Erstbefüllung: Radladerfahrer Jochen Schnieder und Kreisdirektor Ralf Heemeier (oben auf dem Radlader) fuhren die erste Ladung Bioabfall in einen der vier Fermenter-Tunnel. Ute Lepper-Wiebusch (unten v.l.), Karlgünter Eggersmann, Bürgermeister Thomas Meyer und Sebastian Böhme begutachteten deren Werk. - © Andreas Sundermeier
Erstbefüllung: Radladerfahrer Jochen Schnieder und Kreisdirektor Ralf Heemeier (oben auf dem Radlader) fuhren die erste Ladung Bioabfall in einen der vier Fermenter-Tunnel. Ute Lepper-Wiebusch (unten v.l.), Karlgünter Eggersmann, Bürgermeister Thomas Meyer und Sebastian Böhme begutachteten deren Werk. | © Andreas Sundermeier

Enger Kompotec weiht neue Vergärungsanlage ein

In Enger wird aus Bio-Abfall Energie: Gute Zusammenarbeit zwischen Kreisdirektor und Eggersmann-Geschäftsführer. Investitionssumme liegt bei 2,5 Millionen Euro

Andreas Sundermeier

Enger. „Wir arbeiten seit 20 Jahren sehr gut zusammen." Da sind sich Karlgünter Eggersmann und Ralf Heemeier einig. Der eine – der Unternehmer – und der andere – der Herforder Kreisdirektor – eröffneten gestern den Betrieb einer neuen Vergärungsanlage für Bio-Abfälle in Enger. Damit haben die beiden ein neues Kapitel in der Zusammenarbeit aufgeschlagen. Schon seit über 20 Jahren kümmert sich Kompotec – eine Tochterfirma von Eggersmann – um die Grün- und Gartenabfälle des Kreises; um die kommerziellen und die der 115.000 Privathaushalte. „Das sind 20.000 Tonnen Bio-Abfall pro Jahr" sagt Kreisdirektor Ralf Heemeier. Biomasse gärt in Fermentertunneln In der neuen Vergärungsanlage, deren Investitionsvolumen Eggersmann auf 2,5 Millionen Euro beziffert, soll nun ein Teil davon in Energie umgewandelt werden. Dazu bringen Radlader die Abfälle in große Hallen, in so genannte Fermentertunnel. Dort vergären sie unter Hitze und Flüssigkeitszugabe und werden nach drei Wochen als halbfertiger Kompost wieder herausgeholt. In der Zwischenzeit wandelt ein ebenfalls neu gebautes Blockheizkraftwerk das entstandene Gas in Energie um. „Pro Stunde fallen 70 Kubikmeter an. Das ist so viel Energie, wie in 40 Litern Benzin steckt", erklärt Sebastian Böhme, Betriebsleiter des Eggersmann-Werkes in Gütersloh. Gestern erklärte er bei Kompotec in Enger die Konzeption der Anlage. Er und Eggersmann schilderten auch, wie „enorm schnell" der Bau umgesetzt worden sei: die erste Projektvorstellung bei den Behörden datiert vom 20. Oktober 2016, am 30. Dezember wurde die Genehmigung erteilt, Baubeginn war am 2. Mai 2017. Die Inbetriebnahme steht jetzt im Dezember an. Jährliche Kapazität: 8.500 Tonnen Bau und Konzeption hatten allesamt Eggersmann-Unternehmen übernommen; vom Genehmigungsinhaber, über das Engeneering, die Anlagentechnik, die Bausauführung bis zum Betreiber. Die neue Anlage verfügt über eine jährliche Kapazität von 8.500 Tonnen Bioabfall, aus der sich 1,1 Millionen Kubikmeter Biogas erzeugen lassen. Dieses wird sowohl zur Strom- als auch zur Wärmeerzeugung mit jeweils um die 1.200.000 Kilowattstunden pro Jahr genutzt. Die nachbehandelten Gärreste sind als nährstoffreicher Kompost zur Bodenverbesserung nutzbar. Strom für 350 Haushalte Kompotec-Geschäftsführer Karlgünter Eggersmann erklärte: „Mit der neuen Abfallbehandlungsanlage im Kreis Herford können die dort anfallenden Bioabfälle zukünftig nicht nur zur Herstellung von Humus und Dünger, sondern ebenso zur Erzeugung von Energie genutzt werden." So könnten rechnerisch 350 Haushalte mit einem jährlichen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden mit dem Strom aus der Anlage versorgt werden. „Für die Herstellung dieser Menge Strom wären sonst beispielsweise 205.000 Kubikmeter Erdgas im Jahr erforderlich gewesen." Im Vergleich zur reinen Kompostierung seien weiterhin rechnerische Treibhausgaseinsparungen von 1.050 Tonnen CO2 realisierbar. Praktizierter Klimaschutz Die Fermenter-Erstbefüllung übernahm Kreisdirektor Ralf Heemeier zusammen mit Radlader-Fahrer Jochen Schneider. Die beiden fuhren die erste Ladung Bioabfall in einen der vier Fermentertunnel. „Die neue Vergärungsanlage der Firma Kompotec ist ein gutes Beispiel für praktizierten Klimaschutz im Kreis Herford. Wir freuen uns, dass so nahezu die Hälfte des Bioabfalls des Kreises durch die Abfallbehandlungsanlage vor Ort vergärt wird. Dabei werden 92 Prozent des durch die Anlage produzierten Stroms in das WWE-Netz eingebracht, und 8 Prozent gehen wiederum zurück in die Biogasanlage", sagte Kreisdirektor Ralf Heemeier.

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