Teamarbeit: Orgelbauer Mathias Johannmeier (vorn) und sein Mitarbeiter Matz Ringleb (hinten auf der Leiter) setzen zum Schluss die Pfeifen an der Orgel der Friedhofskapelle Enger-Mitte wieder ein. - © Ekkehard Wind
Teamarbeit: Orgelbauer Mathias Johannmeier (vorn) und sein Mitarbeiter Matz Ringleb (hinten auf der Leiter) setzen zum Schluss die Pfeifen an der Orgel der Friedhofskapelle Enger-Mitte wieder ein. | © Ekkehard Wind

Enger 400 Pfeifen ausgebaut und gereinigt

Fachfirma: Orgelbauer bringt das Instrument der Friedhofskapelle Enger-Mitte wieder in Schuss / Eine Generalüberholung war überfällig

Ekkehard Wind

Von klein bis ganz groß: Eine ganze Palette von Pfeifen liegt fein säuberlich nach Größe geordnet vor Mathias Johannmeier. Der Orgelbauer greift gezielt eine der Pfeifen heraus und reicht sie seinem Mitarbeiter Matz Ringleb an. Der steht auf einer Leiter und setzt mit wenigen Handgriffen das Metallrohr an seinen richtigen Platz. Passt. „Die Generalüberholung der Orgel in der Friedhofskapelle Enger-Mitte war überfällig", sagt Mathias Johannmeier. „Die Orgel klang nur noch dumpf und matt." Leider fehle das Typenschild, so dass nicht ohne weiteres exakt festzustellen sei, wann sie gebaut worden sei. „Die Friedhofskapelle ist 1958 entstanden. Ich schätze, das Instrument ist Anfang der 60er Jahre gebaut worden", sagt der Orgelexperte. Stark verdreckt Leider sei das Instrument sehr stark verdreckt gewesen. „Dem Schmutz nach zu urteilen, ist sie bislang noch nie gereinigt worden", mutmaßt der Engeraner. Er und sein Mitarbeiter haben das gute Stück deshalb komplett in seine Einzelteile verlegt. Sie bauten fein säuberlich die 81 Holzpfeifen und 324 Metallpfeifen aus. „Die pfeifenlose Orgel sieht dann von außen wie ein gewöhnlicher Wohnzimmerschrank aus", sagt Johannmeier und schmunzelt. In den Pfeifen hatte sich reichlich Ruß abgesetzt. Die Metallpfeifen, die zumeist eine Blei- oder Zinnlegierung haben, badeten sie in Seifenlauge, um den Schmutz zu lösen. „Die Pfeifen aus Holz werden aber nur abgewischt", erklärt der Experte. Diverse Verschleißteile musste das Fachunternehmen ersetzen. Alte verschlissene Lederteile der Mechanik tauschte die Firma, die ihren Sitz in Stemwede hat, gegen Edelstahl-Elemente aus. „Organisten bekamen kaum mit, wie laut sie eigentlich spielen" Zusätzliche baute der Fachmann, der in Enger wohnt, Belüftungs- und Klangschlitze ein. Die Luft zirkuliert jetzt in dem Gehäuse – dadurch soll die Gefahr einer Schimmelbildung minimiert werden. Über die neuen Klangschlitze werden sich die Organisten freuen: „Denn bislang bekamen sie kaum mit, wie laut sie eigentlich spielen." "Es geht nichts über einen Orgelklang" Für eine Friedhofskapelle sei eine richtige Pfeifenorgel schon ein Luxus, erklärt Mathias Johannmeier. Vielfach würden E-Orgeln oder ein Harmonium eingesetzt. Für den Engeraner steht aber fest: „Bei einer Trauerfeier geht nichts über einen Orgelklang. Der berührt die Menschen eher als ein synthetischer Klang." Insofern sei die Friedhofskapelle in Enger-Mitte mit der Orgel, die heute bei einer Neuanschaffung gut 80.000 bis 100.000 Euro kosten würde, gut ausgestattet. Aber der matte, dumpfe Klang bereitete nicht nur den Organisten, die zu Trauerfeiern auf dem Instrument spielen, keine Freude mehr. „Wir wollen schon einen astreinen Klang in der Kapelle für die Trauergemeinde haben", sagt Dirk Richter. Der Engeraner Bestatter hat vor ungefähr zwei Jahren die Friedhofskapelle Enger-Mitte von der Stadt Enger gepachtet. Eine Generalüberholung des Instruments sei unumgänglich gewesen, um wieder einen sauberen Klang zu haben. Die Kosten trage er als Pächter, die Stadt zahle einen kleinen Anteil dazu, sagt Richter. Neben Enger-Mitte hat er auch die Friedhofskapellen in Oldinghausen, Pödinghausen, Dreyen und Westerenger von der Kommune gepachtet. „Die Orgel soll auch weiterhin regelmäßig gewartet werden", betont Richter, der sich selbst vor Ort ein Bild von den laufenden Arbeiten des Stemweder Unternehmens machte.  Feines Gehör Sitzen wieder alle Pfeifen an ihrem angestammten Platz, überprüft Mathias Johannmeier die Klangfarbe und die Lautstärke. „Wichtig ist auch zu kontrollieren, ob die einzelnen Pfeifen sofort ansprechen." Abschließend folgt die Generalstimmung der Orgel. Johannmeier: „Als Orgelbauer muss man also nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch ein feines Gehör haben."

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