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Enger Zurück im Heimatbahnhof

Sammler aus Groningen gibt historisches Kleinbahn-Zubehör an Verein ab

28.10.2014 | Stand 30.10.2014, 12:31 Uhr
In einem solchen Wagen befand sich ein Fahrstand. Er wurde 1930 zur Elektrifizierung angeschafft. Der Bahnfan A. Spühr fotografierte ihn 1962 in Salzuflen.
In einem solchen Wagen befand sich ein Fahrstand. Er wurde 1930 zur Elektrifizierung angeschafft. Der Bahnfan A. Spühr fotografierte ihn 1962 in Salzuflen.

Enger. Die Geschichte der Herforder Kleinbahn endet im Jahr 1966, doch ist sie nicht nur bei heimischen Bahnfreunden unvergessen. Historische Waggons und viele Teile der Bahnausrüstung werden seit einigen Jahren im Kleinbahnmuseum ausgestellt. Die Mitglieder des Kleinbahnvereins dürfen sich nun über weitere Exponate freuen: Ein Bahn-Fan aus dem niederländischen Groningen schenkte dem Verein originale Teile, die einst der Kleinbahn gehörten und nun sozusagen in den Heimatbahnhof zurückgekehrt sind.

"Knapp 50 Jahre lang hatte ein Niederländer einige Dinge, die er bei Einstellung der Kleinbahn aus Enger mitgenommen hatte", hat Kleinbahner Matthias Rasche von dem Mann erfahren. "Der Bahnfan aus Groningen kam 1966 zusammen mit einem Freund in die Widukindstadt, um noch einmal mit der Kleinbahn zu fahren, die kurz darauf ihren Dienst einstellen sollte."

Doch die beiden kamen an einem Wochenende, und die Kleinbahn fuhr zu diesem Zeitpunkt nur noch wochentags. "Die beiden durften aber das Betriebsgelände besichtigen. In der Wagenhalle entdeckten sie die Düwag-Triebwagen. Ein freundlicher Mitarbeiter der Herforder Kleinbahnen gestattete, dass sie sich bei den schon still gelegten Vorkriegswagen, die bereits entkernt waren und verschrottet werden sollten, bedienen durften", so hatte der Niederländer Matthias Rasche berichtet. "Da die Schilder, Griffe und sonstige Teile nicht mehr gebraucht wurden, durften sie sich einige Dinge als Souvenir mitnehmen."

Fast 50 Jahre nach seinem Besuch in Enger hatte der Niederländer, der Anwalt J. W. Zuidema, in einem Straßenbahnmagazin von der Eröffnung des Kleinbahnmuseums im Jahr 2009 erfahren.

Der Fahrschalter sieht aus wie ein hölzernes Lenkrad, daneben die schwere Bremskurbel. Ähnliche Teile wie auf diesem historischen Foto sind nun im Besitz der Kleinbahner.
Der Fahrschalter sieht aus wie ein hölzernes Lenkrad, daneben die schwere Bremskurbel. Ähnliche Teile wie auf diesem historischen Foto sind nun im Besitz der Kleinbahner.

"Da ist ihm die Idee gekommen, die Dinge, die er einige Jahrzehnte aufbewahrt hatte, wieder zurückzugeben", so Rasche. Er habe 48 Jahre auf die Sachen aufgepasst und den Entschluss gefasst, dass diese Teile als Stück der Herforder Kleinbahn wieder dahin sollten, wo sie hingehörten. "So bin ich dann nach Groningen gefahren, habe die Teile abgeholt", berichtet Matthias Rasche. "Herr Zuidema präsentierte mir gleich die Stücke aus dem sogenannten Vortriebswagen. Mit dem Fahrschalter, der Bremskurbel und dem Schlüsselschalter können wir jetzt den Fahrstand rekonstruieren", so Rasche.

Zum Starten der Kleinbahn wurde der Schlüsselschalter gebraucht. Ein Sammler aus Groningen gab ihn zusammen mit einigen anderen Teilen an den Kleinbahnverein Enger weiter. Matthias Rasche holte die Dinge aus den Niederlanden ab. - © FOTO: KARIN WESSLER
Zum Starten der Kleinbahn wurde der Schlüsselschalter gebraucht. Ein Sammler aus Groningen gab ihn zusammen mit einigen anderen Teilen an den Kleinbahnverein Enger weiter. Matthias Rasche holte die Dinge aus den Niederlanden ab. | © FOTO: KARIN WESSLER

Dazu hatte der 65-jährige Mann Fahrzielschilder, die ebenfalls von einem Vorkriegsmodell stammten, aufbewahrt, ebenso eine handgeschriebene Tafel der Abfahrtszeiten von der Haltestelle Oetinghauser Heide.

"Jetzt wandern die Sachen erst einmal ins Archiv und wir überlegen uns, wie wir diese Sachen angemessen präsentieren können. Vielleicht bauen wir einen Führerstand nach - es muss aber auch ins Kleinbahnmuseum passen", kündigt Rasche an.

Die Rückgabe dieser Gegenstände gibt ihm Hoffnung, dass auch andere Menschen Dinge, die sie an ausrangierten Zügen abmontiert haben, vielleicht an den Kleinbahnverein weitergeben. Matthias Rasche denkt da speziell an den Salonwagen der Herforder Kleinbahn, den ein Privatmann Ende der 1960er-Jahre gekauft hatte und dessen Endstation in einem Wäldchen am Benter Weg in Herford ist (die NW berichtete). "Dort wurden auch Griffe, Rückleuchten und viele andere Teile demontiert. Im Kleinbahnmuseum wären solche Dinge an der richtigen Stelle, und viele Menschen haben hier Zugang zu den Exponaten."

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