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Arm in Arm: Vereinsvorsitzender Karsten Glied (v. l.), Schriftsteller Thomas Frahm, Ulrike Schönfelder-Hellwig und Michael Hellwig bei der gelungenen Ausstellungseröffnung im Obergeschoss des Gerbereimuseums. - © Alexandra Wilke
Arm in Arm: Vereinsvorsitzender Karsten Glied (v. l.), Schriftsteller Thomas Frahm, Ulrike Schönfelder-Hellwig und Michael Hellwig bei der gelungenen Ausstellungseröffnung im Obergeschoss des Gerbereimuseums. | © Alexandra Wilke

Enger Ausstellung von Ulrike Schönfelder-Hellwig, Michael Hellwig und Siegfried Baron

Kunst zum Anfassen und Staunen. "Das Wort wird Bild" im Gerbereimuseum eröffnet

Alexandra Wilke
12.09.2017 | Stand 11.09.2017, 16:35 Uhr

Enger. In der Regel werden Kunstobjekte, vor allem Gemälde, durch Glasscheiben vor äußeren Einflüssen geschützt. Nicht aber die Bilder von Michael Hellwig. Da er in der Braille-, einer Blindenschrift arbeitete, geht es bei ihm gerade um die Berührung und das Ertasten. Auch Farben spielen folglich keine Rolle. „Weiße Bilder vor weißer Wand – das hatten wir auch noch nicht", sagte der Vereinsvorsitzende Karsten Glied bei der Eröffnung der aktuellen Ausstellung „Das Wort wird Bild", die nun bis zum 5. November im Gerbereimuseum zu sehen ist. Besonders freute er sich darüber, mit Michael Hellwig, Ulrike Schönfelder-Hellwig und Siegfried Baron die Bilder heimischer Künstler im Obergeschoss des Museums präsentieren zu können. Sprache in Bilder transferiert „Die Idee hatten wir im vorherigen Jahr im Rahmen der Planungen für das westfalenweite Literaturfestival", erläuterte Michael Hellwig das Zustandekommen der Ausstellung. „Wir konnten sie mit in das Programm einbinden und bringen hier Sprache und Bild zusammen. Anders als es häufig der Fall ist, haben wir aber keine Texte zu Bildern geschrieben, sondern Sprache in Bilder transferiert." Hellwig selbst stellte etwa sein Gedicht „Spielen mit Sprache" in der Brailleschrift dar, übersetzte es jedoch zuvor in verschiedene Sprachen, darunter das Albanische, das Arabische, das Lateinische und das Japanische. Die so entstandene Bildfolge erscheint durch die in weißes Papier gestanzte Blindenschrift zunächst als optische Einheit. Die Unterschiede der einzelnen Bilder, die aufgrund des von Sprache zu Sprache anderen Schriftbildes entstehen, zeigen sich erst bei genauem Hinsehen.  „Vielfalt sichtbar und betastbar" Diese künstlerische Umsetzung macht dem Schriftsteller Thomas Frahm zufolge, der in die Ausstellungseröffnung einführte, „Vielfalt sichtbar und betastbar". Hellwig zeige „die bewegliche, die schwankende und die unterschiedliche Beziehung zwischen Wort und Bild in jeder einzelnen Sprache". Ulrike Schönfelder-Hellwig brachte dagegen Farbe ins Spiel. Mit Pastellkreide und Farbstiften setzte sie das auf der Leinwand um, was die Gedichte von Michael Hellwig, Thomas Frahm, Björn Kuhligk und weiteren Autoren ihr vermitteln. „Ich beschäftige mich erst gedanklich sehr intensiv und eine lange Zeit mit den Inhalten, bevor ich sie schließlich ins Reine zeichne." Technisch geht Schönfelder-Hellwig dabei schichtweise vor: „Mein Ziel ist es, auf diese Weise Tiefen und bildnerische Räume zu erreichen." Sie und ihr Mann Michael Hellwig inspirieren sich in ihrem Schaffen gegenseitig. „Ich habe schon zu Bildern von ihr geschrieben, für diese Ausstellung hat sie nun meine Texte gezeichnet. Während ich sehr konkret schreibe, sind ihre Bilder dagegen relativ abstrakt. Es ist spannend, weil man auf diese Weise einen ganz anderen Blick auf die eigenen Arbeiten gewinnt", erläuterte er.  Auf die Fotografie spezialisiert Der dritte Künstler, dessen Werke aktuell im Gerbereimuseum ausgestellt werden, ist Siegfried Baron. Er hat sich auf die Fotografie spezialisiert und fängt das ein, was dem Auge zu entgehen droht. Seine Bilder sind laut Thomas Frahm das beste Beispiel dafür, dass Kunst im Sinne Paul Klees nicht das Sichtbare wiedergibt, sondern sichtbar macht – innerhalb dieser Ausstellung konkret „die Beziehungen, in denen Texte und Fotos zueinander stehen können".

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