringen, ein E-Auto zu erwerben. „Keiner will der Dumme sein. Manche spekulieren darauf, dass es bald eine ganz neue Technik oder auch eine höhere Prämie geben könnte", so seine Einschätzung. Nach den Erfahrungen von Ulrich Hinzmann vom gleichnamigen Autohaus an der Düttingdorfer Straße wurden bei BMW in der jüngeren Vergangenheit die Hybrid-Modelle stärker nachgefragt. „Die verfügen quasi über eine doppelte Technik. Wenn der Akku leer ist, springt der Benzinmotor an." Als reines E-Auto sei mittlerweile der „i3" auf dem Markt. „Da nimmt die Nachfrage deutlich zu." Die Reichweite betrage bis zu 300 Kilometer. Aber er hat auch erfahren: Der Dieselmotor sei für viele attraktiver – allein von der Reichweite und vom Verbrauch her. Entwicklung der E-Technik schleifen lassen Die Versorgung mit E-Ladestationen sei in der Region „eher dürftig", so Friedrich Ovensiek vom Autohaus Widukind in Enger. In seinem Betrieb hat er erfahren: „Die Kunden sind allein schon wegen der recht geringen Reichweite skeptisch gegenüber dieser Technik. Ein Großteil der Autofahrten kann sicherlich ohne Nachladen unternommen werden. Aber es gibt schlichtweg noch viele Fragezeichen und Unsicherheiten." Die Entwicklung der E-Technik habe man in Deutschland etwas schleifen lassen. „Und die muss jetzt endlich in Fahrt kommen." Denn der deutsche Autofahrer sei verwöhnt: „Es dauert ja nur wenige Minuten, bis der Autotank mit Benzin gefüllt ist. Da kann die Strom-Tanke noch nicht mithalten."

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