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Im Gespräch: Landtags-Vize Oliver Keymis (2. v. r., Grüne) war zu Gast in der Realschule Enger. Er diskutierte mit Felix Tebbe (v. l.), Schulleiter Joachim Brombach, Lehrerin Franziska Trepke, Elisabeth Mora und Xenia Niemeier sowie vielen anderen Schülern. - © Karin Wessler
Im Gespräch: Landtags-Vize Oliver Keymis (2. v. r., Grüne) war zu Gast in der Realschule Enger. Er diskutierte mit Felix Tebbe (v. l.), Schulleiter Joachim Brombach, Lehrerin Franziska Trepke, Elisabeth Mora und Xenia Niemeier sowie vielen anderen Schülern. | © Karin Wessler

Enger Besonderer Politikunterricht:
Landtags-Vizepräsident in der Realschule

Realschule Enger: Landtagsvizepräsident Oliver Keymis diskutiert mit Schülern über aktuelle gesellschaftliche Themen und fordert auch Engagement ein

Karin Wessler
14.01.2019 | Stand 14.01.2019, 20:17 Uhr

„Pfusch gehört zum Handwerk – wird aber bestraft." Diese Erkenntnis ereilte den heutigen Landtagsvizepräsidenten Oliver Keymis, als er selbst noch die Schule besuchte. Bei einer Matheprüfung hatte er eine Spickzettel und flog auf. „Ich musste in die Nachprüfung und dafür viel lernen. Das war kein schöner Sommer – macht so was nicht", riet er gestern, als er in der Realschule Enger zu Gast war und mit Schülern über politische Fragen und aktuelle Themen diskutierte. Rund 140 Schüler des 9. Klassen und des SoWi-Kurses der 8. Klassen waren in der Aula zusammen gekommen, um dem ausgesprochen kurzweiligen Vortrag des Grünen-Politikers zu lauschen und ihn anschließend mit Fragen zu löchern. Viele hatten sich Fragen auf großen Papierbögen notiert – sie waren gut vorbereitet. Und sie erhielten ehrliche, verständliche Antworten. "Entscheidend sind vielmehr die inneren Werte" Doch zunächst stellte sich Oliver Keymis vor. Oft werde er gefragt, ob er griechische Wurzeln habe. „Aber mein Name ist flämisch, meine Mutter kam übrigens aus Ostpreußen", berichtete er. Irgendwie hätten sich sein Vater, der in Deutschlands Westen lebte, und seine Mutter getroffen und eine Familie gegründet. „Herkunft, Name und Aussehen sind nicht entscheidend. Entscheidend sind vielmehr die inneren Werte und das, was im Herzen steckt", so sein Credo. Die Frage sei: „Wie lebt man miteinander und – da wird es politisch – was macht die Politik, damit es passt?" Wie wichtig es sei, dass Jugendliche sich für Politik interessieren, versuchte er an einem Beispiel deutlich zu: „Wären die jungen Leute in Großbritannien zur Abstimmung gegangen, als über einen Brexit entschieden werden sollte, würde das vereinigte Königreich wohl Mitglied in der EU bleiben." "Das spaltet die Gesellschaft" Weil aber viele nicht gegangen seien, hätten „Alte und Frustrierte mit nur knapper Mehrheit über die Zukunft des Landes entschieden – und das spaltet die Gesellschaft." Er mahnte in launigen Worten, sich in politische Fragen einzubringen und einzumischen. „Abschottung ist kein politischer Kampf." Er wünsche sich, dass England noch einmal über einen Brexit nachdenke. „Dass die austreten wollen, ist Quatsch." Denn ein geeintes Europa sei „superstark" – stärker als die anderen Kontinente. „Nicht nur wirtschaftlich." "Vernünftiger Umgang" Wie wichtig seine Funktion im Landtag sei, wollte in der Fragerunde ein Schüler wissen. „Der Laden muss vernünftig laufen, und das Landtagspräsidium hat ein Auge darauf, dass alle ihre Arbeit machen und dass die Mitglieder einen vernünftigen Umgang pflegen", sagte er mit einem Augenzwinkern. Andere Fragen zielten auf Sicherheit im Datennetz oder Digitalisierung der Schulen. „Klar ist, dass die Digitalisierung voran gebracht werden muss. Die Frage ist, welche Entscheidungskompetenzen die Länder behalten, wenn der Bund viele Milliarden dazu schießt. Es muss offen und fair über über die Knete für Schulen diskutiert werden und wie die Milliarden effizient eingesetzt werden können", so die Forderung. Auch müsse der Ausbau des Datennetzes voran getrieben werden. „Wie bei der Versorgung mit Wasser und Strom ist das ein wichtiger Punkt der Daseinsvorsorge." Oliver Keymis war auf Initiative von Lehrerin Franziska Trepte nach Enger gekommen, die von dem Landtagsprogramm der politischen Bildung und der Kontaktaufnahmen zu Schulen wusste. Schulleiter Joachim Blombach dankte dem Referentin für „die belebende Veranstaltung".

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