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Die Leiche von Sandra Zimmermann wurde im Frühjahr 1992 neben einem Waldweg an der Kahlen Wart gefunden. - © FOTO: TYLER LARKIN
Die Leiche von Sandra Zimmermann wurde im Frühjahr 1992 neben einem Waldweg an der Kahlen Wart gefunden. | © FOTO: TYLER LARKIN

KIRCHLENGERN Neue Ermittlungen zu altem Mord

Neue Hinweise zu Leichenfund an der Kahlen Wart vor 20 Jahren / Verurteilter Mörder im Visier

VON TYLER LARKIN
22.06.2012 | Stand 22.06.2012, 09:52 Uhr

Oberbauerschaft. Als am Morgen des 22. Mai 2011 eine verbrannte Frauenleiche auf dem Parkplatz Kahle Wart gefunden wurde, rückte ein weiterer Leichenfund ins Visier der Mordkommission. Im Frühjahr 1992 hatte ein Unbekannter die 17-jährige Sandra Zimmermann aus Bad Salzuflen ganz in der Nähe des Parkplatzes abgelegt. 20 Jahre danach gibt es nun einen neuen Ermittlungsansatz.

Der 42-jährige Dirk I. aus Bünde behauptet, einst Sandra Zimmermann als Anhalterin mitgenommen zu haben. "Sie roch so gut", soll er im vergangenen Jahr gegenüber der Polizei gesagt haben. Diese spontane Äußerung elektrisierte die Ermittler aus zwei Gründen: Sandra Zimmermann war per Anhalter von Bünde nach Bad Salzuflen unterwegs, als sie am 15. März 1992 spurlos verschwand. Und Dirk I. machte seine spontane Aussage, als die Polizei ihn wegen der Frauenleiche vom Mai 2011 vernahm. Kurz darauf legte er in diesem Fall ein Geständnis ab. Kommt er auch für den anderen als Täter in Frage?

Der 42-Jährige führte im Frühjahr 2011 eine Dreiecksbeziehung mit seiner langjährigen Freundin und dem späteren Mordopfer Christine M. Als dieser ihrer "überdrüssig" wurde, schmiedete er mit seiner Freundin einen Mordkomplott. In der Nacht auf den 22. Mai erdrosselten sie Christine M. auf dem Parkplatz Kahle Wart und zündeten sie anschließend mit Benzin an. Wegen gemeinschaftlichen Mordes wurden beide vom Landgericht Bielefeld im Dezember 2011 zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt (die NW berichtete ausführlich).

Sandra Zimmermanns Leiche wurde am 10. Mai 1992 etwa zehn Meter oberhalb eines Waldwegs entdeckt. Sie war einem Sexualverbrecher zum Opfer gefallen. Der Auffindeort befindet sich rund 300 Meter Luftlinie vor der Stelle entfernt, wo der verbrannte Leichnam von Christine M. lag.

Die 17-jährige Kindergartenpraktikantin hatte ihren Freund in Bünde besucht und wollte am späten Nachmittag des 15. März 1992 zurück nach Bad Salzuflen, ihrem Heimatort. Irgendwo entlang der Bundesstraße 239 verliert sich ihre Spur. Die Bielefelder Mordkommission überprüfte mehr als 1.600 Pkw und ging 400 Hinweisen nach – ohne Erfolg.

Bevor die Staatsanwaltschaft Bielefeld die Ermittlungen noch einmal aufnahm, wartete sie die Rechtskraft des lebenslangen Urteils gegen Dirk I. ab. Dessen Rechtsanwalt Dr. Knut Recksiek hatte Revision eingelegt, die inzwischen verworfen wurde.

In den 20 Jahre alten Ermittlungsakten sucht Staatsanwalt Christoph Mackel nach Hinweisen, die auf Dirk I. als Täter hindeuten. Der beteuert, nichts mit dem Verbrechen zu tun zu haben. Doch Staatsanwalt Mackel ist skeptisch: "Wenn jemand unvermittelt über einen lange zurückliegenden Mord spricht, dann hat das einen Grund."

Will sich Dirk I. mit seiner Äußerung nur wichtig machen? Oder ist ihm unter dem Druck der Vernehmung die Wahrheit heraus gerutscht? Während der mehrtägigen Verhandlung vor dem Bielefelder Landgericht schien ihn seine zentrale Rolle im Prozess zumindest nicht zu stören. Teilweise lächelte er in die Kameras der Fotografen.

Staatsanwalt Christoph Mackel sucht zusammen mit Hauptkommissar Ralf Östermann – einem der erfahrensten Mordermittler Ostwestfalens – nach weiteren Ansatzpunkten. Es wäre eine gute Nachricht, wenn Dirk I. auch für dieses Verbrechen verantwortlich wäre. Denn sonst lebt noch immer ein Mörder unbehelligt in Freiheit.

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