Hier geht’s lang: Marica Friedrich (rechts im orangefarbenen T-Shirt) zeigt den Teilnehmern eines Workshops, wie sie ihre Füße zu setzen und sich zu drehen haben. Das klappt mal mehr, mal weniger gut, macht allen aber trotzdem Spaß. - © Martina Chudzicki
Hier geht’s lang: Marica Friedrich (rechts im orangefarbenen T-Shirt) zeigt den Teilnehmern eines Workshops, wie sie ihre Füße zu setzen und sich zu drehen haben. Das klappt mal mehr, mal weniger gut, macht allen aber trotzdem Spaß. | © Martina Chudzicki

Enger 2. Line Dance Friendship Wochenende in Enger

Mehr als nur ein Westerntanz: Profis und Laien tanzen drei Tage lang in einer Reihe und doch nach immer wieder neuen Choreographien

Martina Chudzicki

Enger. „Aus dem Weg – ich muss tanzen" – die launige Botschaft auf dem T-Shirt einer Teilnehmerin ließ keinen Zweifel daran, um was sich an diesem Wochenende im Sportpark Enger alles drehte: Tanzen, Tanzen, Tanzen! Bereits zum zweiten Mal hatte der Engeraner Verein „Line Dance Friendship Germany" zu einem dreitägigen Workshop Wochenende für diesen sehr speziellen Tanz aus den Vereinigten Staaten eingeladen. Doch wer erwartete, im zur Tanzfläche umgestalteten Foyer des Fitnesszentrums Cowboys und Cowgirls anzutreffen, die mit wippenden Hüten und stampfenden Stiefeln zu schrulligen Westernsongs tanzen, der hatte sich gründlich getäuscht. Cowboyhüte und -stiefel waren die Ausnahme und aus den Lautsprecherboxen dröhnten gängige Popsongs. Westernstyle nur eine Ausdrucksform von vielen Marica Friedrich weiß, dass der Line Dance genau mit diesem Klischee der Western-Idylle zu kämpfen hat. „Dabei", so sagt die 1. Vorsitzende des Engeraner Line Dance Vereins, „ist der Western Style nur eine von vielen möglichen Ausdrucksformen beim Line Dance." Zwar entwickelte sich der Gruppentanz, in dem die Tänzer und Tänzerinnen in Reihen (Lines) vor- und nebeneinander tanzen, tatsächlich vor allem in den USA und das Internationale Line Dance Zentrum, in dem letztendlich alle Line Dance Clubs verankert sind, hat seinen Sitz in Nashville. Getanzt wird Line Dance aber längst überall auf der Welt und das meist in modernen Choreographien, in denen auch auf Elemente aus Rumba, Mambo, Chachacha, Walzer oder sogar Tango zurückgegriffen wird. Line Dance ist ein knackiger Ausdauersport „Line Dance", so sagt Marica Friedrich, „ist ein knackiger Ausdauersport, der Kopf und Muskeln gleichermaßen trainiert!" Dazu, so sagt die begeisterte Tänzerin, sei es ein Sport, der keine große Körperbeherrschung voraussetze und von jedermann erlernt werden könne. „Es gibt sogar Sitz-Choreografien für Menschen mit Behinderungen." Allerdings, so schmunzelt Friedrich, wer das erste Mal an einem Tanzabend teilnimmt, der könne am nächsten Tag das Treppensteigen vergessen: „Das geht ganz schön in die Beine!" Die Teilnehmer an den verschiedenen Workshops werden möglicherweise ein Lied davon singen können. Eingeladen hatte der Verein einige Profis, die die Laien ganz schön ins Schwitzen und manchmal auch ins Stolpern brachten, darunter der 40-fache Line Dance Champion Raymond Sarlemijn. Doch die Mühen des Anfangs lohnen sich, ist Marica Friedrich überzeugt. Line Dance könne richtig süchtig machen. "Wir arbeiten daran, olympisch zu werden" Sie selbst ist eher durch Zufall an diesen Tanz geraten. „Eigentlich komme ich aus dem klassischen Standard- und Lateintanz", sagt sie. Nach einem Tanzunfall im Jahr 2003 habe sie dann sechs Jahre überhaupt nicht mehr getanzt, bis eine Freundin sie zu einem Line Dance Abend mitnahm. Seitdem ist die 51-Jährige infiziert und mittlerweile für und in diesem Sport weltweit von einer Competition zur nächsten unterwegs. Möglich wird das unter anderem, weil sie inzwischen eine offizielle Lizenz des Deutschen Olympischen Sportbundes für die Kategorie Line Dance hat. Noch ist Line Dance zwar nicht olympisch. „Aber wir arbeiten daran und werden es schaffen", ist Marica Friedrich sicher. Engeraner Verein hat 70 Mitglieder Wie beliebt der amerikanische Reihentanz ist, zeigt die Mitgliederzahl des noch jungen Engeraner Vereins. Rund 70 junge und alte Tänzer und Tänzerinnen kommen seit sechs Jahren Woche für Woche zum Training. Seit Kurzem steht ihnen dafür sogar ein eigenes Vereinslokal zur Verfügung. In einer ehemaligen Hemdenfabrik an der Spenger Straße hat Line Dance Friend-ship Germany einen großzügigen Probenraum angemietet. Dreimal in der Woche wird hier trainiert. Und wer einmal in den Tanz hineinschnuppern möchte – ganz ohne Cowboyhut und -stiefel – ist jederzeit herzlich willkommen.

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