Für die Walter Frommholz GmbH & co. KG ist ein Insolvenzantrag gestellt worden. - © Mareike Patock
Für die Walter Frommholz GmbH & co. KG ist ein Insolvenzantrag gestellt worden. | © Mareike Patock

Spenge Frommholz vor dem Aus

Spenger Traditionsunternehmen: Der Polstermöbelhersteller hat jetzt auch für die Vertriebsgesellschaft einen Insolvenzantrag gestellt. Vor zwei Jahren war schon das Ende für die Produktionsgesellschaft gekommen

Mareike Patock

Spenge. Der traditionsreiche Polstermöbelhersteller Frommholz aus Spenge steht vor dem Aus: Nach der Produktionsgesellschaft ist jetzt auch für die Vertriebsgesellschaft ein Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bielefeld gestellt worden. Das Unternehmen wollte zu der Entwicklung auf Anfrage keine Stellung nehmen. Seit Jahrzehnten steht Frommholz für handwerklich hochwertig gefertigte Polstermöbel. Im Sommer 2016 hatte das Unternehmen bereits einen Insolvenzantrag für die Produktionsgesellschaft, die FPS GmbH & Co. KG, gestellt (die NW berichtete). 44 der damals 66 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Die rechtlich selbstständige Vertriebsgesellschaft (Walter Frommholz GmbH & Co. KG) mit ihren rund 20 Mitarbeitern war von der Insolvenz 2016 nicht betroffen. Zulieferer in Polen und Ungarn Die Polstermöbelproduktion in Spenge wurde damals komplett eingestellt. Seither wurden die Sitzmöbel der Marke Frommholz von Zulieferfirmen in Polen und Ungarn gefertigt. Als Grund für den Schritt nannte das Unternehmen damals den hohen Kostendruck. Die Produktion in Deutschland sei „lohnintensiv und nicht mehr wirtschaftlich". Die im Ausland gefertigten Sitzmöbel hat die Frommholz-Vertriebsgesellschaft vermarktet. Noch vor einem Jahr, bei der Hausmesse im September 2017, hatte das Unternehmen neue Sitzmöbel-Modelle vorgestellt. Mit einem neuen Systemprogramm und einer moderneren Linie wollte sich das Spenger Traditionsunternehmen neue Kundenkreise erschließen, gleichzeitig aber auch auf Bewährtes setzen. Der geschäftsführende Gesellschafter Gero Walter Frommholz hatte die Firma damals noch als „gut aufgestellt für die Zukunft" gesehen. "Der Markt ist zurückgegangen" „Jetzt ist das eingetreten, was ich nach der Insolvenz damals schon befürchtet habe: Dass es nicht funktionieren wird, bei so hochwertigen Produkten nur im Ausland zu fertigen", sagte Gewerkschaftssekretär Frank Branka von der IG Metall Herford gestern im Gespräch mit der NW. Außerdem habe die Polstermöbelbranche generell in diesem Jahr eine „schwierige Situation" hinter sich. „Der Markt ist zurückgegangen." Spenges Bürgermeister Bernd Dumcke nannte die Entwicklung „hochbedauerlich". Die Firma sei ein „traditionsreiches Unternehmen". Gero Walter Frommholz seit 2009 Chef Mit knapp 160 Jahren ist Frommholz eines der ältesten Unternehmen in Spenge. Ihre Anfänge hat die Firma in Danzig. Dort gründete August Frommholz 1859 einen Korbmöbelbetrieb. Durch die Wirren des Ersten Weltkriegs wurde die Familie nach Ostwestfalen verschlagen. In Spenge baute Walter Frommholz eine kleine Korbmöbelfabrikation auf, ab 1929 fertigte die Firma daneben auch Polstermöbel. 1935 wurde das Unternehmen vergrößert und ab den 1970er Jahren von Dirk-Walter Frommholz weiter ausgebaut. 2009 übergab er den Stab an seinen Sohn Gero Walter.

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