Gehen in den Ruhestand: Realschul-Leiter Joachim Blombach verabschiedet seine beiden Lehrer Ingrid Röckemann und Manfred Vielhauer (v. l.). FOTO: MAREIKE PATOCK - © Mareike Patock
Gehen in den Ruhestand: Realschul-Leiter Joachim Blombach verabschiedet seine beiden Lehrer Ingrid Röckemann und Manfred Vielhauer (v. l.). FOTO: MAREIKE PATOCK | © Mareike Patock

Enger Zwei Lehrer sagen Tschüss

Realschule Enger: Kunstlehrerin Ingrid Röckemann und Mathelehrer Manfred Vielhauer verabschieden sich mit Ende des Schuljahres in den Ruhestand. Beide haben vier Jahrzehnte im Schuldienst gestanden. Ein Blick zurück – und nach vorn

Mareike Patock

Beide standen rund vier Jahrzehnte im Schuldienst: „Und beide waren Vollblut-Lehrer", sagt Realschulleiter Joachim Blombach. Mit Beginn der Sommerferien gehen Ingrid Röckemann und Manfred Vielhauer in den Ruhestand – wobei Röckemann erst ein Sabbat-Jahr einlegt, danach aber direkt in Pension geht. Im NW-Gespräch berichten die beiden, warum eine Briefmarke Ingrid Röckemann und ihren Schülern eine bundesweite Auszeichnung beschert hat, wie Manfred Vielhauer seinen allerletzten Schultag heute verbringen wird und was fünf kleine Buchstaben mit seiner Zukunft zu tun haben. Seit 20 Jahren unterrichtet Ingrid Röckemann an der Realschule in Enger – vor allem Kunst und Textilgestaltung, aber auch Biologie und Politik. Kunst und Textilgestaltung – das seien aber die Fächer gewesen, die ihr besonders am Herzen gelegen hätten. „Da lernt man ganz viele handwerkliche Dinge, es gibt viel Lebensbezug und man lernt die Kinder mal von einer anderen Seite kennen", sagt sie. Mit ihren Schülern hat die 62-jährige Herforderin dafür gesorgt, dass es bunt wurde in der Realschule: „Zu Weihnachten hat sie immer das Gebäude dekoriert", sagt Blombach. Aber auch aus den nackten Betonsäulen im Schulgebäude machte sie kleine Kunstwerke. Für die Kampagne „Be Smart, Don’t Start" – ein bundesweiter Wettbewerb für rauchfreie Schulklassen – kreierte sie vor sechs Jahren mit ihren Schülern eine Briefmarke. Darauf: Motive mit Freizeitbeschäftigungen, die eine Alternative zum Rauchen darstellen. Der kreative Beitrag bescherte der Realschule den ersten Preis. Gleich sechs Fächer unterrichtet Für den Ruhestand hat Ingrid Röckemann, die auch lange im Lehrerrat war, noch nichts groß geplant. „Ich schaue einfach, was auf mich zukommt", sagt sie. Manfred Vielhauer ist eigentlich noch gar nicht so lange Lehrer an der Realschule. Erst seit vier Jahren unterrichtet er hier Mathe und Physik, Erdkunde und Politik. Das Schulzentrum kennt er jedoch schon seit Jahrzehnten. Vor seiner Zeit an der Realschule hat er 34 Jahre lang als Lehrer an der angrenzenden Rolf-Dircksen-Hauptschule gearbeitet, die vor ein paar Jahren ausgelaufen ist. „Ich habe den ganzen Werdegang dieses Schulgebäudes mitbekommen", sagt der 64-Jährige. Auch die Eröffnung der Realschule und deren Anbau. „Und ich weiß auch noch, als ein Jahr mal Container hier auf dem Parkplatz gestanden haben", sagt Vielhauer. Darin seien die Fünftklässler übergangsweise unterrichtet worden, weil der Anbau der Realschule noch nicht fertig war. An der Hauptschule hat der Engeraner gleich sechs Fächer unterrichtet: Mathe und Physik, Chemie, Erdkunde, Geschichte und Wirtschaft. Knapp 25 Jahre hat er dort auch die Umwelt-AG geleitet und ebenso lange die Berufsorientierung übernommen. Als die Hauptschule dann kurz vor dem Auslaufen stand, habe ihn Realschul-Leiter Joachim Blombach angesprochen, ob er nicht an seiner Schule weiterunterrichten wolle. „Dafür bin ich ihm sehr dankbar", sagt Vielhauer. Denn er habe sein Berufsleben gern in dem Gebäude zu Ende führen wollen, in dem er sein Leben lang gearbeitet habe. „Und ich bin von den Lehrern und den Schülern hier sehr freundlich und offen aufgenommen worden." Manfred Vielhauer habe seinen „Beruf immer gelebt", lobt Blombach. „Er ist ein Pädagoge, der interessiert ist an den Menschen und sich für sie einsetzt. Es ging ihm immer um die Schüler." Seinen letzten Schultag heute wird Vielhauer mit seinen Sechstklässlern verbringen – bei einem gemeinsamen Frühstück. Danach, im Ruhestand, werden ihn wohl fünf Buchstaben häufiger begleiten: „ZETIS". Das „Zentrum für Elektronik, Telekommunikation und Informationstechnik in Schule und Freizeit" hat er mitbegründet. Auch künftig wolle er sich stark für den Verein einsetzen, in dem Kinder und Jugendliche zum Beispiel an die Funktechnik herangeführt werden. Dennoch: Die Schule werde er schon vermissen, sagt Vielhauer. „Das war mein Leben und meine Arbeit hat mir immer Spaß gemacht."

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