Drei der sechs Teilnehmer:  Marvin Niederlüke (v.l.) und  Michel Pawels und vorne die spätere Siegerin  Anna Milikic. - © Carina Cremer
Drei der sechs Teilnehmer:  Marvin Niederlüke (v.l.) und  Michel Pawels und vorne die spätere Siegerin  Anna Milikic. | © Carina Cremer

Enger Unterhaltsames Wortgefecht im Neuen Forum

Poetry Slam: Sechs Teilnehmer begeisterten die Zuhörer mit ihren Texten. Moderne Form des Dichter-Wettstreits könnte bald regelmäßig in Enger stattfinden

Carina Cremer

Enger. Texte schreiben, kreativ sein, das möchte sie. Doch dafür müsse man raus in die Welt und nicht nur die Schulbank drücken und den ganzen Tag lernen. Das trug Merle Peters in ihrem Text „Weniger Schule, mehr Leben" vor. Die 16-jährige junge Dichterin war aus Warendorf angereist, um im Neuen Forum am ersten Poetry Slam in Enger teilzunehmen. Am Freitagabend traten sechs Teilnehmer gegeneinander an. Gesprochen werden darf nur sechs Minuten Doch bevor sie ihre Texte präsentierten, erklärte Niko Sioulis, Veranstalter und Moderator des Abends, die Regeln. „Ein Slam ist ein moderner Dichterwettstreit", sagt er. Die Teilnehmer hätten jeweils etwa sechs Minuten Zeit, ihre Texte vorzutragen. Bei Meisterschaften sei diese Zeitvorgabe streng einzuhalten. Doch bei den Veranstaltungen von Sioulis seien es eher „gefühlte sechs Minuten". Dabei seien allerdings keine Requisiten oder Verkleidungen erlaubt. Wer also etwa einen Text übers Jonglieren vorträgt und dabei gleichzeitig jongliert, würde disqualifiziert. Da es sich beim Poetry Slam um einen Wettbewerb handelt, müssen die Dichter nach ihrem Auftritt bewertet werden. Das funktioniert nach einem einfachen Prinzip. Je ausgiebiger, begeisterter und lauter die Zuschauer nach einem Vortrag klatschen und jubeln, desto mehr Siegchancen hat der Vortrag. Zuschauer entscheiden mit Um einen genauen Vergleich ziehen zu können, bewerteten fünf Teams aus dem Publikum, die Sioulis auswählte, zusätzlich auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten die Teilnehmer. Sioulis unterhielt das Publikum mit viel Witz und Charme und trat dabei ebenfalls mit einem eigenen Text auf. Für die Dichter gebe es stilistisch keinerlei Einschränkungen. „Ich kann also nicht sagen, was heute Abend passieren wird", sagte er. Kein Weg zu weit für einen Poetry Slam Als erster präsentierte Sioulis seinen Text, den er an den Film „Groundhog Day" („Und täglich grüßt das Murmeltier") angelehnt hat. Anschließend stellte Michel Pawels aus Bielefeld seinen Text vor. Der 45-jährige zog in witziger Weise einen Vergleich zwischen früher und heute. „Damals waren wir noch Helden" beendet er seinen Auftritt, der gut ankam beim Publikum. Svenja Sommer ist fast kein Weg zu weit für einen Poetry Slam. Die 22-jährige Bochumerin machte nachdenklich mit ihren Texten über belastende Beziehungen. Ebenfalls über Beziehungen und fehlende Kommunikation schreibt der 21-jährige Raid Hasoon aus Bielefeld. Anna Milikic, die bereits seit vierzehn Jahren schreibt, setzte in ihrem Text über Veränderungen mit einem Schnipsen auf das Wort Veränderung kleine Akzente. Den Text habe die 21-jährige Dichterin aus Gütersloh in einem Projekt während ihres Bundesfreiwilligendienstes verfasst. Das erste Mal einen Slam gewonnen Marvin Niederlüke 18 Jahre alt und aus Gütersloh, beendete mit seinem Text die erste Runde des Poetry Slams. Die Zuschauer wählten mit ihren Bewertungen Sommer, Hasoon, Pawels und Milikic ins Finale. Mit ihrem zweiten Text „Jaja, so ist das Leben eben" wurde Milikic schließlich Siegerin des Abends und damit Engers erste Poetry Slam Gewinnerin. „Das ist mein erster Slam, den ich je gewonnen habe", freute sie sich. Und nach so vielen nachdenklich stimmenden oder zum Lachen anregenden Worten wusste Milikic einen Moment gar nicht mehr, was sie sagen sollte: „Ich bin ein bisschen sprachlos grade". Erst seit letztem Oktober tritt sie aktiv auf Poetry Slams auf. Gemeinsam mit Slam OWL hatte Niko Sioulis beim Neuen Forum angefragt, ob der Poetry Slam dort stattfinden könnte. „Über die Anfrage haben wir uns sehr gefreut", sagt Caro Tiemann vom Neuen Forum. „Wir sind ja ein kleiner Verein und haben nicht so viele Veranstaltungen im Jahr." Weitere Poetry Slams könnte sich sich gut vorstellen.

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