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Bitte landen: Im Engeraner Bruch machen Störche gern mal eine Rast. Doch im dort stehenden Horst hat sich bislang noch kein Paar dauerhaft niedergelassen. - © Foto: NW-Archiv/Kiel-Steinkamp
Bitte landen: Im Engeraner Bruch machen Störche gern mal eine Rast. Doch im dort stehenden Horst hat sich bislang noch kein Paar dauerhaft niedergelassen. | © Foto: NW-Archiv/Kiel-Steinkamp

Enger Das Storchennest im Enger Bruch steht weiter leer

Bislang hat sich noch kein Paar dort niedergelassen. Das könnte sich ändern, denn die Population steigt rasant

Martina Chudzicki
11.03.2017 | Stand 10.03.2017, 16:42 Uhr

Enger. „Luftige Wohnung mit Traumblick in exponierter Lage direkt am Naturschutzgebiet. Erstbezug.“ So könnte die Wohnungsanzeige für ein einmaliges Objekt im Enger Bruch lauten. Doch trotz der zweifelsohne überzeugenden Standortvorteile findet sich kein Mieter für die Immobilie. Seit 2014 steht am westlichen Rand des Bruches ein nagelneues Storchennest. Doch der Horst in luftigen acht Metern Höhe ist nach wie vor unbewohnt. Aufgestellt worden war das Nest von der Biologischen Station Ravensberg. Deren Leiter Klaus Nottmeyer bleibt angesichts des nach wie vor leerstehenden Horstes allerdings gelassen. Denn er weiß: „Es kann sehr lange dauern, bis ein neuer Horst angenommen wird.“ Dabei hatte das Nest im Bruch zunächst durchaus das Interesse der Zielgruppe geweckt. „Schon wenige Wochen nach dem Aufbau“, so erinnert sich Nottmeyer, „hatte sich einer der Störche, die immer mal wieder Rast im Bruch machen, auf dem Nest niedergelassen.“ Geblieben ist er allerdings nicht. Gerade in diesen Tagen so Nottmeyer, kommen die Störche aus ihren Überwinterungsquartieren zurück – wenn sie denn überhaupt gen Süden gezogen sind. Denn von den beiden einzigen festen Brutpaaren im Kreis Herford zieht nur eines im Herbst fort. „Das ist das Brutpaar aus dem Hunnebrocker Bruch ganz in der Nähe“, sagt Nottmeyer. „Es ist vor einigen Tagen zurückgekehrt.“ Das andere Brutpaar ist in Hiddenhausen ansässig und überwintert inzwischen auch dort – auf dem Dach eines Bauernhauses. „Zum Brüten zieht das Paar aber regelmäßig in ein anderes Nest in der Nähe um“, hat der Biologe beobachtet. Im Kreis Herford gäbe es genügend Wohnraum für weitaus mehr Weißstorchenpaare. „Insgesamt gibt es 15 so genannte Storchenhilfen, also Horste“, sagt Nottmeyer. Das Wohnungsangebot übersteigt die Nachfrage also bei weitem. Warum trotz steigender Population trotzdem keine Horste neu bezogen werden, kann der Leiter der Biologischen Station nur vermuten. Ein Faktor könnte das vielleicht doch nicht ausreichende Nahrungsangebot sein. „Störche ernähren sich ja nicht nur von Fröschen“, sagt er. „Dann würden sie hier auch schnell verhungern. Deshalb fressen sie auch Regenwürmer, Mäuse und – Müll!“ Gerade letzteres Nahrungsangebot gibt es im Kreis Herford nicht, da es hier keine Mülldeponie gibt. „Im benachbarten Kreis Minden-Lübbecke ist das anders“, sagt Nottmeyer. Und dort brüten inzwischen rund 55 Weißstorchpaare. Darüber hinaus sind Weißstörche sehr standorttreu und beziehen bevorzugt immer wieder ihr altes Nest. „Diese Nester nennen wir Alpha-Brutplätze“, erläutert Nottmeyer. Und diese „1-A-Brutplätze“ sind nicht nur bei den alteingesessenen Paaren beliebt, sondern auch bei neuen Paaren auf der Suche nach einem Heim für den Nachwuchs. „Um den Horst in Hiddenhausen hat es in der Vergangenheit schon regelrechte Luftkämpfe gegeben“, erinnert sich der Biologe. Immerhin: Es gibt Hoffnung, dass der Horst im Enger Bruch vielleicht doch noch in absehbarer Zeit besiedelt wird. Denn: die Storchenpopulation steigt rasant. Vor einigen Jahren gab es in ganz NRW nur noch sechs Paare. Mittlerweile ist die Zahl der hier brütenden Paare auf 228 angestiegen. „Das ist eine richtige Erfolgsgeschichte“, sagt Nottmeyer. Und er freut sich vor allem darüber, dass die Hälfte dieser Storchenpaare in Ostwestfalen beheimatet ist. Es kommen also auch immer mehr Jungstörche zurück in die Region, die einen neuen – eigenen – Brutplatz brauchen. Und da habe der Horst im Engeraner Bruch schon einiges zu bieten. „Das ist schon eine gute Ecke für Störche“, ist sich Nottmeyer sicher. Bleibt also nur geduldig abzuwarten, dass die Störche das irgendwann auch mal spitz kriegen . . .

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