Engeraner Wanderwart: Heinrich Kniepkamp war schon auf unzähligen Wanderwegen unterwegs, im Schnitt ist er 850 Kilometer im Jahr gelaufen. Auch jetzt noch zieht der 82-Jährige zwei Mal im Monat los – einmal privat, einmal mit dem Heimatverein. - © Judith Gladow
Engeraner Wanderwart: Heinrich Kniepkamp war schon auf unzähligen Wanderwegen unterwegs, im Schnitt ist er 850 Kilometer im Jahr gelaufen. Auch jetzt noch zieht der 82-Jährige zwei Mal im Monat los – einmal privat, einmal mit dem Heimatverein. | © Judith Gladow

Enger Seit 50 Jahren über Stock und Stein

Fußgänger aus Leidenschaft: Für den Engeraner Wanderwart Heinrich Kniepkamp gehört das langsame Erkunden von Natur und Landschaft einfach dazu. Seit 1974 ist er rund 37.000 Kilometer gegangen

Judith Gladow

Enger. Hunderte Wimpel, Abzeichen und Urkunden hat Heinrich Kniepkamp daheim. Dahinter verbergen sich rund 37.000 Kilometer, die der 82-Jährige in den letzten fünf Jahrzehnten erwandert hat. Bayerischer Wald oder Brocken, Teutoburger Wald oder Wiehengebirge – Heinrich Kniepkamp war da. Bis zu 60 Mal im Jahr ist er per pedes in der Natur unterwegs, seit 20 Jahren ist er Wanderwart im Heimatverein Enger. Kniepkamps Leidenschaft für das Wandern reicht weit zurück. Geboren ist er in Westerenger, in dem Haus, in dem er heute noch lebt. Nur für eine kurze Phase 1963-76 wanderte er nach der Hochzeit nach Lenzinghausen aus. Dort stieß er zur Wandergruppe des Obst- und Gartenbauvereins. Rote Socken gehörten zur Wandermode Wandern war zu der Zeit gerade „in“. Mit mehr als 40 Leuten zogen die Lenzinghausener damals regelmäßig los. Mitten drin: Heinrich Kniepkamp, natürlich der damaligen Wandermode entsprechend gekleidet. „Kniebundhose und rote Socken“, sagt er zurückblickend und lächelt. „Ein oder zwei Kniebundhosen habe ich noch im Schrank.“ Seine Freude am Erkunden zu Fuß, erinnert sich der Wanderwart, hatte er schon während der Schulzeit entdeckt. „Ich hatte einen Lehrer, der öfter mit uns kleine Ausflüge gemacht hat.“ Seine Töchter nahm er schon früh häufiger auf kürzere Etappen mit. „Meine erste Frau starb schon 1974, da waren die Kinder noch recht klein.“ Heinrich Kniepkamp lernte schließlich eine Bielefelderin kennen und die beiden verliebten sich bei gemeinsamen Spaziergängen im Botanischen Garten. „Inzwischen sind wir schon 42 Jahre verheiratet“, sagt Kniepkamp. 15 Büchlein mit Erinnerungen, Bildern und Notizen Wann er wo und wie viel gelaufen ist, das hat er seit 1989 genau aufgeschrieben. In 15 Büchlein mit Stempeln, eingeklebten Bildern und Zeitungsausschnitten. Etappenlänge, Mitwanderer, sogar das Wetter kann er nachschlagen. Damit tat er es seinem Spenger Kollegen Siegfried Gössling gleich, der Anfang Oktober unerwartet verstorben ist und ihm sehr fehlt. Der erste Eintrag in Kniepkamps Büchern ist von der Neujahrswanderung 1989 – 19 Kilometer rund um Jöllenbeck. Auch Gössling gehörte da zu den Mitwanderern. Sind es anfangs nur Stempel und kurze Notizen, kommen später immer mehr Bilder dazu. „Zu Fuß sieht man doch am meisten“ Seine längste Wanderung war im Schwarzwald – von Nord nach Süd, 300 Kilometer in elf Tagen. Die längste Etappe: 53 Kilometer durch den Harz von Wernigerode bis Nordhausen. „Das ist aber nicht empfehlenswert“, sagt er und fügt hinzu: „Zurück sind wir mit der Dampflok gefahren.“ Warum genau es das Zu-Fuß-Gehen war, das ihn so gepackt hat, kann der Bankkaufmann in Rente gar nicht so genau sagen. Radfahren habe er auch mal ausprobiert. Das sei ganz nett und mehr Kilometer seien dabei ebenfalls drin, aber: „Zu Fuß sieht man doch am meisten.“

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