Viele hundert Stare sammeln sich derzeit immer am frühen Abend im Enger Bruch auf den Wiesen und zeigen spektakuläre Formationsflüge. - © Lietzow-Naturfotografie
Viele hundert Stare sammeln sich derzeit immer am frühen Abend im Enger Bruch auf den Wiesen und zeigen spektakuläre Formationsflüge. | © Lietzow-Naturfotografie

Enger Ein Vogel macht seinem Namen alle Ehre

Auf der Roten Liste: Der Star ist Vogel des Jahres 2018. Tiere sammeln sich derzeit am Abend im Enger Bruch

Karin Wessler

Auch in heimischen Gärten ist ein Vogel zuhause, der seinem Namen alle Ehre macht: Der Star. Beim Singen hat er echte Star-Qualitäten, er verfügt über eine Unmenge eigener Gesangsmotive und besitzt darüber hinaus die Fähigkeit, andere Vögel perfekt nachzuahmen. Sein rhythmisches Singen unterstreicht er dabei gerne mit weit geöffneten Flügelbewegungen. Und sein Federkleid ist purpur-dunkel glänzend – ein tolles Outfit. In diesem Jahr ist der Star „Vogel des Jahres". Auch in Enger und Spenge ist der Star zuhause. Tiere fallen truppweise ein In den vergangenen Tagen war im Enger Bruch, rund um das mittlerweile verlassene Storchennest, ein echtes Spektakel zu bestaunen: „Fast 1.000 Stare fallen täglich truppweise ab 17.30 Uhr ein, sammeln sich auf den Hochspannungsleitungen und fliegen gemeinsame zur Futtersuche auf die Wiese am Storchennest und die anliegenden Felder", berichtet der Engeraner Eckhard Lietzow, Naturfotograf aus Passion. Schwärme werden immer kleiner „Nach gut einer Stunde fliegen die zu ihren Schlafplätzen ab", hat er beobachtet. „Die Schwärme sind zwar noch nicht so groß wie 2014 – damals fanden sich hier mehrere tausend Vögel zusammen – doch wesentlich größer als in den letzten drei Jahren." Der Vogel des Jahres 2018 habe allgemein mit einem starken Rückgang zu kämpfen. „Dieses Imitationstalent unter den heimischen Vögeln wird immer seltener", schreibt auch der Naturschutzbund NABU, der zusammen mit dem bayerischen Partner LBV den Star zum Vogel des Jahres gewählt hatte. „Der Bestand hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen, so dass er inzwischen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht", heißt es auf der NABU-Homepage. Diese Beobachtung geht einher mit den Erkenntnissen des Naturbeobachters Eckhard Lietzow. „Der Star wird immer seltener", hat auch er in den letzten Jahren festgestellt. „Allein in Deutschland hat die Population seit 1990 um zwei Millionen Paare abgenommen", weiß er. „Das bedeutet einen Rückgang von fast 50 Prozent", macht der Engeraner deutlich. Deutschlandweit schwanke der Bestand des Stars zwischen 2,8 und 4,5 Millionen Paare, so der Vogelkenner. „Je nach Nahrungsangebot und Bruterfolg im Vorjahr." Der Star sei ein sehr schönes Tier. „Das Prachtkleid dieses Vogels macht wirklich etwas her", schwärmt Eckhard Lietzow. Vor drei Jahren habe es im Bereich Enger und Spenge noch 5.000 bis 6.000 Stare gegeben. „Die haben sich gern im westlichen Enger Bruch nieder gelassen", weiß er. Wenig Nahrungsgründe und Brutplätze In den letzten beiden Jahren seien es deutlich wenigergewesen, die hierher gekommen sind. „Die Anzahl der Tiere hat drastisch abgenommen", so seine Beobachtung. „Die können sich kaum noch vermehren, weil im hiesigen Umland kaum noch Nahrungsgründe und kaum Brutplätze vorhanden sind. Das kann nichts werden", gibt er zu bedenken. Dabei gehören Stare zu den weltweit häufigsten Vögeln. „Sind geeignete Brutgelegenheiten vorhanden, besiedeln die Vögel unterschiedlichste Landschaften." In Parks und Gärten könne ihnen durch Nistkästen geholfen werden, regt Eckhard Lietzow an. „Insekten, Früchte und Beeren sind die bevorzugte Nahrung, im Winter finden sich die hier gebliebenen Tiere gern an Futterstellen ein." Laut Eckard Lietzow brütet der Star im April, oft gibt es zwei Jahresbruten. Ein Gelege besteht aus vier bis acht Eiern, die Brutdauer beträgt 11 bis 13 Tage. 17 bis 21 Tage bleiben die kleinen Küken dann noch in ihrem Nest. Störche schon auf dem Weg nach Süden Die Störche im Enger Bruch, so Lietzows Beobachtung, hätten in diesem Jahr schon ungewöhnlich früh ihre Reise in den Süden angetreten. „Ich habe sie letztmals Ende vorletzter Woche gesehen", berichtet er. „Die extreme Trockenheit hat in diesem Jahr dazu geführt, dass die Störche sich früher als sonst sammeln und weitflächig umherstreifen, eventuell schon abziehen, um sich ein Quartier für die Überwinterung zu suchen", so seine Einschätzung. Eckhard Lietzow beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Beobachtung heimischer und exotischer Vögel. Eine große Auswahl seiner Videos und Fotos ist zu finden auf seiner Internetseite unter www.lietzow-naturfotografie.de

realisiert durch evolver group