Letzter Akt: Die Diakone der gemeinde tragen die Altarbibel und die Abendmahlsgeräte aus dem Gottesdienstraum in die Sakristei. Foto: Privat - © emailgateway
Letzter Akt: Die Diakone der gemeinde tragen die Altarbibel und die Abendmahlsgeräte aus dem Gottesdienstraum in die Sakristei. Foto: Privat | © emailgateway

Enger Neuapostolische Gemeinde will sich von ihrem Kirchengebäude in Enger trennen

Gemeindemitglieder aus Enger gehen schon seit Anfang des Jahres in Spenge zur Kirche

Enger (nw). Zum letzten Mal versammelten sich am vergangenen Sonntag die Mitglieder der Neuapostolischen Kirchengemeinde Enger-Spenge zu einem Gottesdienst in Enger und nahmen Abschied von ihrem Kirchengebäude an der Rosenstraße. Zur Profanierung des Gebäudes war auch der Leiter des Kirchenbezirkes Herford, Bezirksältester Helmut Hartwig, nach Enger gekommen und feierte mit den Gläubigen zunächst einen stimmungsvollen und bewegenden Gottesdienst. Der Bezirksälteste beschrieb die Begegnung zwischen Jesus und den Geschwistern Maria, Martha und Lazarus in Bethanien. Im Haus dieser drei Geschwister habe sich Jesus sehr wohl gefühlt. Für ihn seien dieser Ort und die Menschen, die ihn willkommen hießen, ein Ort der Freude, eine Friedensstätte gewesen, sagte Helmut Hartwig und nahm damit Bezug auf die Kirche in Enger. Seit der Gemeindegründung vor mehr als 60 Jahren seien unzählige Gottesdienste und viele Segenshandlungen in diesem Gotteshaus gefeiert worden. Viele schöne, aber auch einige traurige Ereignisse habe die Gemeinde hier miteinander erlebt und manche persönliche Erinnerungen würden nachklingen. Ebenso wie Jesus sich in Bethanien wohl gefühlt habe, sei auch diese Gemeinde, dieser Ort für die Neuapostolische Gemeinde in Enger eine Heimat geworden. So sei es verständlich, dass dieser letzte Gottesdienst in Enger mit Wehmut und ein bisschen Traurigkeit verbunden sei. Doch man müsse nach vorne schauen, so Hartwig. Auch wenn dieser Standort geschlossen werde – ein vertrautes Gemeindeleben sei nicht vom Gebäude abhängig. Hartwig erinnerte an die Gründung der Kirchengemeinde Enger am 14. Juli 1955. In den frühen 1950er Jahren, so führte er aus, sei der damalige Apostel Wilhelm Knaupmeier durch Enger gefahren und habe sich gefragt, warum es in dieser Stadt immer noch keine Gemeinde gebe. Sein Begleiter damals habe erwidert: „Lieber Apostel, Enger ist ein hartes Pflaster!“ Der Apostel habe damals tiefgründig geantwortet: „Aber es sind gute Steine.“ Der langjährige Gemeindevorsteher Horst Hülsmann berichtete schließlich aus der umfangreichen Gemeindechronik. Priester Horst Hülsmann, seit April 2015 im Ruhestand, war 31 Jahre lang verantwortlicher Seelsorger der Gemeinde Enger. Aus persönlicher Erfahrung konnte er deshalb an viele Ereignisse erinnern, die das Gemeindeleben bis heute geprägt haben. Hartmut Hartwig profanierte (entwidmete) das Kirchengebäude schließlich. Den feierlichen Schlusspunkt setzten die fünf Diakone der Gemeinde: sie trugen die Altarbibel und die Abendmahlsgeräte (Patenen) aus dem Gottesdienstraum in die Sakristei. Die Neuapostolische Gemeinde Enger war bereits im Januar mit der Spenger Gemeinde fusioniert. Grund für die Zusammenlegung beider Gemeinden sei die demografische Entwicklung mit rückläufigen Mitgliederzahlen gewesen. Die Engeraner Gläubigen besuchen seitdem die Kirche am Standort Spenge. Die neue Gemeinde besteht aktuell aus 340 Mitgliedern und wird von Gemeindevorsteher Evangelist Ralf Pilgrim geleitet. Ralf Pilgrim ist ehrenamtlich tätig und wird von weiteren elf ehrenamtlichen Seelsorgern in seiner Aufgabe unterstützt. Was aus dem Kirchengebäude in Enger wird, steht noch nicht genau fest. Nach Aussage von Mark Waschulewski, in der Kirchengemeinde Enger-Spenge zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, geht das Gebäude zunächst in den Immobilienbestand der Neuapostolischen Kirche NRW über, um es später zu verkaufen oder zu vermieten. Es soll bereits Interessenten geben.

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